Jaysus

Vor knapp zwei Monaten veröffentlichte Jaysus sein Solodebüt "König im Süden". Zu diesem Zweck und einem persönlichen Resumee stellte er sich unseren Fragen. Rausgekommen sind 10 Fragen mit 10  Antworten. In aller Kürze und Würze.

rap.de: Du warst jetzt längere Zeit nicht mehr auf der Bildfläche zu bestaunen. Was hast du gemacht?

Jaysus: Ich habe mich nach der Trennung von Chablife erst einmal eine Weile zurückgezogen und an meinem Sound gefeilt. Zudem habe ich viel aufgenommen und neue Pläne geschmiedet
rap.de: Was führte aus deiner Sicht damals zur Trennung von Chablife? Wie ist euer Verhältnis heute?

Jaysus: Wir hatten verschiedene Ansichten. Kay wollte nach Köln, ich wollte im Süden bleiben. Klar, es war schade, denn Chablife war ein echt krasses Duo. Aber es ist alles cool, so wie es jetzt ist. Jeder macht sein eigenes Ding.



rap.de: Wie würdest du denn rückblickend deine Zeit beim Bunker beschreiben?

Jaysus: Es war unser erster Schritt ins Game. Bei Bunker ist der Name Chablife erstmals durch ganz Deutschland gegangen. Wir haben viel erreicht und erlebt. Natürlich war nicht alles perfekt, was letztendlich auch zum Weggang von Bunker führte. Aber gute und schlechte Zeiten gibt’s ja überall.

  rap.de: Dein Album war bei mzee.com lange auf Platz 1: welche Erwartungen hattest du selber an dein Album und bist du mit dem Verkauf bzw. der Resonanz zufrieden?

Jaysus: Ich hab natürlich schon gehofft, dass das Album den Leuten gefällt, aber das hat mich schon überrascht und gefreut. Hat mir gezeigt, dass die Leute Bock drauf haben. Das motiviert mich natürlich beim nächsten Release, noch einen drauf zu setzen.
rap.de: Die Juice hatte dich als "Deutschlands Twista" bezeichnet. Warum ist davon auf dem Album nicht mehr viel zu hören, bis auf "Schneller als Licht" und ein Part bei "König im Süden" bzw. möchtest du nicht auf dein Double/Triple-Time-Rap beschränkt werden?

 Jaysus: Ja, das ist schon so. Ich möchte einfach, dass die Leute sehen, dass das nur eine Facette von dem ist, was ich drauf habe. Auf dem Album hatte das Doubletime genauso viel Gewicht wie alle anderen Stile und Techniken. Nicht mehr und nicht weniger. Ich bin nicht nur eine wandelnde Rapuzi, sondern ein Künstler mit vielen Seiten. Ein ganzes Album durch nur dasselbe machen, würde mich langweilen. Und die Hörer wohl auch.

 

rap.de: Du hast auf dem Album einen Song „Ghettosong“. Warum hast du ihn gemacht? Allein das Wort „Ghetto“ geistert ja auch gerne mal in der Politik rum.

Jaysus: Im Endeffekt ist der Song ein Spiegel, den ich den Leuten, die in Deutschland gerne die Augen zumachen und jegliche Brennpunkte und Missstände bei uns einfach verleugnen wollen, vorhalte. Der Titel dient dabei als reine Provokation. Ich benutze das Wort Ghetto sonst eigentlich fast nie, aber gerade, weil sofort rumgeheult wird, sobald es jemand benutzt, wusste ich, dass die Leute hellhörig werden, sobald sie den Titel hören und dann umso überraschter sind, wenn sie sich den Song dann anhören. Denn dort rappe ich ja in jeder zweiten Zeile, was mein „Ghetto“ eben nicht ist. Ich weiß, dass es schlimmere Gegenden und gefährlichere Pflaster gibt, aber das ist mir egal. Die Staaten sind auch nicht die dritte Welt, trotzdem haben die Leute dort einiges zu erzählen. Genauso ist das hier auch. Ich habe einfach etwas zu erzählen.
rap.de: Du scheinst stark diesen "Dirty South Sound" zu stehen, wie kam es dazu? Was bedeutet das für dich?

Jaysus: Zum einen ist das natürlich dieses geographische Ding, denn auch wir leben hier im Süden des Landes und auch hier gilt der Süden in den Köpfen der Leute oft als Provinz. Dass aus dieser Provinz etwas kommt, was man nicht erwartet, das will ich zeigen. Zum anderen ist es einfach auch eine musikalische Frage. Die Beats passen einfach perfekt zu mir. Ich kann mich darauf perfekt entfalten. Sie haben die Geschwindigkeit, die es mir ermöglicht sowohl Doubletime als auch „normalschnell“ zu rappen und sie haben diese Power, diese Aggressivität, die jeden mitreißt. Ich finde, bisher hat noch keiner wirklich verstanden, diesen Stil auf Deutsch um zu setzen. Das ist mein Ding.

rap.de: Es gibt ja momentan einige, die "Dirty South" auf ihre Fahnen schreiben, z.B. auch Tua. Wie siehst du diesen Hype und wie versteht man sich im „Dirty South“ untereinander?

Jaysus: Ich feier’ jeden anderen Künstler aus dem Süden, der etwas dazu beiträgt, den Süden ins Rampenlicht zu rücken. Im Süden herrscht meiner Meinung nach ein starker Zusammenhalt. Die Leute unterstützen mich zu 100 %. Darauf bin ich stolz. Sie sehen, dass ich das für den ganzen Süden mache. Ich hab’s ja gesagt: es ist 2007üden.


rap.de: Ein weiterer Track heißt „Griechischer Bruder/Türkischer Bruder“ Was ist deiner Meinung nach das Problem im Verhältnis der beiden Nachbarn? Existiert da eins oder ist das größtenteils ein politisch motiviertes Problem?

Jaysus: Wenn es da überhaupt noch ein Problem gibt, dann höchstens in den Köpfen irgendwelcher alten Leute. Überall hier in Deutschland wachsen Griechen und Türken gemeinsam auf. Ich wollte mit diesem Song einfach nur ein Zeichen setzen, für etwas was sowieso schon passiert, vor allem hier im Exil. Griechen und Türken sollten Brüder sein, so wie alle Menschen Brüder sein sollten. Wir haben so viel gemeinsam und im Endeffekt steht der Song noch für mehr als nur diesen Konflikt. Wenn ich einen Menschen mag, dann ist es mir egal, woher er kommt. Wir sind alle Kinder Gottes und somit Brüder und Schwestern.

rap.de: Was kann man jetzt, wo du zurück bist, in Zukunft von dir erwarten?

Jaysus: Vor kurzem habe ich mit der Produktion meines ersten Albums begonnen. Auch meine Jungs von Southlända arbeiten an ihrem Mixtape, welches Anfang Sommer kommen soll. Es wird also noch so einiges aus dem Süden kommen – das ist erst der Anfang. Der Süden geht nach oben, Ihr wisst bescheid: es ist 2007üden!

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