Massiv

Ich treffe Massiv ungefähr 2 Wochen, nachdem wir zum ersten Mal bei TRL aufeinander getroffen sind. HipHop und Gewalt war das Thema, und im Zuge der mehr als einstündigen Fernsehdiskussion, gab es doch den einen oder anderen verbalen Schlagabtausch. Das war alles großartig, doch so einfach wollte ich es nicht stehen lassen. Erstens sollte noch einmal klar gestellt werden, dass es ziemlich mutig war, dass sich Massiv in seiner speziellen Situation einer Live-Fernsehdiskussionsrunde gestellt hat und zweitens dachte ich mir, dass da noch ein paar Dinge zu besprechen sind.

Aus diesem Grund habe ich dann bei rap.de angefragt, ob ich das Interview führen dürfte und bekam auch von Management und Künstler grünes Licht.

Schließlich fand das Interview in den Studioräumlichkeiten von Desue statt und es erwartete uns ein entspannter und vielleicht bislang völlig unbekannter Massiv. Angriffslustig, bissig, ironisch.

Heraus kam das etwas andere Massiv-Interview.    
 
Staiger: Fangen wir mal mit dem Geschäftlichen an. Am 14.03.08 erscheint die zweite Single "Es Tut Mir Leid“ und für die dritte Single hast du im Forum einen Aufruf gemacht, die sollen die User auswählen.

Massiv: Ja, also, wir haben so eine kleine Umfrage gemacht, in unserem Forum. Zeigt auch unsere krasse Fanbindung. Dann haben sie aber genau den Punkt getroffen. Genau an diesen Song hab ich auch gedacht bei der dritten Single. Es wird auf jeden Fall "Wir Sind Alle Gleich“ sein.
Staiger: Also ist schon ausgewählt jetzt oder was?

Massiv: Ja, aber kann natürlich auch noch was dazwischen kommen.
Staiger: Wenn sie jetzt sagen, nee, sie wollen "Kanaken“.

Massiv (lacht laut): Nein, denk ich nicht.
Staiger: Dafür würde ich ja stimmen.

Massiv: Kennst du den Song oder wat?
Staiger: Natürlich, ich kenn doch das Album.

Massiv: Ah. Wann hast du das Album gehört?
Staiger: Letzte Woche.

Massiv: Ah, okay! Nein, "Kanaken“ eher nicht. Das ist kein vorbildlicher Song.

 Staiger: In diesem Aufruf sprichst du von einer Bewegung. Was ist das für eine Bewegung?

Massiv: Ja, ich bezeichne mein Label nicht gerne als Label, weil, weil, warum?? Weil ich eigentlich nur Musik mache und gar nix mit dem ganzen anderen Kram zu tun habe. Deswegen bezieh ich meine Fans da mit ein und sag „Ey, wir sind alle eine Bewegung, wir sind kein Label, scheiß drauf“.
Staiger: Gut, aber die verdienen ja nix mit.

Massiv: Natürlich verdienen die was mit.
Staiger: Was verdienen die mit?

Massiv: Die bekommen alle Features, die ich nicht auf mein Album packe. Die bekommen sie geschenkt.
Staiger: Im Memberbreich deiner Homepage oder was?

Massiv: Ja, Homepage, per Handy, Infrarot, Bluethooth.

Staiger: Ja, okay. Aber "Bewegung“, das klingt ein bisschen nach mehr, dass da noch mehr dahintersteckt.

Massiv: Natürlich steckt da mehr dahinter.
Staiger: Was steckt denn da dahinter?

           

Massiv: Also, (nachdenklich) jeder, der kein Bock mehr hat, irgendwie zweite Geige zu spielen oder so, soll sich meiner Bewegung anschließen. (Lacht) Du bringst mich voll zum lachen.
Staiger: Das ist sehr interessant. Da sind wir schon mittendrin. Inwiefern zweite Geige spielt?

Massiv: Ja, inwiefern zweite Geige? Einfach kurz ausgedrückt so, ey jeder, der ehrliche und authentische Musik haben will. Komm in meine Bewegung! Was heißt Bewegung. Ist einfach nur ein Slogan von mir, weißt du.
Staiger: Hat es auch was damit zu tun, zu sagen, dass ausländische Jugendliche, wie es so schön heißt oder Jugendliche mit Migratons- Hintergrund eher nicht so in dieser Gesellschaft integriert sind? Hat das eine politische Dimension?

Massiv: Also, ich bevorzuge für meine Bewegung nicht irgendwelche Nationalitäten. Deutsche sind herzlich willkommen. Meine Käufer sind ja Deutsche. Ich denke nicht, dass so viele Gleichgenossen, also Palästinenser wie ich, jetzt loslaufen und ein Album kaufen.
Staiger: Weil, die laden ja down, wie ich gelernt habe im Song "Kanaken“. (lautes Lachen)

Massiv: Ja, die bevorzugen das eher downzuloaden.
Staiger: Ist schwierig, wenn man als Künstler davon leben möchte und die Leute, die so sind wie man selber, die auch von der Musik angesprochen werden, wenn die dann eher downloaden, oder?

Massiv: Daran kannst du nix ändern, du musst halt das Beste draus machen, du musst halt versuchen von Platte zu Platte immer mehr Herzen zu gewinnen. Weil wenn du´s packst Herzen zu gewinnen, dann sind die auch bereit einen 10er hinzulegen auf die Theke, weißt du.

 Staiger: Stört es dich eigentlich wenn du nur so aufs Image reduziert wirst? In vielen Interviews geht es ja wenig oder fast gar nicht um deine Musik?

Massiv: Ja, das hat mich gestört bis gestern. Seit ich mein Album abgeliefert habe, würde ich mir schon wünschen, dass die Leute erst mal das Album hören und mich dann kritisieren wegen mancher Imagescheiße. Ich bin kein Imagerapper. Ich bin auch im Stande ganz normale, gute Hits zu machen und übers Volk zu rappen. Aber bei mir war ja auch das Interessante, dass ich mit meinen Eltern hierher gezogen bin. Das komplette Drumherum war auch interessant. Natürlich hatte ich bis dato noch keinen Erfolg oder keine krass verkauften Platten, aber ich hab halt einen Hype ausgelöst mit meiner Musik, die irgendwelche Kids aus ganz Deutschland angesprochen hat. Ohne großen Aufwand hab ich schon sehr viele Leute erreicht. Ohne irgendwelche Videorotationen. Ohne irgendwelche Majormoves. Ich hab einfach ein paar Songs über Handy verteilt und dann hat es Klick und Bang gemacht.
Staiger: Aber als der Hype losging, das waren schon diese dunklen "Oben-ohne“-Aufkleber.

Massiv: OK, aber von diesen Aufkleber hat es vielleicht 3000 gegeben.
Staiger: Sind die alle in Berlin verklebt worden, oder was?

Massiv: Ich hab die selber aufgeklebt. Ich bin mit Schlappen durch Berlin gelaufen und hab die aufgeklebt. Ich hab mindestens zehn gestandene Rapper gesehen mit dem dicken Auto an mir vorbeifahren, die haben sich auch nur gedacht „wer bist denn du?“. Denen hab ich jedem einen Sticker in die Hand gegeben, aber ich will jetzt keine Namen nennen. Heute bin ich Massiv, jeder kann sich an mich erinnern, ich bin der, der die Dinger selber aufgeklebt hat.
Staiger: Du sagt, du hast deine Träume wahr gemacht. Was gab´s für Alternativen? Gibt es überhaupt Alternativen? Oder ist das ganz oder gar nicht?

Massiv: Ich wollte Rapper werden und dann hab ich es einfach gemacht. Es hat geklappt, wie man sieht. Aber würde das alles gar nicht klappen und ich wäre kein Rapper geworden, dann hätte ich, glaub ich, entweder wirklich nur Scheiße gebaut oder einen Dönerladen aufgemacht, am Kottbusser Tor.
Staiger: Siehst du andere Möglichkeiten für Leute von deinem Schlag irgendwie in dieser Gesellschaft weiterzukommen?

Massiv: Natürlich. Man muss sie bloß einfach frühzeitig erkennen. Was man kann, sollte man immer machen. Die Kids bekommen heutzutage nicht so viele Wege gezeigt, aber wenn sie einen Weg gezeigt bekommen, auf dem sie geradeaus laufen, dann denk ich schon, dass jeder etwas reißen kann.
Staiger: OK, aber welche Wege könnte man ihnen aufzeigen? Dass jeder von denen Rapper werden kann, das geht ja jetzt wahrscheinlich auch nicht.

Massiv: Nein, auf keinen Fall. Sie sollen wieder versuchen, Fußballer zu werden. Rapper ist schwierig. Geht nicht. Keiner hat Bock, Promo zu bezahlen oder irgendwelche Beklebungen mitzufinanzieren. Und Royal Bunker macht ja auch zu, oder?
Staiger: Ja. Ist zu.

Massiv: Mein ich ja, also gibt’s keine Perspektiven mehr.
Staiger: Du wolltest auch bei Royal Bunker sein?

Massiv: Ja, ich hab 100 DEMOS weggeschickt, ihr wart eine Adresse davon. Mich wollte gar keiner.
Staiger: Warum wollte dich Basstard?

Massiv: Er hat nur mein Bild gesehen, er hat mich gar nicht gehört. (lacht)
Staiger: Das war beeindruckend?
 
Massiv: Ja, meine Tätowierungen.

Staiger: Du hast mir neulich erzählt, dass du erst sehr kurz gerappt hattest, als du dieses DEMO aufgenommen hast.

Massiv: Ja, das stimmt. Ich bin von meiner Arbeitsstelle rausgeflogen, da war ich Gabelstaplerfahrer, aber ohne Führerschein und so. Pakete, aber die sind mir immer aus der Hand geflogen.
Staiger: Weil du zu schwach warst, oder?

Massiv: Nein, ich war absolut nicht gemacht, um irgendwelche Nummerierungen da aufzuschreiben, damit man weiß, was für Farben da drin sind. Auf jeden Fall bin ich da rausgeflogen, dann ab ich gesagt, ich überlege mir ne Woche, was ich jetzt mache und dann nach einer Woche hab ich gesagt „Mama ich werd Rapper“. Dann habe ich in derselben Woche noch ein DEMO aufgenommen auf meinem Kassettenrecorder, bin dann in ein Studio gegangen und hab das noch mal am Mikrofon aufgenommen. Dann hab ich im Internet nach einem Presswerk gesucht. Dann habe ich ein paar Bilder gemacht und ein geiles Booklet, weil: wenn ich was mache, dann mach ich es richtig. Sogar, wenn ich scheiße bin. Das ist mein Motto. Ich habe natürlich gemerkt: Ich bin scheiße, aber ich wollte wenigstens die Verpackung gut machen, weißt du. Also hab ich dann 100% gegeben und einen Monat später hatte ich ein fertiges DEMO und los geht’s. Royal Bunker, Aggro Berlin, dahin, dahin, dahin bam bum bang…

          
Staiger: Also, du hattest keine Verbindung zu irgendwelchen anderen Rappern?

Massiv: Doch, ich hab mal Tupac gehört. (lacht)
Staiger: Ich meine irgendwelche Rapper in Pirmasens. Du warst ja auf den Konzerten von Aggro und Bushido. Hast du denn da live gerappt?

Massiv: Nein, nein, gar nicht. Ich hab ja gar nix mit Rap zu tun gehabt. I´m not a rapper, i´m äh… (lacht)
Staiger: (lacht) Aber du wolltest doch Rapper werden.

Massiv: Ja, ich war kein Rapper aber ich wollte ein Rapper werden und bin’s geworden. Ich sah Rapper als Beruf und ich wollte mich bewerben, dann hat mich keiner angenommen außer MC Basstard, und dann hat er mir irgendwie ein Studio klargemacht. Dann habe ich da "Ghettolied“ schnell eingerappt. Das hab ich dann über Handy verteilt und so ging’s weiter. Immer so etappenweise.
Staiger: Gab´s da auch irgendwelche Vorbilder musikalischer Art? Oder hat sich das nur auf Tupac beschränkt?

Massiv: Also, ich bin schon Profi, ich kenn mich absolut gut aus. Soul, Rap und Bla Bla Bla, und ich weiß, was Flow ist. Ich weiß, was ne gute Hook ist, aber Vorbilder jetzt im deutschsprachigen Raum hatte ich keine, in Amerika auch nicht, außer verstorbene Leute.
Staiger: Also Biggi und Tupac.

Massiv: Ja, also Tupac mehr, weil: das war echt Schmerz in der Stimme.
Staiger: Geht’s dir um Technik oder so was, interessiert dich so was?

Massiv: Was heißt Technik? Mir geht’s mehr so um die Aussage. Wie du auch bei TRL gesagt hast, du findest es besser, wenn einer über Sex singt und es auch gut ausstrahlt, als wenn er einen schlechten Politiksong macht. Bei mir ist das auch so. Wenn ich einem in die Augen gucke, will ich auch das z.B. das Lied zu einem Künstler passt, ansonsten kann ich ihm das nicht abnehmen, und ich finde es dann oberflächlich. Dann finde ich den Track schon scheiße. Mir bringt es nichts, wenn ein 13jähriger Junge einen krassen Song rappt. Da muss dann schon irgendwas aus den Augen ausgestrahlt werden.
Staiger: Hat dich Berlin irgendwie beeinflusst, weil du meintest, dass du das "Ghettolied“ relativ schnell hier aufgenommen hast.

Massiv: Drei Monate nachdem ich das erste Mal zum Stift gegriffen habe, hab ich das "Ghettolied“ aufgenommen, und da hat man schon gemerkt, dass ich wirklich die Chance genutzt hab. Ich konnte in einem Studio aufnehmen, also hab ich mich auch bemüht, gute Songs zu machen. Deswegen ging das bei mir so schnell und ähm, was war noch mal die Frage?
Staiger: Ob dich das Berliner Umfeld beeinflusst hat?

Massiv: Natürlich, aber komisch war ja, dass ich nach Berlin gekommen bin und gleich den härtesten Rap gemacht hab, ganz ehrlich.
Staiger: Warum ist es dann so krass auseinander gegangen? Die alten Feature-Kollegen wollten auf der Nachpressung vom ersten Album nicht mehr mit drauf sein, was ist da passiert?

Massiv: Das war aus Loyalität gegenüber MC Basstard, aber er selbst wollte auf der Platte draufbleiben. (lacht) Komisch, wa? Diese Clowns. Die haben 20 Platten in einem Jahr gemacht. Das zeigt, dass die hungrig sind. (Schnalzt mit der Zunge).
Staiger: Das klingt jetzt ein bisschen ironisch. Aber kommen wir zurück zum Berufsleben. Du hast neben Gabelstapler fahren noch ein bisschen was anderes gemacht.

Massiv: Ich habe fünf Ausbildungen gemacht. Darf ich sie aufzählen?
Staiger: Natürlich. Das ist Internet. Wir haben Platz.

Massiv: Kaminofenbauer, Fliesenleger, Verfahrensmechaniker, Kunststoff und Formtechnikscheißdreck. Was weiß ich, was das war. Ich war da nur drin, weil meine Mutter mich verkuppelt hat. Was war ich denn noch? Dann war ich glaub ich Maler und Lackierer. Alles immer nur 2 Wochen. Und… Warum hab ich’s nie ausgehalten? Darf ich dir das sagen? Bleibt das unter uns und im Internet? Also, es soll ja ins Internet. Unter uns im Internet?! Die Antwort ist: Ich hab immer scheiße gebaut.
Staiger: Außerhalb oder innerhalb der Arbeit.

Massiv: Außerhalb der Arbeit, aber dann bin ich immer zu spät gekommen. Ich hab das nie auf die Reihe bekommen. Vielleicht war ich auch zu braun für die Lichter dort, die haben immer so komisch reflektiert.
Staiger: Vielleicht warst du auch zu braun für die Chefs.

Massiv: Nein, die waren immer sympathisch, die haben immer auf mich gestanden. Die haben sich dann immer in einer Reihe aufgestellt. Die sind schwul geworden, wegen mir.
Staiger: Hast du was gegen Schwule?

Massiv: Nein. Oaah. Was für eine Frage. (Gelächter) Wie er mein Business kaputt machen will. Nein auf keinen Fall. Die sollen ihr Business da im wahrsten Sinne des Wortes durchziehen.
Staiger: Ok. Aber außerhalb deiner fünf Ausbildungen warst du aktiv. Du sprichst von Vorstrafen. Welche Vorstrafen waren das?

         

Massiv: Von jedem Buchstaben einer.

Staiger: In deinem Song "Es Tut Mir Leid“ sprichts du davon, dass du die Frau unfassbar liebst, aber trotzdem gehen musst, warum bist du dann nicht einfach geblieben?

Massiv: Kein Bock mehr.
Staiger: Du hast kein Bock mehr gehabt. Und jetzt tut es dir leid.

Massiv: Was heißt: tut mir leid?
Staiger: Na ja. Du sagst es.

Massiv: Der Song heißt "Es Tut Mir Leid“ und ich erkläre, was für eine schöne Zeit ich mit ihr hatte…
Staiger: … und dass du immer noch an sie denkst.

Massiv: Jaaaah. Das ist Story. Ich denk an ganz andere Sachen momentan. Hey, dieses Lied hab ich vor einem Jahr aufgenommen.
Staiger: Aber da hast du an sie gedacht?

Massiv: Vor einem Jahr. Ich weiß nicht.
Staiger: Na gut. Dann gibt es noch dieses eine Lied, dass du an deine Mama gerichtet hast. Da sprichst du auch davon, dass es dir leid tut, weil du sie so krass enttäuscht hast. Ich meine, du wusstest ja damals schon, dass du sie enttäuschst. Warum hast du es dann trotzdem so gemacht?

Massiv: Was heißt trotzdem. Also ich mach das ja nicht bewusst. Ich hab das einfach gemacht. Es ist einfach so passiert. Mal zu spät nach Hause gekommen, Scheiße gebaut…du weißt doch. Die Mutter will halt glücklich und stolz auf ihren Sohn sein, aber manchmal klappt das nicht so richtig. Das Problem war immer: Ich wollte nie angewiesen sein auf meine Eltern. Ich war auch kein Typ, der von Taschengeld geprägt war. Ich stand von Tag 1 auf meinen eigenen Füßen. Ich war selbstbewusst. Ich wollte wirklich nicht meinen Eltern zur Last fallen. Deswegen habe ich die ganz in Ruhe gelassen und immer mein eigenes Ding gemacht. Mir tat das weh, wenn ich meine Mutter nach einem Euro gefragt hätte.
Staiger: Dann hast du geguckt, dass du das Geld woanders her kriegst.

Massiv: Ja. JA. Das stimmt. Das stimmt, Herr Royalbunker…. Darf ich dich was fragen? Hast du was getrunken?
Staiger: Nein. Du? Aber wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist Arbeit keine richtige Alternative?

Massiv: Doch. Arbeit ist eine Alternative. Aber ich hatte keinen Nerv dazu. Ich kam einfach nicht zur Ruhe. Ich musste irgendetwas anderes machen. Immer von Ort zu Ort gehen.
Staiger: Ist das vorbei jetzt?

Massiv: Zum ersten Mal in meinem Leben, habe ich den Luxus, mein Geld legal zu verdienen, und ich schätze das so krass, auch weil ich in der Lage bin, meinen Eltern zu helfen. Ich versuch jetzt, 100 Prozent von meinem Können in die Musik zu stecken, und versuche, besser zu werden und Technik weiter auszubauen…
Staiger: Du bist hier in Deutschland geboren. Hätte es irgendwas geändert, wenn du automatisch Deutscher gewesen wärst, also mit deutschem Pass?

Massiv: Ich habe einen deutschen Pass. Ich fühl mich eigentlich schon gut hier. Deutschland ist schon meine Heimat und jetzt bin ich ein Berliner.
Staiger: Aber du sprichst auch von Palästina als deinem Heimatland.

Massiv: Das ist auch mein Heimatland,….das ist meine Herkunft, nein, meine Abstammung. Aber wo ich mich wohlfühle, ist natürlich Deutschland, weil ich nix anderes kenne. Ich fühl mich natürlich nicht im Libanon wohl, nur gut mal zum Urlaub machen. Aber ansonsten gibt’s da ja nichts. Kein Hartz 4 oder andere Hilfestellungen, keine Ampeln und so. (lacht)
 
Staiger: Wo ist denn dann das Lied über Deutschland als Heimatland? Das fände ich interessant!

Massiv: Hast du nicht denn Track gehört "Wir Sind Alle Gleich“? "Das ist der Sound für die Kurden, Araber, die Deutschen, für alle Schwarzafrikaner. Das geht raus an die Moslems und Christen nicht getauften Leute, selbst an die Buddhisten mir egal du bist kreidebleich Ich braun Mensch ist Mensch Hand in Hand vereint, kommt manche Leute haben Berlin geteilt, jetzt kommt ein Nicht-Berliner, der Berlin vereint, KOMMT!" Was willst du denn noch mehr, Mann? Ich hab beim "Ghettolied“ gesagt, egal ob Araber, Kurde, Türke, Deutscher, es zählt nur Freundschaft, ich mach schon meine Fresse auf und versuch zu erklären, dass wir alle gleich sind. Alle eins, wir haben einen Gott, einen Himmel, ein Leben, das ist meine Message. MASSIV! So ne Message haben die anderen nicht, Samy und so, die rappen nur die ganze Zeit über Flow und was weiß ich. Irgendwelche Farben oder Kleidungsstile. Soll ich auch mal über Kleider rappen? Siehst du, passt doch gar nicht zu mir.

Staiger: Glaubst du, dass so was wie Nationalitäten wichtig sind? Du meintest, wenn du Deutscher wärst, hättest du auch den Adler auf dem Unterarm?

Massiv: Na ja, damit mein ich nur, egal, von wo du bist, sei stolz, was du bist. Jeder soll stolz auf seine Herkunft sein, ist ja ganz normal. Und damit nehme ich eigentlich nur Fler in Schutz, weil wäre ich ein Deutscher, hätte ich auch voller Stolz einen Alder auf dem Unterarm, weißt du, weil ich wäre auch absolut krass stolz drauf, Deutscher zu sein.
 Staiger: Aber warum? Das verstehe ich nicht ganz.

Massiv: Weil das in einem Menschen verwurzelt ist, stolz auf seine Herkunft zu sein. Hast du dich nie gefragt, wieso ein Pole so stolz darauf ist, ein Pole zu sein?
Staiger: Das wundert mich immer, schließlich kann man doch nichts dafür, wo man geboren ist.

         

Massiv
:
Ja, ich weiß, deswegen hackt man ja auch auf Leuten rum, wenn sie sagen, dass sie ein stolzer Deutscher sind und wirft ihnen immer gleich vor, sie wären Nazis. Ich bin auch ein stolzer Palästinenser.

Staiger: Ich hab kein großes Problem, wenn das jemand von sich behauptet, aber mir persönlich ist das einfach nicht so wichtig und ich frage mich nur, warum das für die persönliche Identität anderer so wichtig ist.

Massiv: Das zeigt eben die persönliche Meinung.
Staiger: Aber da gibt es doch 95% mehr, das mich als Person ausmacht, als dass ich in Deutschland geboren bin und mein Vater Deutscher und meine Mutter Österreicherin ist.

Massiv: Das ist ja nur ein Punkt von Hunderten. Das ist nicht ausschlaggebend für die Persönlichkeit. Außerdem ist das ja nur eine Line, ach Gott.
Staiger: Na ja, gut. Dann gibt es eine andere Line, die lautet: „Ich bin kein Demokrat“. Was bist du dann?

Massiv: Wo hast du das aufgegabelt? Von meinen Liedern?
Staiger: Ja klar, war auf deinem Album drauf.

Massiv: Ich könnte es jetzt darauf schieben, dass es sich gereimt hat.
Staiger: (lacht) Das ist eine interessante Erklärung.

Massiv (murmelt vor sich hin): „Ich bin kein Demokrat und auch kein Polizist, aber ich weiß, dass Rassenunterdrückung eine Sünde ist.“ Damit meine ich einfach, dass ich kein Demokrat oder Polizist sein muss, um zu wissen, dass Diskriminierung falsch ist. (ruft laut) Ich bin ich, Mann. Frieden auf der Erde. Ich muss nicht zu irgendeiner Gruppierung gehören, um zu verstehen, was falsch oder richtig ist.
Staiger: Warum fühlt man sich denn nicht so richtig zugehörig?

Massiv: Am Ende des Tages zählt doch nur, was du auf die Reihe bekommen hast. Da hilft dir auch keiner mehr. Selbst wenn du in einer Fußballmannschaft spielst, bist du ja auch nur ein Spieler von 11. Also scheiß drauf, mach alles alleine! (Pause) Ich beantworte dir die Frage nicht so richtig, ich weiß. Tja, in meiner Welt herrscht nur Phantasie. Ich werde übrigens auch von Walt Disney gesponsert.
Staiger: Was für Phantasien herrschen in deiner Welt? Da wäre ja auch noch die Frage nach „Stellung bewahren, Träume bewahren“, was sind das für Träume?

Massiv: Meine Träume sind, dass ich irgendwann ohne Sorgen leben kann, dass ich ausgesorgt habe. Dass Frieden herrscht für meine Familie und alle anderen und dass ich alles auf die Reihe bekomme. All den Scheiß, den ich gebaut habe, will ich wieder grade biegen.Ey, wenn ich Milliardär wäre, würde ich in den Royal Bunker einen Aufzug bauen und Rolltreppen. Alles modern machen. Mikrophone ohne Schnur. Dann können sie sich da richtig battlen. (lacht)
Staiger: (lacht) Also Kindergärten und Schulen bauen? Essen für alle umsonst… Aber würdest du so was wirklich gerne machen?

Massiv: Ich würde gerne irgendwelche Projekte starten, an Schulen zu gehen oder irgendwelche Knastinsassen besuchen und vor Ort mit denen reden (pfeift).

 
Staiger: Dein Album entstand ja vor der Schießerei. Da heißt es dann, „Das ist mehr als Straßenrap… der Junge, der euch das Leben erklärt…“ und dann kommt die Zeile vor, „ wenn wir uns gegenseitig ermorden“. Ist das bittere Realität geworden? Wie war das gemeint?

Massiv: Es war so gemeint, dass es um viel mehr als Straßenrap geht. Es geht um Brot verdienen und ich muss durch Scheiße gehen, um euch diese Musik zu geben. Der Text, den du angesprochen hast, soll zeigen, dass ich mehr bin als ein Rapper, der vor einem Mikrophon steht. Weißt du, ich erkläre euch damit was man alles tun muss, oder aufgeben muss oder hergeben muss, um überhaupt da zu stehen, wo ich heute stehe.
Staiger: Das klingt ja jetzt alles ein bisschen schwammig, „durch Scheiße gehen“ und so weiter. Was ist es ganz konkret, was musstest du konkret aufgeben?

Massiv: Ich habe alles aufgeben. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt. Ich habe meine Eltern mit hierher gebracht. Für mich ging es um die Frage: bekomme ich einen Deal und wenn nicht, habe ich wirklich in die Scheiße gegriffen. Ich war mit meinen Eltern hier und wir haben Schulden gemacht. Ich habe denen versprochen, "wartet noch ein bisschen, bald kommt ein Deal" und mein Gefühl hat mich da nicht verlassen. Ich war mir da schon sehr sicher, aber trotzdem war ich in eine Ecke gedrängt, wo ich wusste, dass es riskant ist, wenn ich den Deal nicht bekomme.
Staiger: Was wäre passiert, wenn du den Deal nicht bekommen hättest?

Massiv: Dann wäre alles umsonst gewesen, weil ich habe wirklich alles selbst investiert. Ich habe Clips gedreht, mit ganz viel Geld, ich habe alles auf den Kopf gehauen, nur wegen dieser scheiß Musik. Meine Eltern hatten feste Arbeitsplätze, ich musste sie hundert tausend mal überreden, überhaupt mitzukommen. Wenn ich sie dann enttäuscht hätte, dass es mit der Musik nicht klappt, Arschkarte. Dann hilft es auch nicht, wenn du deiner Mutter drei Katzen kaufst.
Staiger: Warum wolltest du, dass deine Eltern mitkommen?

Massiv: Ich hätte keinen Bock gehabt, immer hin und her zu pendeln. Weißt du, ich habe eine sehr krasse Bindung zu meinen Eltern. Wenn ich morgens aufstehe, dann muss mir meine Mutter was zu Essen machen, oder wenn ich Abends nach Hause komme, dann wartet meine Mutter auf mich. Ich brauche das. Ein Mutterkind, kennst du so was?
Staiger: (zögerlich): Ja kenn ich, aber mit 25?

Massiv: Ist doch scheißegal, bei der Mutter gibt es kein Alter. Es gibt nur eine Mutter. Oder gibt es ein Gesetz darüber? Soll ich mit 18 ausziehen und mir ein Sixpack Bier schnappen? (lacht)
Staiger (lacht): Nein, das sind einfach nur andere Verhältnisse, als ich sie gewohnt bin.

Massiv: Bei uns in der Kultur ist das einfach so verankert, dass man eine krasse Bindung zu seiner Familie hat und seine Mutter nicht vorher verlässt, bevor man heiratet.
Staiger: Also wenn du heiratest, dann ziehst du aus?

Massiv: Eventuell. Vielleicht hole ich meine Frau aber auch zu mir nach Hause. Kochen, abwaschen, Staub wischen, Kopftuch, alles. (lacht) Nein, Spaß. Ist ihr natürlich alles selbst überlassen. Wir sind eine ganz normale, moderne, islamische Familie.
Staiger: Würdest du eine Deutsche heiraten?

Massiv: Natürlich. Ich war doch 10 Jahre mit einer Erika zusammen. Nein, Spaß. Aber ehrlich jetzt, wo die Liebe hinfällt. Ich war 10 Jahre lang mit einer Italienerin zusammen und die war streng katholisch. Das hat alles gut geklappt.
Staiger: Ist katholisch eigentlich so ähnlich wie islamisch?

Massiv: Ja, natürlich. Das sind die zwei am nahestehendsten Religionen überhaupt.
Staiger: Ich sag ja, Katholizismus oder Islam sind eigentlich die zwei Alternativen, wenn man religiös sein möchte, finde ich.

Massiv: Ja auf jeden Fall, das sind die zwei coolsten Dinger, die ich in den engeren Kreis ziehen würde. Also natürlich bevorzuge ich den Islam, weil ich selbst Moslem bin, aber ihr Katholiken, macht eurer Ding auch sehr gut. So umsatzmäßig und so. (Gelächter)
Staiger: Welcher Richtung im Islam bist du angehörig?

Massiv: Sunnite.
Staiger: Aber das sind ja die weniger katholischen, eigentlich sind doch die Schiiten eher wie die Katholiken mit Selbstgeißelung und Blut.

Massiv: Ja, verrückt sind wir ja sowieso alle. (lacht) Willst du dieses Thema jetzt noch vertiefen?
Staiger: Ja, also ich glaub, ich wäre lieber Schiit.

Massiv: Ehrlich? Also stehst du auf Körper aufschneiden und so Sachen?
Staiger: Naja, ein bisschen hat das was.

Massiv: Nein, Spaß, also ob Schiit oder Sunnit, wir sind alles Moslems, jeder führt seine Traditionen aus, wie er es will. Das muss man respektieren. Man muss ja auch alle respektieren. (Gelächter)

       

Staiger:
Ja klar, man muss alle respektieren, irgendwie muss man auch alle cool finden. (Gelächter) – Glaubst du, dass es eine Lösung gibt, bei dem Palästina-Israel Konflikt?

Massiv: Ja.
Staiger: Wie heißt die Lösung?

Massiv: Die Lösung? Unser Land wieder zurück zu geben, zumindest teilweise. Dann wären wir ein bisschen zufrieden. Vielleicht wieder ein paar Palmen hinbauen. Aber das ist sehr schwierig. Die eine Seite gibt nicht das Land auf, was sie in der letzten Zeit genommen hat und die andere Seite will ihr Land zurück. Das ist eine schwierige Sache. Ich weiß nicht, ob das so leicht zu lösen ist.
Staiger: Wahrscheinlich hat das auch viel mit Trauer zu tun, weil jede Seite die andere krass verletzt hat. Es gibt wahrscheinlich in jeder Familie Opfer zu beklagen.

Massiv: Ja, stimmt, aber ich glaube krasser verletzt, als wir verletzt wurden…weiß ich nicht, kein Plan. Für uns gibt es sogar Ausgangssperren. Jetzt mal ehrlich. Wir sind da zusammengepfercht in irgendwelche Siedlungen. Kaum waren die Grenzen nach Ägypten offen, sind wir da durchgerannt. Daran merkst du ja, dass die Leute diesen Drang nach außen haben, weil sie eingepfercht sind.
Staiger: Glaubst du, dass der Weg eher über Vergebung oder eher über Härte geht?

Massiv: Ich habe einen ganz interessanten Satz auf meinem Track “Palastine“, da sage ich : „Selbst wenn die Eltern unter Trümmern liegen, sind wir zwar fassungslos enttäuscht, doch du musst lernen, deinen Feind zu lieben.“ Das ist die Lösung. Wenn du anfängst, deinen Feind zu lieben, kannst du auch darüber reden, dass viel Scheiße passiert ist. Aber das ist leicht gesagt. Wir leben wirklich weit entfernt davon.

Staiger: Jetzt noch mal zu dem anderen Thema, in dem Track “Zur Erinnerung“, rappst du: „Wenn die Kugel fliegt, bist du der, der am Boden liegt.“ Jetzt im Nachhinein, mit dem was du da erlebt hast, würdest du so was noch mal rappen?

Massiv: Naja, in dieser Hinsicht war ich ja der, der am Boden gelegen hat.

Staiger: Das wollte ich so jetzt nicht sagen.

Massiv: Ich arbeite momentan schon an meinem nächsten Album. Natürlich verarbeite ich da das Durchlebte und mache mir schon einen Kopf, was ich da aus meinem Füller gebe. Diesmal ist wirklich alles durchdachter und nicht einfach nur auf die Fresse. Aber ich muss mich auch nicht dafür entschuldigen. Ich stehe dazu und es wird immer noch harten Rap von mir geben. Ich werde jetzt keine zwei Schritte zurück gehen.
Staiger: Glaubst du, dass jemand, der deine Musik nicht mag, den Anschlag verübt hat?

Massiv: Das kann aus allen möglichen Gründen sein. Deswegen tappe ich ja selbst im Dunkeln und habe absolut keinen Plan. Wer, was oder wo? Ich habe momentan einen kleinen Stau im Kopf, der wirklich 50% des Tages darüber nachdenkt: Warum? Wer? Wie? Und deswegen kann ich nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen und sagen, dass es der oder der war. Das würde mich ja selbst beruhigen, weißt du.
Staiger: Es scheint ja viele Menschen zu geben, die sich herausgefordert fühlen, von dem was du machst.

Massiv: Dann sollten sie sich noch ein anderes Mikrophon holen und noch mehr rappen. Ich habe in letzter Zeit keinen mehr angegriffen. Die sollen noch mehr Texte schreiben, noch mehr Beats machen und eventuell ein bisschen Skateboard fahren. Dann wird aus denen vielleicht auch noch was, statt sich über mich aufzuregen.
Staiger: Also diese Art von Auseinandersetzung möchtest du dann schon künstlerisch regeln?

Massiv: Ja, natürlich. Ich habe mir auch vorgenommen, dass ich nie wieder irgendwelche Disstracks gegen jemanden mache. Ich möchte mich wirklich nur noch auf mich selbst konzentrieren. Ich habe gar keinen Kopf für irgendwelche anderen Künstler. Wenn die die Zeit haben, sich aufzuregen, wenn ich mich so oder so verhalten habe, dann sollen sie sich eben diese Zeit nehmen.
Staiger: Könntest du dir vorstellen, gegen jemanden zu battlen? Zum Beispiel bei “Feuer über Deutschland“ mit zu machen?

Massiv: Ich bin kein Freestyle-Typ oder so.
Staiger: Da battlet man sich ja mit Texten.

Massiv (laut): Ehrlich? (lacht) Dann will ich auf das Cover, der nächsten “Feuer über Deutschland“- CD, dann mache ich da mit. Wer organisiert das?
Staiger: Ich glaube, früher hat das Savas einmal moderiert, jetzt macht das Snaga.

Massiv: Das ist ja Entertainment pur.
Staiger: Und ich glaube aber, Savas organisiert auch noch mal so ein Projekt.

Massiv: OK, ich mache dann, "Spucke über Deutschland 4". Ja, ich mach so ein Projekt. Wo soll ich anfangen?

 
Staiger: Du würdest also wirklich bei so einem Projekt mitmachen?

Massiv: Ich glaub eher nicht. Ich bin eher so der Texteschreiber. Ich nehme meine Platten auf und release die. Ich muss mich da nicht gegen irgendeinen Kasper aus Dortmund oder so beweisen. – Oder soll ich? Wenn du sagst, ich soll, dann mach ich das. Wenn du mir richtige Gegner holst. Also ich meine richtige Granaten, mit krassen Styles.
Staiger: Wer wäre das?

        
                                          

Massiv: Ich hätte schon Bock gegen… ( dreht sich zu Desue) Gegen wen soll ich machen Desue? (Zeigt auf Staiger) Er besorgt mir jeden. Wie wäre es mit… Wie heißen die, die früher (singt) „Vaaaaater“, gesungen haben?
Staiger (lacht): Dritte Generation, oder was?

Massiv: Ja, die gehören in solche DVD-Formate rein.
Staiger: Aber auf der anderen Seite gehört das ja schon irgendwie zu dieser HipHop-Kultur.

Massiv: Ja, aber ich gehöre doch nicht zu dieser HipHop-Kultur. Mir schreibt kein Rapper, „Ey, gutes Album, guter Track.“ Ich habe gar nichts mit denen zu tun. Mich lädt auch keiner zum splash! ein. Mir sagt auch keiner von den Rappern auf der Straße „Hallo“. Oder respektiert mich Royal Bunker?
Staiger: Ich respektiere dich.

Massiv: Ehrlich? Du bist ja der Chef, dir kann das ja egal sein.
Staiger: Ich mach sowieso, was ich will.

Massiv (lacht): Du machst jetzt einfach mal so den Laden zu.
Staiger: Ja, und ich respektiere dich auch.

Massiv: Ja ich weiß, aber für die Künstler bin ich schon ein krasser Dorn im Auge. Weil bei mir alles so schnell ging und ich denen so ein bisschen den Platz wegnehme. So kommt mir das auf jeden Fall vor, deswegen sind die sind nie gut auf meinen Namen zu sprechen. Deswegen scheiß auf alle.
Staiger: Aber gerade das wäre doch Grund genug, bei so etwas anzutreten.

Massiv: Nein. Die sollen sich meine Platten anhören und sich einen runterholen. Nur das kann ich denen geben, mehr als einen Klassiker nach dem anderen kann ich nicht machen. Ey, bin ich von mir selbst überzeugt. Vielleicht, weil ich nur mit mir selbst zu tun habe. (lacht) Ich ruf mich manchmal sogar selbst an: „Ey alles klar?“ – „Ja natürlich Alter, du siehst gut aus.“ – „Ja Danke.
Staiger:Wir Sind Kanaken“ finde ich übrigens großartig. Das ist mein Lieblingstrack.

Massiv: Ja? K.I.Z. hat auch mal so einen Track aufgenommen. (singt) „Nana…die Kanaken…ihre Sachen wegpacken, nana nana na…“ Kennst du das?
Staiger: Ne, sing mal noch mal. (Gelächter)

Massiv (entsetzt): Was? Du kennst das nicht? Kennst du das wirklich nicht? Dieser Track von Tarek und so, früher, den die über Handy verteilt haben.
 
Staiger: Mann, der ist Ghetto-Platin. Der wurde wirklich 200.000 Mal runtergeladen.

Massiv: Ja, meine ich doch, dieser Über-Track. Aber "Ghettolied" wurde mehr runtergeladen, könnt ihr euch hinten anstellen. Du redest also grade mit dem Chef von den Downloads. (lacht) Wo waren wir gerade?
Staiger:Wir Sind Kanaken“, finde ich großartig. Also ich möchte dich aber einmal korrigieren, Kanake ist nicht Lateinisch.

Massiv (stöhnt genervt): Ich weiß, Mann.
Staiger: Das ist Polynesisch.

Massiv: Aber warte mal, Lateinisch heißt es Inselbewohner, oder?
Staiger: Das weiß ich nicht, aber ich habe es extra nachgeschlagen. Es ist ein Wort aus der Seefahrersprache. Irgendwelche polynesischen Inselbewohner haben sich „Kanaken“ genannt, das heißt Mensch, und die waren gute Arbeiter.

Massiv:Polynesisch heißt der Mensch auch Kanake.“ Ist mir gar nicht so aufgefallen. Ach scheiß drauf, siehst du, sogar ich mache Fehler. Aber mir wurde es so beigebracht.

Staiger: Ist das Leben für dich hier in Berlin gefährlicher geworden?

Massiv: Was heißt gefährlicher geworden? Ich passe jetzt mehr auf, ich bin vorsichtiger und halte mich ein Tick mehr zurück so.
Staiger: War das Leben vorher für dich gefährlich.

Massiv: Ja, auf jeden Fall man hat schon gemerkt, dass man an manchen Ecken dumm angemacht wird. Dass dich viele Leute einfach testen wollen. Berlin ist da nicht gerade einfach. (pfeift)
Staiger: Du hattest ja früher auch, denk ich mal, Schwierigkeiten. In deinem alten Leben.

Massiv: Natürlich, aber ich bin ja hier auf Neuland getreten, kannte hier keinen, ich musste mir erst mal Gesichter merken, bevor ich überhaupt das zweite Mal „Hallo“ sage. Aus der Gegend, wo ich herkam, da bin ich ja aufgewachsen. Hier bin ich einfach hergekommen und hab mein Maul aufgerissen und da kann es sein, dass es dem einen oder der anderen nicht gefällt,, und da fängt es ja schon an, ich bin nicht hergekommen, um "Blümchenrap" zu machen, sondern um eine neue Art von Gangsterap zu machen, und das ist dann schon wie ne Bombe eingeschlagen.
Staiger: OK, hast du dann irgendwie festgestellt, dass es unangenehm für dich werden könnte?

Massiv: Ja, aber meine Musik hat das wieder gut gemacht, wenn ich meine Erfolge in meiner Musik gesehen habe, dann war mir irgendwie alles scheißegal, weil ich gesehen habe, dass ganz Deutschland mich gefeiert hat. Deswegen war es mich dann egal, ob irgendeiner irgendwo an der Ecke „Du SPAST“ ruft. Das nimmt man alles in Kauf. BERLIN!!
Staiger: Das ist jetzt vielleicht ein Thema, dass nicht ins Interview gehört, wenn du nicht möchtest, aber du bist dann in Strukturen geraten, die durchaus noch gefährlicher sind, als das, was es so als Straßenaktion gibt, oder?

           

Massiv: Was meinst du mit Struktur? Das sind alles Freunde von mir, teilweise Familie, Cousins, die ich schon kannte, bevor ich krass MASSIV war. Ich war nicht immer der Junge bei Sony, weißt du, was ich meine. Ich habe meine Freunde schon vorher gehabt, sind immer noch dieselben und werden es auch bleiben. Wir helfen uns gegenseitig, wenn er tapezieren muss, dann tapezier ich mit ihm, wenn er umzieht, helfe ich ihm Möbel raustragen, genau so, wie er das auch bei mir macht. Das ist ein Geben und Nehmen. Das ist keine Struktur, kein Zwang oder so. Vor drei Jahren kam ich das erste Mal, da hab ich die Menschen kennen gelernt und Verwandte und daraus hat sich das doch alles ergeben, aber es wurde keine Struktur aufgebaut, weil ich auf einmal erfolgreich war. Das hab ich ja schon alles vorher gehabt, das sind meine Freunde, meine Gang, Mann. (lacht)
Staiger: Ich bin durch.

Massiv: Du bist durch? Kann ich was sagen, also wir sind fertig, ja, das wird auch reingeschrieben, wenn ich das jetzt sage, ja?
Staiger: Ja, natürlich.

Massiv: Tausend Dank, Tausend Dank, Mann. Ehrlich, an alle meine Fans, Tausend Dank an alle meine Supporter, danke an Asim, der Chef von meinem Forum, ey, das musst du reinschreiben, ja, danke an alle meine Fans, alle meine Supporter, ohne euch wäre ich nicht, da wo ich jetzt bin, ich weiß es zu schätzen, was ihr da Tag und Nacht für mich voted, auf unsere Seite geht, ich weiß, dass wir zusammen alles erobern, und ihr wisst Al Massiva ist kein Label, momentan hat es jeder verstanden, dass wir eine Bewegung sind. Massiv hat das beste Album des Jahres hingelegt, alle anderen scheiß Rapper können nicht nachziehen, merkt ihr das, die haben einfach keine Ideen, wird das geschrieben? – Schreibst du das auf? OK! Ist schon komisch, dass die Rapper so irgendwie rappen, aber kein gutes Rapalbum abliefern, warum macht das nur Massiv so? Warum macht nur Massiv ein so gutes Album? (krankes Lachen) Massiv ist der Beste, ALTER. Darf ich Deluxe Records ganz kurz dissen?
Staiger: Mach einfach!

Massiv: Samy, ganz ehrlich, früher hab ich dich mal in Mannheim getroffen und kannst du dich noch daran erinnern…hää? Kannst du dich erinnern, ich kann mich auch nicht an dich erinnern, okay, das war’s. (Gelächter)
Staiger: Weißt du, was ich am schönsten fand, war die YouTube-Antwort auf Snaga und Pillath, wo du am Anfang sagst, "ich möchte dazu gar nichts sagen" und dann hast du nach einer halben Stunde erst aufgehört zu reden. (irres Lachen von Massiv)

Massiv: Ey, dieses Video hat ne halbe Million Klicks. Also hat das schon was gebracht.

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