Fler & B-Tight

Fler und B-Tight, zwei Rapper aus dem Hause Aggro Berlin, sind seit letzter Woche auf Deutschlandtour. Vor dem Tourstart haben sie mit rap.de über ihr Album, Shok Muzik, ihre Vorfreude auf die Tour und natürlich auch über Groupies und Fans gesprochen.

rap.de: Hey, wie läufts?

Fler: Gut geht’s mir, mein Album ist ja gerade draußen und läuft gut, 60.000 habe ich inzwischen verkauft. Meine beiden Videos ‚Der Chef‚ und ‚Wir bleiben stehen‚ laufen beide gut. Ich freue mich krass über die Resonanz von "Wir bleiben stehen". Durch „Wir bleiben stehen“ habe ich meinen Fans endlich mal erklären können, wie alles anfing, warum ich so bin, bin ja manchmal schwer, also warum ich manchmal so ein Arsch bin. Was ich halt auch krass finde, ist, dass viele Berliner Untergrund-Rapper, die einen Namen haben, sich so über mich geäußert haben. Wir haben ja auch die O-Töne ins Video zu ‚Wir bleiben stehen  eingebaut. Ist für mich eine krasse Ehre, dass Bogy und Frauenarzt so eine gute Meinung von mir haben. Ich denke, dass die Leute mich durch den Song oder durch die DVD auf der Premium Edition von ‚Trendsetter‚ jetzt besser verstehen können. Denn, was die Leute meiner Meinung nach für ein Problem mit Aggro Berlin haben, ist, dass sie in unseren Videos immer die Weiber und das Geld und uns als harte Typen sehen. Und dann denken sie sich: "Warum sind das solche Arschlöcher?" Dass das Ganze eine Geschichte hat, müssen wir den Leuten erst erklären, und das können sie meiner Meinung nach gut auf der DVD sehen.

rap.de: Wie lange bist du denn jetzt dabei, was ist also deine Rap-Geschichte?

Fler: Ich rappe jetzt seit sechs Jahren. Gib mir noch ein paar Jahre, und ich habe zehn. Die Zeit vergeht so schnell: Ich habe mit 18 angefangen und bin jetzt 24; das kommt mir aber alles vor wie ein Jahr. Dann vergeht noch mal so ein imaginäres Jahr und ich bin schon 30 und rappe mehr als zehn Jahre. Deswegen fand ich es wichtig, mal abzuklären, warum wir so sind, wie wir sind. Deswegen freue ich mich gerade über diese Internetresonanz. Das Video  läuft jetzt ja nicht gerade auf Rotation, deswegen freue ich mich, dass es bei youtube und auf unserer Seite so gut läuft.

 
rap.de: Wie du ja schon erwähnt hast, ist vor kurzem deine Premium Edition zu ‚Trendsetter‚ erschienen. Zählen die beiden Verkäufe zusammen, also 60.000 insgesamt?  

 

 

Fler: Ja, zählt zusammen; das ist so ein Trick von den Labels. Das machen die meisten Labels so, wenn das Album nicht so wie erwartet läuft, wie bei mir nach dem Riesenerfolg des ersten Albums ‚Neue deutsche Welle‚, wo ich 100.000 verkauft habe. Das Ding bei mir war dann auch, dass mein Lied während  der WM rausgekommen ist, und dafür bin ich eigentlich krass zufrieden. Außerdem wollte ich bei meinem zweiten Album nicht wieder ein Hit machen oder einen Skandal landen, sondern ich wollte wirklich mal was für die Szene und meine Fans machen und mich von meinem Nazi-Image befreien, was mir ja gelungen ist: Ich bin kein Nazi mehr und die HipHop-Fans lieben mich, bei mzee.com und rap.de wird nicht mehr so viel gehatet. Ich habe erreicht, was ich erreichen wollte.  

rap.de: Und bei dir, B-Tight, warum hast du nur eine EP rausgebraucht und kein Album? Gab es dafür einen besonderen Grund?

B-Tight: Ja, ich habe mir schon gedacht, dass die Leute auf meine neue CD nicht klarkommen. Sie denken „Boah, ist ja nicht mehr ‚Der Neger’ “ und sind voll auf der alten CD hängen geblieben. Ich muss den erst einmal zeigen, dass ich mich entwickelt habe. ‚X-Tasy‘ ist ja mehr so das Party-Album. Und deswegen habe ich mir gedacht, dass ich meinen Fans vor meinem Album erstmal eine EP gebe, damit sie sich so ein bisschen daran gewöhnen. Danach kann ich dann ja immer noch das Album raushauen. Die meisten sagen, dass sie es nach dem ersten Mal nicht wie B-Tight fanden, aber nach dem zehnten Mal fanden sie es geil.

 

 
rap.de: Ja, ich hatte auch gedacht, dass es eher wie ‚Der Neger‚ wird. Hat mich überrascht, aber mittlerweile denke ich, dass man da gut drauf feiern kann.

B-Tight: Ja, cool. Danke.

rap.de: Und wann kommt dann das Soloalbum raus?


B-Tight: Nächstes Jahr, so zwischen Januar und März. Da sind dann auch ganz viele Features drauf. Ich habe ja auf der EP auch gar keine Features. Es gibt auf dem Album dann sogar ein Lied, auf dem nur Features sind.

  rap.de: Momentan gibt es ja von D-Irie und Shokmuzik ein Video, was vor allem auch gegen euch gerichtet ist. Was sagt ihr zu diesen Vorwürfen?

Fler:  Na ja, diese Lines, die er da rappt, sind ja solche Standardlines, Standardfloskeln, die man beim Battle-Rap macht. Dass ich kein Gangster bin, dass er mehr Gangster ist und mich noch nie auf der Straße gesehen hat. Ich habe ihn auch noch nie auf der Straße gesehen. Ob er mich für einen Gangster hält, ist mir egal. Das Ding mit Shokmuzik ist ja auch, dass es eine Vorgeschichte hat. Die gibt es jetzt ja seit zwei Jahren unter Shokmuzik oder so, und wir hatten am Anfang auch einen guten Kontakt. Einer von denen, wollte sogar bei uns signen, als es bei denen nicht lief. Dass es bei denen nicht gut läuft, sieht man ja daran, dass sie versuchen, alle zu dissen. Die sind einfach krass frustriert. Was die da rappen, spielt für mich keine Rolle. Ich weiß, dass sie das erzählen, weil sie nach oben wollen. Ich sehe das auch sportlich und rege mich nicht darüber auf. Ich finde es halt nur traurig, dass ein neues Label, das versucht etwas zu erreichen, es nur schafft, indem es sich an anderen Rappern hochzieht. Dass sie es nicht alleine durch ihre Arbeit oder ihre gute Musik schaffen können, ist doch traurig. Auch was er von dem Vorfall erzählt, das ist natürlich seine Version. Da gab es nichts, keine Schlägerei oder so. Ich war damals mit meinen Leuten auf Party und habe sie halt gefragt, was das mit diesem Dissen auf der Juice-CD soll, weil ich sie ja auch gar nicht kenne. Sie hatten keine Antwort parat. Sie meinten nur so: „Du weißt ja, wie das läuft. Wir sind mehr Gangster als du“. Dieses Gangster-Gerede ist zurzeit in Deutschland eine richtige Mode-Erscheinung geworden. Jeder will der Härteste sein und der Typ will mir sagen, wo er mich auf der Straße gesehen hat und wo nicht.  Ich war fünf Jahre mit Aggro Berlin am Pallas-Schöneberg und habe auf der Straße rumgehangen, da hätte er ja mal vorbeikommen können, aber er wohnt ja in Spandau, Alter. Ich habe fünf Jahre in Schöneberg und zehn Jahre in Friedenau gelebt. Was will er mir von Straße erzählen? Ich habe so viele Tags hinterlassen. Wenn er mein Gesicht nicht gesehen hat, dann meine Tags. Das sind Vorwürfe für die Öffentlichkeit. Wir haben uns unseren Erfolg hart erarbeitet, deswegen lässt mich das kalt. Was bei denen da abgeht, ist für mich kein HipHop mehr, sondern nur sinnloses Gequatsche.

B-Tight (lächelt): Ja, was bleibt mir jetzt noch übrig. Ich weiß nicht, ob ich es lächerlich oder peinlich finden soll, was die da reden. Ich würde sagen, es ist einfach beides. Aus ihrer Musik ist halt nichts geworden, und jetzt versuchen sie es so. Sollen sie mal machen. Im Jahre 2010 werden wir ja sehen, wer da noch am Start ist.

 rap.de: Kannst du also für dich sagen, dass die Vorwürfe nicht stimmen?

B-Tight: Natürlich stimmen die nicht. Das ist für mich der pure Neid. Aber, wie man ja sagt, Neid ist die höchste Anerkennung von Ruhm und deswegen fühle ich mich auch geschmeichelt.

 rap.de: Kommen wir mal zu einem positiveren Thema: eure Tour. Wie habt ihr euch vorbereitet?

 
Fler: Da gab es halt viel Organisatorisches zu klären. So krass vorbereiten kann man sich ja nicht.  Ich gehe ja nicht auf einmal beten, dass meine Tour gut läuft. Ich war ja schon oft auf einer Tour und weiß, wie das läuft und laufen muss. Es gibt so Vorbereitungen, die einfach erledigt werden müssen. Man muss seine Show planen, man muss auf den Vorverkauf achten, was für einen Bus man kriegt, welche Klamotten man nimmt, man muss einfach auf jeden Schnickschnack achten. Ich war jetzt seit einem Jahr nicht mehr auf Tour und mein einziger Kontakt zu den Fans war übers Internet. Deswegen freue ich mich und bin gespannt, wer alles dazugekommen ist und so. Der Vorverkauf läuft gerade extrem gut an, es sieht nach einer ausverkauften Tour aus. Ich nehme mir auch vor, mit den Fans mehr in Kontakt zu kommen. Wenn ich auf der Straße angelabert werde, habe ich auch nicht immer Zeit, da ich ja auch ein Privatleben habe. Für diese zwei Wochen, auch wenn es jetzt bisschen doof klingt, bin ich für meine Fans da und versuche, mich auf sie einzulassen. Ich möchte von ihnen erfahren, was sie an mir gut finden und was ich vielleicht noch  besser machen kann. Wir hatten gestern im Sage unsere Probe, und ich habe gemerkt, es wird eine krasse Show. Mein Auftritt geht 90 Minuten und dann Bobby noch mal 45 Minuten: das wird ein geiles Programm. Von den Locations her, so Club-Locations,  wird es wieder sehr undergroundmäßig. Da haben wir wieder mehr Kontakt zu den Fans. So wie bei ‚Ansage 1‚. Damals ging der Hype los und jetzt ist der Hype vorbei. Wenn der Hype vorbei ist, geht es darum den Fans zu zeigen, warum man den Hype wert war. Und wenn ich jetzt diese Phase durchziehe, dann wird mein Hype  vielleicht wieder in ein oder zwei Jahren kommen. Echt man, so große Vorfreude auf eine Tour habe ich noch nie gehabt.  

rap.de: Und was erwartet ihr euch von der Tour?

  

B-Tight: Einfach eine geile Zeit. Ein bisschen Action, ein paar Groupies klar machen, ein bisschen filmen, Backstagereport und so.  Und natürlich will ich noch gucken, was da in den anderen Städten so los ist.

 
rap.de: Fler, du hast ja eben den Kontakt mit den Fans angesprochen. Ist es dann so, dass du vor oder nach der Show bereit bist, mit den Fans zu reden?

Fler: Ja, das Ding ist auch, dass wir jetzt schon im Voraus geplant haben, dass wir Autogrammstunden haben und uns mehr Zeit für sie nehmen. Es gab halt bei Aggro Berlin eine Zeit, wo wir mit dem riesigen Erfolg und dem Ansturm nicht klar kamen. Wir musste die Leute auch erstmal abblocken und eine Barriere zwischen denen und uns errichten. Man konnte nicht einfach zu jedem Typ nett sein, der auf uns zukam. Aber jetzt haben wir gelernt damit umzugehen und können besser an die Sache rangehen. Wir sind darauf vorbereitet, da ich ja weiß, was passiert.

 
rap.de: Du hast ja eben auch das mit dem Bus angesprochen. Wisst ihr schon, was das für ein Bus ist?

Fler: Ja klar, wir haben ja auf aggro.tv schon Werbung mit dem Bus gemacht. So eine Rundführung durch den Bus gab es da zu sehen.  Wenn es ein paar hübsche Mädchen gibt, kann man die vielleicht auch mal mitnehmen. Oder ein paar Typen, die cool sind und Party machen wollen.

 

 

 rap.de: Auf welche Städte freut ihr euch denn besonders auf der Tour?

 
B-Tight: Bochum, Berlin und München. Da geht immer die Post ab. In Bochum hatten wir bisher nur geile Shows, München genauso und Berlin sowieso, da es ja auch meine Heimatstadt ist. Die Fans machen da einfach am besten Party, sind laut und gehen ab.

 
Fler: Ja, Bochum, ganz krass. Da es im Ruhrpott liegt, der für mich zu meiner zweiten Heimat geworden ist. Ich habe halt ganz viele Freunde im Ruhrpott und meine, dass die Rapper, die gerade ausm Ruhrpott am Start sind, den nächsten Hype bekommen.

  

 

 

rap.de: Wen findest du da besonders gut?

 
Fler: Manuellsen. Den habe ich auch kennengelernt. Man sieht sich da ganz oft auf Partys. Die haben im Ruhrpott eine richtig gute Partyszene. Das ist nicht so wie in Berlin, dass die Idioten alle nur dumm rumstehen und die Mädchen nur eine Fresse ziehen. Du triffst da halt auch viele andere Rapper und die kommen dann auch wirklich auf dich zu und geben dir Respekt. Manuellsen hatte mich damals sogar gefragt, ob ich ein Feature machen möchte. Das habe ich damals zeitlich nicht auf die Reihe bekommen und wollte nicht voll künstlich so tun, dass wir die krassen Kumpels sind. Ich habe zu ihm gesagt: „Lass mal in Ruhe kennenlernen und frage mich in drei Monaten noch mal“. Im Ruhrpott ist es halt cool, dass die Leute auf dich zukommen und nett zu dir sind. Die sagen dir dann, was sie an der cool finden, aber auch, was sie nicht cool finden. Das Ganze läuft dann aber respektvoll ab; denn der Ruhrpott ist voll easy drauf. Ist ähnlich wie in Berlin, nur alles entspannter. Deswegen ist Bochum geil. In Dresden hatten wir das größte Konzert, das wir je hatten. Da freue ich mich auch sehr drauf.

rap.de: Und wie schaut es mit Berlin aus? Hast du da Befürchtungen, dass es nicht so gut laufen könnte?

Fler: Berlin war im Vorverkauf sogar am Besten. Wir sollten ja eigentlich im Silver Wings auftreten, aber das war nach dem Vorverkauf schon so voll, dass wir gerade probieren eine größere Location zu kriegen: Columbia Fritz. Auf Berlin bin ich natürlich voll gespannt: Berlin ist meine Stadt. Da gibt es so viele Leute, die mich cool finden. Natürlich auch viele Hater, aber die Stadt ist so groß, dass für jeden eine Fangemeinde da ist. Berlin ist easy.


rap.de: Ja, dann danke für das Interview und viel Spaß auf der Tour.

 
Fler & B-Tight: Ja, kein Ding und kommt vorbei auf der Tour!

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