Looptroop Rockers

Album Nummer 4 am Start, zumindest wenn man die etwas größeren und noch erhältlichen Veröffentlichungen der schwedischen Rocker zusammenzählt. Anlässlich einer kleinen Interviewreise quer durch Europa, trafen wir uns mit Promoe und Supreme, um uns über den leichteren Sound des neuen Albums "Good Things“, schwedische Trinkgewohnheiten und natürlich Promoes Haare zu unterhalten. Ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Gespräch, das auf Englisch geführt wurde, auch wenn Schwedisch nur eine seltsame Art von Deutsch ist.

rap.de: Ich habe gehört, dass schwedisch eigentlich wie deutsch ist, nur aus Stein und aus Schlamm gemacht.

Supreme: (lacht) Wir benutzten viele deutsche Wörter, aber auch englische und französische.
rap.de: Ich war eine zeitlang Koch und habe mit einem schwedischen Typen zusammen gearbeitet. Der war eigentlich kokainabhängig, hat das dann aber versucht mit Alkohol zu ersetzen. Das hat gut funktioniert. Und dieser Typ hat mir von "Janson Frestelse“ erzählt. Das war lecker.

Promoe: Als Kind habe ich das auch gegessen.
rap.de: Aber heutzutage esst ihr das nicht mehr?

Supreme: Nein.

rap.de: Weil du kein Fleisch isst.

Promoe: Nein, das bin ich. Der hier isst schon Fleisch.
rap.de: Findest du er riecht anders? Ich habe nämlich gehört, dass Vegetarier den Geruch von Fleischfressern nicht ertragen können.

Promoe: So nah komme ich ihm nicht, als das ich das beurteilen könnte. (lacht)
rap.de: Aber ihr arbeitet seit 16 Jahren zusammen. Da kommt man sich ja vielleicht im Tourbus oder auf der Bühne schon mal so nah, dass man aneinander riechen kann oder muss.

Supreme: Ich glaube man riecht schlimmer wenn man viel trinkt.
rap.de: Ist die Vorliebe für harten Alkohol eigentlich eine skandinavische Krankheit?

Supreme: Ich glaube das ist im ganzen nördlichen Teil der Welt so. Russland, Norwegen, Finnland. Da trinken die Leute viel harten Alk. Sie trinken zwar nicht so oft, aber wenn sie trinken, dann richtig.
rap.de: Du meinst so Sommersonnenwendfeiern bei denen die Leute sich dann so betrinken, dass sie ins Wasser fallen und ertrinken?

Supreme: Ich glaube der älteren Generation geht es so, ja. Wir sind etwas jünger und viel rumgekommen. In Schweden reden wir auch viel darüber wie schön es ist, dass die Leute in Frankreich oder Deutschland auch mal nur eine Kleinigkeit zum Essen trinken können, in Schweden können die Leute das nicht.
rap.de: (lacht) Reist ihr mit der Fähre nach Russland um dort billigen Alkohol zu besorgen?

Supreme: Wir oder die Schweden an sich?
rap.de: Die Schweden natürlich.

Promoe: Die Leute fahren nach Finnland.

rap.de: Aber da ist es doch gar nicht billiger.

Promoe: Ja, die Leute nehmen ja auch nur die Fähre und betrinken sich auf der Fähre. Da ist der Alkohol nämlich Steuerfrei. Dann bleiben sie eine Stunde da und nehmen die nächste Fähre zurück. Man nennt das einen „24h Cruise“. Wenn man über die Finnland Cruiser spricht, spricht man über wirklich schlechte Menschen.
rap.de: Wart ihr schon mal auf einem solchen Cruise?

Supreme: Ja. Wir sind da sogar schon mal aufgetreten.
rap.de: Und, hat das Spaß gemacht? War das mit Schlägerei und allem?

Supreme: Die Leute waren halt total besoffen. Es war ein so genanntes Rock Boot, also für Musik begeisterte Leute und alle waren so betrunken, dass es fast unheimlich war.
Promoe: Aber für uns war es eine lustige Nacht weil zwischen Schweden und Finnland eine Inselgruppe mit Namen Åland ist und wir hatten am frühen Abend einen Auftritt auf dieser Insel und sind dann an Bord gegangen als die Fähre vorbeikam. Dort hatten wir den Auftritt dann mitten in der Nacht und schon als wir an Bord kamen waren alle völlig blau.
Supreme: Wir haben dann nach der Show auch ein paar Bier getrunken und uns umgeguckt und vielleicht kann man sich das vorstellen, wenn die Leute den ganzen Tag getrunken haben und die Fähre schaukelt, dann stehen jede Menge an der Rehling…

rap.de: Es wird also viel gekotzt?

Supreme: Ja.

rap.de: Also stinkt das Boot?

Supreme: Das ist mir jetzt nicht so aufgefallen, aber man sieht jede Menge Leute kotzen. Die Kabinen sind ja auch unter dem Deck und haben keine Fenster.
rap.de: Es ist also wie ein Bunker in dem getrunken wird?

Supreme: Ja, genau, um sich zu betrinken und um Frauen klar zu machen. Oder Männer.
rap.de: Sind bei so was überhaupt Frauen dabei?

Supreme: Ja ja, klar. Der Sinn dieser Fahrten ist unter anderem Leute kennen zu lernen. Da kommen halt Leute aus verschiedenen Städten zusammen, das macht es einfacher.

rap.de: In Schweden kennt aber eigentlich jeder jeden? Bei Neun Millionen Menschen ist doch eigentlich fast jeder mit jedem verwandt?

Promoe: Irgendwie schon.
rap.de: Wo lebt ihr genau?

Supreme: In Malmö, das hat etwa 350.000 Einwohner.
rap.de: Das ist also eine ziemlich kleine Szene.

Supreme: Aber immerhin die drittgrößte Stadt in Schweden.
Promoe: Wir kommen eigentlich aus einer kleineren Stadt. Wir kommen aus Västeras.
rap.de: Ich stelle mir das sehr ländlich vor in Schweden, so Michel aus Löneberga, Astrid Lindgren. Rote Holzhäuser mit weißen Malereien.

Promoe: Na ja. Västeras hat so 100.000 Einwohner. Das ist so eine alte Industriestadt. Das ist nicht wirklich klein, aber wenn man dort aufwächst, dann ist da halt auch nichts los. Da passiert nichts.
rap.de: Und ihr hattet noch nicht mal Internet damals. Wie seid ihr da an die Informationen über Hip Hop rangekommen?

Promoe: Na ja, ich habe eigentlich 1986 damit angefangen. Looptroop wurde 1992 gegründet. Na ja, da gab es halt ältere Typen, die waren in London. Die hatten Platten, Filme, Fat Laces. Aber das Lustige daran war ja. Dadurch, dass wir nicht so viele Informationen über Hip Hop hatten, mussten wir uns viel ausdenken. Wir mussten sozusagen erfinden, was Hip Hop ist. Wir haben irgendwas über die 4 Elemente gehört, wir haben hier mal was aufgeschnappt und dort mal was gehört, aber wir wussten es nicht wirklich. Heute denke ich, das war großartig, weil wir so einen ganz eigenen Style entwickeln konnten.
Supreme: Wir konnten ja gar nicht kopieren. Selbst wenn wir gewollt hätten. Das einzige, was uns damals so hiphopmäßig erreicht hat, außer ein paar Tapes, das waren so Kaugummis aus Dänemark. Da waren so kleine Bildchen drin, mit Graffitis. Die haben wir gesammelt und das haben wir nachgemalt. Wenn man heute zurückdenkt, dann ist das natürlich was unheimlich Kleines, so ein Sticker in einem Kaugummi. Aber das war wichtig für uns.
Promoe: Damals gab es ja auch keine Rapper. Wir hatten bei uns einen ziemlich starke Graffitiszene, aber es gab definitiv keine Rapper.

 

rap.de: Und ihr habt auf englisch angefangen? Habt ihr euch nie überlegt auf schwedisch zu rappen?

Promoe: Nein, diese Diskussion kam erst später auf.1998 oder so. Da haben es ein paar Leute ganz erfolgreich durchgezogen und es hat sich auch noch ok angehört. Aber das waren eher Clowns. Die kamen nicht aus der Hip Hop Szene. Trotzdem haben wir darüber nachgedacht, aber dann hatten wir auch schon angefangen in Europa zu touren und uns eine kleine Fanbase aufzubauen. Das war jetzt nicht der einzige Grund, aber irgendwie hat sich das nicht ergeben.
rap.de: Warum habt ihr nicht ein Album komplett auf schwedisch geremixt?

Supreme: Dafür hatten wir nie Zeit. Außerdem verstehen die meisten Schweden englisch.
rap.de: Ja, ich weiß. Das ist ein skandinavisches Problem. Die können alle so gut englisch.

Promoe: Außerdem, wenn du nur auf schwedisch rappst, dann kannst du auch nur in Schweden auf Tour gehen und dann immer nur in die selben Orte. Da würde die Inspiration ein bisschen absterben, ehrlich gesagt. Ich freue mich darüber, dass ich so viele unterschiedliche Sachen erleben kann. Wenn ich dann nach einer Europatour zurück komme, dann freue ich mich auch wieder darauf, zu Hause zu sein.

rap.de: Ist das der Grund warum ihr es seit 16 Jahren miteinander aushaltet? Weil eigentlich ist es ja ein bisschen langweilig. 16 Jahre immer mit denselben Leuten abhängen.

Supreme: Das kann sein. Die Leute um uns herum wechseln aber auch immer mal wieder. Unsere Freundinnen wechseln. Obwohl, da sind wir auch schon ziemlich lang mit denselben zusammen. Aber zum Beispiel der Typ, der das Merchandise macht. Das wechselt manchmal.
rap.de: Das bedeutet, wenn man als Band lange zusammen bleiben möchte, dann sollte man öfter mal den Merchandiser auswechseln?

Promoe: So habe ich das noch gar nicht gesehen. Aber jetzt wird mir das klar. Stimmt. Nein, aber im Ernst. Die Musik hat sich einfach geändert und man kann diese Entwicklung spüren. Es ist immer spannend rauszufinden wie das nächste Album klingt.
rap.de: Und seit wann lässt du deine Haare wachsen?

Promoe: Seit 1995.
rap.de: Supreme, war das seltsam für dich und deine Freundschaft, das zu beobachten, was da in all den Jahren gewachsen ist?

Supreme: Na ja. Ich habe es ja nicht so richtig gemerkt. Aber heute fällt mir das manchmal auf. Gerade wenn ihn Leute so anstarren und wirklich schockiert sind. Ich denke da ja nicht so viel drüber nach, aber dann fällt mir das auf und dann sage ich: Yo, du hast aber einen echt langen Bart bekommen.
rap.de: Hast du manchmal Angst, dass da Käfer in deinem Bart wohnen? Ich habe mal gehört, dass man nach Bob Marleys Tod 38 verschiedene Laus- und Käferarten in seinen Haaren gefunden hätte.

Promoe: Nein. Das einzige Problem ist eigentlich Staub und Flusen. Also die Haare sind nicht besonders sauber.

rap.de: Kannst du uns ein paar Haartips geben?

Promoe: Tips für so lange Haare? Na ja. Wenn sie so dick sein sollen und man in Skandinavien lebt, dann kann man sie halt den ganzen Winter über nicht waschen, weil die vereisen dann und werden überhaupt nicht trocken. Also das ist definitiv nichts für Leute, die jeden Tag ihre Haare waschen wollen.

rap.de: Riechen die?

Promoe: (riecht an seinen Haaren) Nein. Riecht gut.
Supreme: Ich kann das bestätigen. Er riecht wirklich nicht.
Promoe: Die stinken eigentlich nur, wenn ich sie zu oft wasche. Weil das einfach ewig dauert bis die trocken sind. Wenn die trocken bleiben, dann stinken die nicht, weil die Haare reinigen sich ja auch selbst. Wenn man genau hinschaut, dann sieht man so Staub und kleine Fussel, das kommt aber von meinen Klamotten.
rap.de: Das heißt, das musst du jeden Tag rauspicken?

Promoe: Sollte ich. Mach ich aber nicht.
rap.de: Hast du deine Dreads auf natürlich Art und Weise bekommen oder hast du Terrormische benutzt, also eine Mischung aus Seife, Salz und Wasser?

Supreme: Also wenn man in Länder geht, wo es Salzwasser gibt, dann fühlt man schon, dass die Haare sich rauer anfühlen und schneller verfilzen.

Promoe: Also, wenn die Haare lang genug sind und man sie nicht kämmt, dann verfilzen die von ganz alleine und seit 1995 habe ich sie eben nicht mehr geschnitten oder gekämmt.
rap.de: Does it help you with the girls?

Promoe: Nein. Also ich hatte jetzt für 4 Jahre eine Freundin, aber ich denke, dass es nicht wirklich hilfreich ist.
rap.de: Ist das dann eher so etwas wie ein Liebesbeweis? Also wenn eine Frau dann mit dir zusammen ist, dann muss sie dich schon wirklich lieben, sogar mit diesen Haaren.

Promoe: Ja. Wahrscheinlich. Das stimmt schon.
rap.de: Sind deine Haare irgendwie religiös motiviert?

Promoe: Nein. Ich bin nicht religiös. Da stecken bestimmt ein paar tiefere Gedanken dahinter aber ich bin kein Rasta. Ich bin bestimmt ein bisschen davon beeinflusst, oder auch von Indien oder vom Christentum, aber ich bin nicht religiös. Also ich habe mir schon ein bisschen was dabei gedacht, als ich beschlossen habe, so auszusehen, wie ich aussehe. Gerade 95, als ich damit angefangen habe. Das war schon ein Protest gegen diese Gleichförmigkeit. Ich wollte anders aussehen. Ich wollte mich außerhalb stellen. Das war mir wichtig. Ich ging auf eine Schule, wo alle die gleichen Klamotten trugen und wo erwartet wurde, dass alle gleich aussehen um in zu sein. Als ich dann fertig war mit dieser Schule, da habe ich beschlossen nie mehr ein Teil dieser Masse zu sein. Heute ist mir das nicht mehr ganz so wichtig, aber jetzt hängen die halt so rum. Die Haare.

rap.de: Aber in der Hip Hop Szene bist du ja heutzutage auch ein richtiger Außenseiter. Die sind ja auch alle ziemlich uniformiert.

Promoe: Ja klar. Im Hip Hop heute geht es ja auch sehr viel darum, wie man aussieht und es wird erwartet, dass man so und so aussieht. Davon will ich auch kein Teil sein. Ich finde natürlich, dass es um mehr gehen sollte als ums Aussehen.
rap.de: Was denkt ihr dann gerade allgemein über die aktuellen Strömungen im Hip Hop? Das ist doch alles sehr, sehr oberflächlich.

Supreme: Ja das stimmt, aber ich denke, das hängt damit zusammen, dass es jetzt eine so wahnsinnig große Industrie ist.
Promoe: Ehrlich gesagt fühle ich mich da nicht mehr so richtig zugehörig. Ich mache zwar noch Hip Hop Musik aber ich fühle mich nicht als Teil der Hip Hop Kultur, wie sie sich gerade entwickelt hat. Es ist mir auch nicht mehr so wichtig, wie es mir vor 10 Jahren war. Heute ist es mir sehr viel wichtiger Musik zu machen, die ich gut finde.
rap.de: Aber auf eurer Seite steht gerade aktuell ein YouTube Video und da sagst du im ersten Satz: „For Hip Hop – I got a warm heart.“

Promoe: Das ist ein Song, denn ich 1999 geschrieben habe. Da haben wir gerade nur einen Remix gemacht. Da haben wir einen Drum’n’Bass Beat drunter gemischt. Das habe ich vor langer, langer Zeit geschrieben.
rap.de: Aber ihr führt ihn immer noch auf.

Promoe: Ja natürlich. Auf eine Art mag ich Hip Hop ja auch. Das ist mein früheres Leben. So bin ich aufgewachsen. Aber wenn ich mir das heute so anschaue, dann habe ich zu vielen Dingen, die da passieren einfach keinen Bezug mehr.
rap.de: Könnt ihr euch vorstellen, mit Rick Ross abzuhängen?

Supreme: Ja wahrscheinlich ist er ein sehr netter Typ.
rap.de: Vielleicht solltet ihr ihn mit auf diese Fähre nehmen. Zum Saufen.

Supreme: Ja sehr gut. Er macht ja auch viel mit Booten in seinen Videos. Er dürfte also daran gewöhnt sein.

rap.de: Könnt ihr euch vorstellen, dass Geld, Sex ersetzen kann?

Supreme: Ja. Das kann ich mir vorstellen. Ich glaube das geht es ums Game. Das Frauen abschleppen kann genauso ein Game sein, wie Geld verdienen, oder der Beste zu sein. Und ich glaube das kann dich high machen. Egal was. Und ich glaube, das kann man dann gegeneinander austauschen. Nicht komplett aber teilweise bestimmt. Workaholics verbringen ja auch mehr Zeit mit der Arbeit, als mit der Familie und die stehen drauf. Andere gehen halt voll in diesem Familiending auf. Also alles kann abhängig machen.
rap.de: Das Artwork auf eurer Seite sieht ja nicht sehr nach Hip Hop aus, das kommt ja eher so Housemäßig rüber.

Supreme: Darüber haben wir viel diskutiert, als wir das gemacht haben. Ich habe das ja mit entworfen. Ich wollte dieses Reisegefühl heraufbeschwören. Dieses Tourfeeling. Aber als wir es dann fertig hatten, dachten wir auch, dass das sehr trendy aussieht, ein bisschen wie das VICE Magazin. Aber ich hoffe natürlich, dass die Leute so ein bisschen das Gefühl von einem Tagebuch bekommen, wenn sie auf unsere Seite gehen und auch das neue Album kommt ja mit einem ziemlich dicken Booklet, wo sehr viel Fotos drin sind.
rap.de: Habt ihr auch den Eindruck, dass der Sound von Eurem neuen Album ziemlich leicht und luftig und sonnig ist?

Promoe: Ein paar Songs vielleicht. Aber zum Beispiel "Rome". Da würde ich sagen, das ist wahrscheinlich der härteste Track, den wir jemals gemacht haben. Aber vielleicht ist es einfach besser durchmischt und es hat natürlich einen leichteren Titel: "Good Things".
rap.de: Es hat ja auch diesen Ragga Einfluss.

Promoe: Findest du? Also DJ Embee hat das alles produziert und der war ehrlich gesagt noch nie so tief drin in Dancehall. Mein Soloalbum hat ein bisschen mehr diesen Dancehall Flavour.
Supreme: Irgendjemand hat uns neulich gesagt, dass das ganze nicht so europäisch sondern mehr nach Afrika klingen würde. Aber das zu beurteilen fällt uns schwer. Wir haben es ja gemacht und wir stecken da immer noch drin. Für dich von außen, sieht das natürlich ganz anders aus.
Promoe: Embee hat in einem anderen Interview aber auch mal gesagt, dass er ein bisschen von seinem eigenen Sound gelangweilt war. Also die Sachen, wie wir sie früher gemacht haben und deshalb wollte er da ein bisschen wegkommen davon. Deshalb hat er auch so viel rumexperimentiert. Aber ich finde es cool. Ich will ja auch, dass jedes Album von uns irgendwie anders klingt. Wir sind ja immer noch auf der Suche. Wenn man Amerikaner ist, dann kann man das vielleicht anders machen. Die sind ja vielleicht so drauf, dass sie sagen: Ich weiß, wie Hip Hop funktioniert. Ich habe den besten Hip Hop der Welt gefunden. Ich mach den besten Hip Hop, und dann verändert man nichts mehr dran. Nie wieder. Aber so sind wir ja nicht drauf.
rap.de: Das ist eine europäische Krankheit. Diese ewigen Selbstzweifel.

Supreme: Oder ein Segen.
rap.de: Ihr habt “Living On A Prayer“ von Bon Jovi benutzt. Ich hab mir das YouTube Video zum Song angeschaut und er hat auch sehr schönes Haar. Ich denke ihr solltet ein Feature mit ihnen machen, nur wegen dem Haar.

Supreme: Ich glaube aber, dass er jetzt kurzes Haar hat.
rap.de: Vielleicht hat er auch gar keine Haare mehr, er ist ja auch älter geworden. Warum habt ihr denn “Living On A Prayer“ verwendet?

Promoe: Es war der erste Song den wir gemacht haben für dieses Projekt. Wir wollten Spaß und keinen Druck haben, also dachten wir, wir machen eine Coverversion von diesem Lied. Wir haben uns genau für diesen Song entschieden, weil wir durch die Songbibliothek von alten Liedern gegangen und dann darauf gestoßen sind. Diesen Song habe ich als Kind sehr oft gehört. Heute mag ich ihn irgendwie nicht mehr wirklich. Ich meine, er ist gut, aber ich liebe ihn nicht, weißt du. Ich glaube es ist sehr schwer einen deiner Lieblingssongs zu covern, weil er auf jeden Fall immer schlechter werden wird als das Original. Dann willst du aber auch keinen Song covern den du nicht magst. Also war dieser für uns cool, weil wir uns alle an ihn erinnern konnten aber ihn nicht mehr wirklich oft anhören.
rap.de: Der Song hat einen religiösen Touch.

Supreme: Wir haben schon viel biblische Sachen verwendet. Vieles davon ist schön, weil es sehr stark ist.
Promoe: Ich denke aber, dass der Ausdruck “Living On A Prayer“ sich mehr darauf bezieht, dass du nicht viele materielle Dinge in deinem Leben hast. Wie diese beiden Typen, Tommy und Gina aus dem Lied, sie haben nur sich selbst, sie haben nur ihre Liebe.

rap.de: Aha. Sie leben von Luft und Liebe. Ihr engagiert euch aber auch politisch recht viel, stimmt das?

Supreme: Nicht wirklich.
rap.de: Irgendwo habe ich gelesen, ihr hättet in besetzten Häusern gewohnt?

Promoe: In Schweden existieren besetzte Häuser nicht einmal. Die Polizei würde das auf gar keinen Fall akzeptieren.
rap.de: Weil Schweden so ein soziales Land ist, dass sie keine anderen sozialen Bewegungen möchten?

Supreme: Es ist ein Land mit ziemlich vielen Gesetzen, und die funktionieren auch sehr gut. Wir hatten aber immer starke politische Texte, und auch Auftritte als das Reclaim The Streets Movement begonnen hat, und all solche Sachen.
Promoe: Unser politisches Engagement ist hauptsächlich auf die Musik beschränkt. Leute die in anderen politischen Bereichen aktiv sind, werden hoffentlich von unserer Musik inspiriert.
rap.de: Welche Themen sind denn dann interessant für euch, ich hab da welche zur Auswahl: Das Sterben von Mutter Natur? Ist das ein Thema für euch?

Promoe: Ich denke, dass sehr viele Themenbereiche interessant sein können, man muss nur einen guten Blickwinkel entwickeln.
rap.de: Welcher Blickwinkel ist das?
Promoe: Wenn du zum Beispiel ein Lied über die Liebe schreiben möchtest, ich finde das die Liebe ein super Thema ist, allerdings wurde es schon so oft zum Thema gemacht, dass du wirklich..
rap.de: ..Einen künstlerischen, neuen Blickwinkel auf das Thema finden möchtest.

Promoe: Es muss nur ein Wort oder ein Ausdruck, das alleine kann schon eine Basis schaffen.
rap.de: Ein Liebeslied ist gut, wenn du deine Gefühle auf so eine spezielle Art und Weise ausdrücken kannst, wie es vorher noch keiner gemacht hat. Nicht so was wie „Deine Augen sind so wunderschön“, oder „Dein Vater muss ein Dieb sein, er hat die Sterne vom Himmel geholt“.

(Gelächter)
Supreme: Das letzte Album hieß “Fort Europa“, und ich glaube das ist eines dieser Themen worüber wir viel nachdenken. In der Presse gab es viel darüber zu lesen, wie Menschen [Flüchtlinge] von Nordafrika nach Spanien gehen. All diese Sachen, über die macht man sich natürlich Gedanken. Dazu war “Fort Europa“ dann noch ein sehr ausdruckstarker Titel. Du kannst “Building“, die neue Single, als einen politischen Song betrachten, oder eben nur die gute Hook sehen.
rap.de: Wenn ihr etwas über die Festung Europa schreiben möchtet, wie geht ihr das an?

Promoe: Ich glaube wir fangen mit dem Titel an. Wenn der Titel Gefühle hervorbringt…
Supreme: Ich kann mich aber zum Beispiel erinnern, wie du mir das Sample gezeigt hast “guck dir das an, die reden über Fort Europa“, ich glaube es stand in einer Zeitung. Du hast ein paar Artikel gelesen die diesen Ausdruck verwendet haben. Es war ein verrückter Name, dann haben wir darüber nachgedacht, uns ausgetauscht, dann kam es zu einem Titel zu dem du ein Gefühl aufbauen kannst.
Promoe: Nach diesem Prozess kriegen wir dann normalerweise Musik von Embee. Meistens weiß er gar nicht über was wir so nachdenken oder welche Titel wir uns so ausgedacht haben, er macht einfach seine Musik. Manchmal sagen wir ihm auch, wir haben diesen und jenen Titel, mach einen Beat der deiner Meinung nach dazu passt.

rap.de: Dann arbeitet ihr genauso wie Guru und DJ Premier zusammen. Sie haben zuerst den Titel des Songs, dann macht Premier den Beat dazu und dann erst schreibt Guru den Text.

Promoe: Siehst du. Manchmal kriegt man Ideen nur dadurch, dass man den Beat angehört hat, weil er eben ein bestimmtes Gefühl transportiert.
rap.de: Wäre China und Tibet eventuell ein Thema für euch?

Supreme: Die Olympischen Spiele wären ein super Thema um einen Song daraus zu machen.
Promoe: Es ist bestimmt schwierig einen Text darüber zu schreiben.
Supreme: Ja, man weiß nicht sonderlich viel darüber, man weiß nur, dass da irgendwas abgefuckt ist, aber man kennt eben nicht die ganze Geschichte. Die Olympischen Spiele wären aber eine coole Sache, weil das so ein starkes Bild ist.
rap.de: Ok. Kommen wir aber mal zurück zum eigentlichen Thema. Mögt ihr rasierte Frauen?

Supreme: Ehrlich gesagt, nein. Ich mag keine rasierten Frauen.
rap.de: Wirklich? Also so richtig natürlich untenrum? Ich meine RICHTIG natürlich, also so wie in den 80ern?

Supreme: Na vielleicht… auf jeden Fall nicht komplett rasiert. Das sind dann aus wie bei Kindern. Das mag ich nicht.
Promoe: Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll. Also ich mag alle Frauen. Mir ist es egal.
rap.de: Du hast einen Song gegen Savas gemacht. Den kann man leider nirgendwo mehr finden. Hast du dich damals beleidigt gefühlt?

Promoe: Nein, nicht wirklich. Das war mehr so Spaß. Ich war auch nicht ärgerlich. Das war nur eine Antwort auf einen Diss von ihm.
rap.de: Aber er hat nur eine Line gegen dich gemacht.

Promoe: Ja gut, (lacht) aber ich mache halt nicht nur eine Line. Das macht keinen Sinn. Entweder einen ganzen Song, oder gar nichts. Ich bin doch kein Rapper, der irgendwelche Songs macht und dann irgendwo eine Zeile gegen Savas versteckt. Ich habe damals einen Song mit NOSLIW gemacht und da habe ich gehört, dass Savas uns gedisst hat. Da habe ich dann ein paar Zeilen dazu geschrieben, aber dann habe ich gedacht, dass es nicht gut kommt, wenn ich das auf den NOSLIW Song packe, weil der hat gar nichts damit zu tun. Dann hat rap.de bei uns angefragt, ob wir einen Exklusiv-Song für sie hätten und dann habe ich gedacht, dass ich die Zeilen dafür benutzen könnte.
rap.de: Habt ihr euch jemals getroffen?

Supreme: Wir haben uns mal beim Splash gesehen. Wir kennen ihn gar nicht. Das ist ja jetzt auch kein amerikanisches Ding, auf Leben und Tod.
Promoe: Viele Leute haben ja damals gar nicht mitbekommen, dass er uns gedisst hat. Die dachten, ich hätte angefangen. Aber es gab ja auch ein paar Leute, die das cool fanden, was wir gemacht haben und die meinten, dass ich das ausgesprochen hätte, was viele Leute sich denken, aber nie aussprechen würden, weil Savas eben so big hier ist. Aber hey. Darauf konzentrieren wir uns wirklich nicht. Ich bin ja wirklich außenstehend und habe da nichts damit zu tun und insofern, das war wirklich mehr als Witz gemeint.
rap.de: Okay. Wir müssen Schluss machen. Das Management wartet. Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück weiterhin.

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