den Splash Vor Ort Reportern

Das Splash ist zu Ende, die Rap.de-Redaktion im Allgemeinen am Ende und von meinen Schuhen möchte ich erst gar nicht sprechen. Es fällt schwer, nach einem Wochenende voller Musik, Alkohol und nicht zuletzt Regen (große Überraschung!) passende und beschreibende Worte für all jene zu finden, die nicht dabei waren. Deshalb gibt es hier, auf der besten Website der Welt, über die beste Musikrichtung unseres Sonnensystems und von der besten Redaktion des Universums fantastische Bilder. Backstage, Onstage, Infrontofthestage – alles. Weil wir aber trotz multimedialer Ausrichtung vor allem Fans des geschriebenen Wortes sind, gibt es auch einen beinahe objektiven Festivalbericht. Richtig subjektiv werden wir dann wieder im Redaktionsblog, der Unterschied soll dem ein oder anderen Leser ja auch schon aufgefallen sein.

Tag 0,5:

Das Splash bestand dieses Jahr aufgrund des Prinz Pi/Casper/Turntable Hools-Konzerts am Donnerstagabend inoffziell aus vier Tagen, deswegen erschien es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich bereits 20 Stunden vor Beginn des Festivals die Automassen am Gelände stauten. Macht nichts, jahrelanges Warten gehört ja irgendwie zum Gesamtfeeling. Weniger cool fanden das aber wahrscheinlich die drei Einwohner von Pouch. Wie man diesen Ort richtig ausspricht, wurde am Wochenende übrigens nicht so ganz klar, von „Pautsch“ bis „Pooooch“ war alles dabei. Nun kommt im übrigen eine Dellingsche Überleitung zum abendlichen Konzert auf dem Redbull Tourbus, Achtung: Ebenfalls alles dabei war beim Auftritt der Herren Pi und Casper nebst Hools, zumindest musikalisch. Begeisterten Erstere mit bereits bekanntem Liedmaterial ("Keine Liebe“, "Du Hure“, "Hin Zur Sonne“), interpretierten Letztere alte Klassiker des gepflegten Disco-Absturzes neu. Negativ zu erwähnen bleibt nichtsdestotrotz, dass die nur für diesen Abend angereisten Fans nicht bis zum Bus gelassen wurden, obwohl sich dieser außerhalb des abgesperrten Splash-Geländes befand.

Tag 1:

Apokalyptisch brauten sich die Wolken zusammen, pünktlich zur Anmoderation des ersten Acts. Endzeit-Stimmung also, die sich exakt in der Sekunde, in der Marteria aka Marsimoto ansetzte ins Mikrofon zu sprechen, in einen sintflutartigen Regen entludt. Kurzzeitig war man versucht, Obdach im „Lies Die Bibel!“-Bus zu suchen, der dekorativ auf einem Parkplatz nahe der Bühne herumstand. Warum auch immer. Damals bei Noah hatte das ja auch geklappt. Mit dem Schiff. Wobei das ein schönes Bild gewesen wäre: „Es geschah dereinst, dass Noah sich auf dem Splash-Festival befand. Da sprach Gott zu ihm „Mein Freund, eine große Flut wird kommen und alle Fake Ass Niggers und Whack MCees hinfort spülen. Schare den Wu-Tang Clan, Rakim und Eins Zwo um dich, sie sollen mit dir dieses Schiff dort drüben besteigen, so die Wassermassen überleben und die Hip Hop Welt neu besiedeln. Ach ja, ein letztes noch: lest die Bibel!“. Und so geschah es.
Aber zurück zum Freitag. Es gab viele Auftritte namhafter Künstler, nicht zuletzt dem von Ice Cube, die ersten Meet and Greets fanden am rap.de Stand statt und, jetzt kommt das wichtigste, es gab im V.I.P.-Zelt kostenlosen Alkohol. Dementsprechend gestaltete sich die Suche nach aussagefreudigen Interviewpartnern vergleichsweise einfach, besonders intim wurde es dann mit Billy Danzenie von M.O.P., der offensichtlich auf der Suche nach einem „German Girl“ war. Nach wenigen, journalistisch wertvollen Fragen wurde ich genötigt, mit dem illustren Amerikaner Fotos zu machen, damit jeder sieht, „that we are together and in love“. Ebenfalls super wurde es mit einem dezent alkoholisierten Kool Savas, der so seine eigene Theorie bezüglich des schlechten Wetters hatte. Hierzu muss man anmerken, dass wahrscheinlich niemand einen knallroten Anglerhut so souverän tragen kann wie der King Of Rap.

Tag 2:

Wenn man mehr ein positiv denkender Mensch ist könnte man sagen, dass der Regen für alle zeltenden Festivalbesucher insofern gut war, dass man nicht auf einem betonharten, trockenen Boden schlafen musste. Viel eher war es angenehm weich, man konnte sich regelrecht an den Zeltplatz anschmiegen. Andererseits könnte man es auch so ausdrücken, dass die gesamte Halbinsel Pouch ein morastartiges Loch war und es einen nach diesem Wochenende nicht wundern würde, wenn Forscher in fünfhundert Jahren den erstaunlich gut erhaltenen Körper eines beliebigen Menschen, sagen wir einfach mal Azad oder so, ausgraben würden. Allerdings nicht den Bozz alleine, sondern mit seinen grob geschätzt fünfhundert Chabs aus Frankfurt. Die nahm der gute Mann nämlich am Freitagabend alle mit in den Backstagebereich. Kann man mal machen, wird aber dann schwierig, wenn dort alles für umsonst von einem Sponsor bereitgestellt wird, der sich versorgungstechnisch natürlich nur auf die Leute einrichtet, die offiziell im V.I.P.-Zelt sein dürfen. Deshalb gab es etwas Stress und deshalb war das Security-Personal den gesamten Samstag über auch etwas angespannt. Großartig war der Tag natürlich trotzdem, denn es gab faszinierende Auftritte diverser Menschen, an die man sich, vielleicht auch aufgrund des gesponserten Alkohols, nicht mehr so ganz genau erinnern kann. An Jay-Z natürlich schon, nicht nur an den Auftritt, auch daran, wie der gesamte Bereich hinter der Bühne gesperrt und von Sicherheitsleuten leer geräumt wurde. Dann fuhr die schwarze Limousine eines schwäbischen Automobilherstellers bis an den Bühnenaufgang und kurz darauf ging die Show los. Knapp eine Stunde später war dann auch wieder Schluss und der gute Jigga wie vom Boden verschluckt, was wiederum bei den bereits beschriebenen Bodenverhältnissen nicht total abwegig erschien.

Tag 3:

Der letzte Tag, der finale, fast den gesamten Tag anhaltende Regen, Kopfschmerzen, Dreck, intensiver Uringeruch aus allen Ecken. Festivalstimmung to the fullest, aber anders will man es ja auch gar nicht. Eigentlich hatte man gar keine Kraft mehr, um sich durch den tiefen Matsch zur Bühne zu schleppen, für D.I.T.C. und die Looptroop Rockers versuchte man es dann natürlich doch noch. Viele Besucher waren offensichtlich schon am Morgen abgereist, Tristesse. Das gesamte Wochenende wirkt im Rückblick wie ein grauer Schwamm, den man versucht auszudrücken und irgendwie ist das Wasser eklig und dreckig und Dinge schwimmen darin herum, bei denen man aber nicht genau sagen kann, was es ist. Und dann findet man Geld in diesem Wasser und das im Endeffekt vorherrschende Gefühl ist dann doch positiv. Mit diesem Bild und den wahnsinnig tollen Fotos möchten wir euch, liebe Leser, nun zurücklassen. Enjoy it.

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