Iron African

Bis vor kurzem war Iron African nur durch seine Live-Präsenz auf deutschen Bühnen bekannt, doch mit seinem Debütalbum „Third World Animal“ hat sich das geändert. Die Kritiker loben es und das Interesse aus dem gebürtigen Afrikaner ist gestiegen.  Grund genug für rap.de den charismatischen Afrikaner zum Gespräch zu bitten. Dabei erwies er sich als angenehmer Gesprächspartner mit jeder Menge Humor und einem Wissen, das weit über den HipHop-Horizont hinausragt, aber lest selbst….

rap.de
: Das ist das erste Mal, das wir auf unserer Homepage über dich berichten, vielleicht stellst du dich daher einfach mal unseren Lesern vor

Iron African: Mein Name ist Iron African ich bin Rapper aus Uganda, Ost Afrika, lebe aber mittlerweile schon eine ganze Weile in Europa. Ich bin nicht nur als MC tätig sondern auch Musik Produzent. rap.de: "Thirld World Animal" ist dein Debütalbum hier in Deutschland. Hast du vorher schon Tracks veröffentlicht?  
Iron African: Also ich habe früher schon einiges raus gebracht, damals hieß ich noch Shiny Dayz. Das waren dann aber eher so 12’’ also mein erstes großes Album ist „Third World Animal“
rap.de: Auf deiner Page steht zu lesen, dass du mit einigen Amerikanischen Künstlern gearbeitet hast, kannst du davon mehr erzählen?
Iron African: Ende 1999 bis 2001 habe ich in New York gelebt und war da auch bei einem Label unter Vertrag, allerdings haben sich die Dinge nicht wie erhofft entwickelt und ich habe nicht wie geplant ein Album sondern nur eine Single namens "720 Degrees" veröffentlicht. Auf dieser Single habe ich einen Artist namens Goldie Myself gefeaturet. Goldie ist ein Rapper und zugleich Poet. Die Reaktionen darauf waren sehr positiv, beispielsweise war der Track auf einem Mixtape von DJ Black Panther oder dem Def Jux DJ, ESE. Das Lied wurde dann auch im Radio gespielt und bei Fatbeats verkauft. Wie gesagt die Reaktionen waren gut aber leider lief es geschäftlich nicht so gut und so habe ich mich schlussendlich entschieden nach Schweden zurück zu gehen. Hier mache ich jetzt mein eigenes Ding und habe selbst ein Label gegründet.
rap.de: Wir hatten vor kurzem ein Interview mit Looptroop, die ja auch aus Schweden sind, und die Jungs haben erzählt, dass es sehr schwer ist in Schweden eine Rapkarriere zu starten.
Iron African: Ja es ist wirklich hart. Schweden ist ein kleines Land, was es zwar einfacher macht bekannt zu werden. Wenn du einen guten Track veröffentlichst, wird den zwar jeder kennen, aber es werden ihn nur wenig Leute kaufen.

rap.de: Rappst du also daher auf Englisch, weil du dir keine Grenzen innerhalb Schwedens setzen möchtest?
Iron African: Als ich zum ersten Mal Rapmusik gehört habe, war die auf Englisch. Was dabei passiert ist, war so etwas wie „Liebe auf den Ersten Blick“ und wenn ich heute auf Englisch rappe, habe ich nur so das Gefühl „das ist die originale, ursprüngliche Art dieser Musik.“ Aber Rap ist Rap, egal in welcher Sprache jemand rappt, man kann immer erkennen, ob die Person ein guter MC ist oder nicht. Ich höre einfach wie du mit den Worten spielst und wie du flowst, da kann man sich nicht verstecken.
rap.de: Hast du Englisch eigentlich in Schweden gelernt, oder konntest du das schon früher?
Iron African: Uganda war ja früher eine britische Kolonie daher ist die Amtssprache Englisch und ich bin mit Englisch aufgewachsen.
rap.de: Vorher hast du von Rap als einer Liebe auf den ersten Blick gesprochen, wann bist du dieser Liebe denn zum ersten Mal begegnet? Wan war dein erster Kontakt zur Rapmusik
Iron African: Wow, mein erster Kontakt zu Rapmusik, verdammt, schwere Frage, das ist schon lange her. Das muss irgendwann in den 80ern gewesen sein, da habe ich noch gebreakt.

rap.de: Auf deinem Album habe ich kein einziges Feature gefunden, gibt es denn Leute mit denen du in Schweden zusammen arbeitest oder bist du eher ein Einzelkämpfer?
Iron African: Tatsächlich gab es ja zwei Features aber die haben wir nicht auf’s Album gemacht, ich weiß gar nicht warum. Mit einem MC Namens Chappy hänge ich ziemlich viel herum, er ist definitiv einer der besten Underground Rapper Schwedens aber ebenso wie ich ist im die Schwedische HipHop Szene egal und wie alle anderen MC, mit denen ich in Schweden cool bin, versucht er seine Karriere international aufzuziehen. Allgemein halte ich es so, dass ich eher internationale Acts als Feature will, weil ich keine engstirnigen Rapper, ohne einen weiteren Horizont auf meinem Album haben will.  
rap.de: Zum Thema internationale Acts fällt mir ein, dass du ja für einige große amerikanische MCs als Vorgruppe agiert hast, war es eine Inspiration für dich solche Leute zu erleben oder hast du vielleicht sogar Kontakte geknüpft? Gerade ein MC wie Common muss dir doch eigentlich unheimlich Nahe stehen, weil ihr euch von der Art der Musik und vor allem den Inhalten ja doch sehr ähnlich seid.
Iron African: Natürlich, also gerade Common ist für mich einer der Größten überhaupt. Ich fand seine Musik seit der ersten Single richtig krass. Nachdem ich einige Angebote hatte vor großen Acts zu spielen, habe ich mich entschieden nur für diejenigen die Show zu eröffnen, die seit jeher meine Idole sind. rap.de: Wie war das dann für dich vor Acts zu spielen, die du deine Idole nennst?
Iron African: Da wird ein Traum war! Erst hängst du mit den Leuten im Backstage rum und dann hast duz die Aufgabe das Publikum anzuheizen bevor sie dann kommen. Da kann man auch schonmal nervös werden, weil hinten im Backstage der Mainact sitzt du dir gerade zuhört. Also darfst du s auf keinen Fall vermasseln. (lacht) Es ist zwar schwer, aber wenn man s geschafft hat und alles glatt lief denkst du dir schon, „ja ich hab s geschafft, ich verkaufe zwar nicht soviel Platten aber habe die Crowd dennoch gerockt“! wenn dir dann auch noch der Headliner auf die Schulter tippt und Respekt zollt ist das ein großartiges Gefühl!  
rap.de: Hast du denn nie ein Feature mit einem großen Ami-Act machen wollen, oder hat sich das bisher noch nicht ergeben?
Iron African: Ich bin kein großer Freund von Features. Die meisten Rapper machen das doch nur, weil sie mehr Publikum wollen. Ich möchte nicht irgendwen einen Tag treffen und einen Track aufnehmen, ich möchte vielmehr meinen Featurepartner kennen und eine gemeinsame Ebene haben. Schau mal, wenn ich jetzt ein Feature mit Common machen würde, würde ich das doch nur aus dem Grund machen, weil ich möglichst schnell bekannt werden wollte. Daher brauche ich ein großes Feature. Aber so bin ich nicht, mir geht es um die Musik, ich möchte einen Künstler kennen lernen und eine ebene und einen Vibe finden, auf der wir uns begegnen.

rap.de: Auf deinem Album thematisierst du ja die Probleme, die Afrikaner in Europa haben, kannst du von den Problemen erzählen, die du auch selber schon hattest
Iron African: Ja ganz kurz. Für uns Afrikaner ist Rassismus das Hauptproblem. Das zieht dann noch andere hinterher, zum Beispiel, dass wir keine Jobs finden oder keine Wohnung.
rap.de: Auf deiner Homepage wirst du ja als eine Stimme der Afrikanischen Jugend bezeichnet, gibt es Probleme, die vor allem die Jugendlichen haben- ich denke da zum Beispiel an Probleme eine eigene Identität zu finden?
Iron African: Natürlich, wir haben alleine schon das Problem Vorbilder zu finden. Unserer Eltern hatten doch nie die Chance in der Gesellschaft aufzusteigen. Also können wir zu niemandem aufschauen. Wir haben hier niemanden, der TV Star -oder ein erfolgreicher Geschäftsmann ist. Daher stehen uns die Afroamerikaner am nächsten und sind so unserer Vorbilder. Das negative daran ist, dass die Gesellschaft dazu übergeht Afrikaner mit Amerikanern zu vergleichen und nicht die Unterschiede erkennt. Gerade mit passiert das dauernd, das kommt vielleicht in meinem Fall davon, das ich Rapmusik mache, aber gerade Afrikaner, die nicht wie HipHopper aussehen werden so angesehen, als würde mit ihnen etwas nicht stimmen. Wir müssen das von der Stereotypisierung endlich wegkommen. Tatsächlich bin ich Teil der ersten Generation, die die Chance hat, etwas zu verändern. Gerade wir haben die Chance, etwas für unsere Identität zu machen, und Vorbilder zu werden. Immerhin sind wir gebildet und verdienen auch etwas Geld. Weißt du, es gibt zwischen unseren Eltern und uns eine große Lücke, jedenfalls mussten wir alle bei Null anfangen.
rap.de: Willst du denn selbst ein Vorbild sein?
Iron African: (lacht): Da ich die ganzen Probleme der Afrikanischer kenne, verstehe ich Vieles und wenn mich jemand mag und meine Art zu Leben, kann er mich gerne als Vorbild sehen, aber ich würde mich nie hinstellen und sagen: „Mach es so wie ich, folge meinem Weg.“ Es ist nicht mein Ziel ein Vorbild zu seih, ich bin nur jemand, der von dem erzählt, was er sieht, wenn du das nachvollziehen kannst, ist das cool und wir verstehen uns.

rap.de: Könntest du dir eigentlich jemals vorstellen, die afrikanische Kultur mit mit HipHop, also einer westlichen Subkultur zu verbinden. Könntest du dir etwa vorstellen mit Afrikanischen Musikern zusammen zu arbeiten?
Iron African: Also im Augenblick mache ich genau das. Ich arbeite in einem Projekt namens Funguwa Mulango, das heißt auf deutsch „Öffne die Tür“.
rap.de: Wie wird das denn genau aussehen?
Iron African: also wir werden verschiedene Rapper aus Afrika ,die in den verschiedene afrikanischen Sprachen rappen auf dem Album haben. Das ist eine große Verschmelzung aus HipHop und R’N’B, wobei da viele afrikanische Musikelemente vor allem in den Beats zu finden sein werden. Das Album ist auch fast fertig und wir haben zwei Videos gedreht die auf MTV Base in Afrika laufen. Das ist auf jedenfall ein großes Projekt und da haben wir wieder genau das, was ich vorher angesprochen habe, wir wollen den afrikanischen Jugendlichen in Europa die Möglichkeit geben ihre Wurzeln wieder zu entdecken.

rap.de: Wenn du mit afrikanischen Rappern arbeitest, kannst du bestimmt Etwas über die afrikanische HipHop Szene erzählen, die ist ja hier weitestgehend unbekannt.

Iron African: Die afrikanische HipHo-Szene wächst und wächst. Vor allem in Süden Afrikas also in Simbabwe und Kenia geht einiges. Auch Nigeria und Uganda sind im Kommen. Gerade in diesem Zusammenhang spielt MTV Base eine große Rolle, weil dadurch die Szene unheimlich gepusht wird. Das besomdere sind auf jedenfall die vielen verschiedneen Sprachen in denen dort Musik gemacht wird.

  
rap.de: Bist du denn auch in Afrika erfolgreich oder spielt das für dich nur eine nebensächliche Rolle und dein Fokus liegt auf Europa oder den USA?  
Iron African: Im Moment bin ich dort noch nicht so groß, aber daran arbeite ich! Aber momentan lege ich mein Hauptaugenmerk schon eher auf Europa und auch die Staaten sind mir nicht so wichtig. Ich sehe das so, in den USA gibt es einen so großen Markt und da sin so viele gute Rapper, da herrscht ein großer Konkurrenzkampf und du findest nur sehr selten eine Nische für dich um erfolgreich zu arbeiten. Also erstmal will ich in Europa erfolgreich arbeiten.  
rap.de: Wie bist du eigentlich auf den Namen Iron African gekomen, das hört sich irgendwie an wie der Name eines Kriegers, kannst du etwas zu der Bedeutung deines Künstlernamens sagen?
Iron African: Für mich ist Stahl (Iron) das härteste Metall und wenn du heutzutage Afrikaner bist, musst du oftmals hart sein wie Stahl. Ich habe bei dem Namen gar nicht mal so sehr an mich gedacht sondern, an jeden Afrikaner, weil wir gerade durch schwere Zeiten gehen und bei dem, was wir durchmachen hart sein müssen.
rap.de: Aber machst du dich dadurch nicht selbst zu einem Sterotyp?
Iron African: Ja das stimmt schon. Ich bin ein Afrikanische Stereotpy, aber du musst dich nach dem Grund dafür fragen. Das sind doch gesellschaftliche Umstände, die dazu geführt haben. In der westlichen Gesellschaft bist du dopch als Afrikaner ein Nichts, daher habe ich mein Album auch Third World Animal genannt. Jeder der aus der Dritten Welt kommt, wird fast schon als Tier angesehen. Jedes Mal, wenn ich den Fernseher anmache und Afrikaner sehe, sind diese am Hungern. Ich habe noch nie eine TV-Sendung gesehen, in der Positives aus Afrika berichtet wurde. Das ist immer: die Leute in Afrika sind arm, die Leute in Afrika sind am Verhungern, sie müssen wie Tiere leben- bitte spenden sie etwas Geld! Das ist nicht die Wahrhreit, in Afrika gibt es viele Bodenschätze nur haben die Westlichen Mächte, die früheren Kolonialherren entschieden, dass Afrika nicht unabhängig werden soll.

rap.de: Du lebst ja nun in Europa, wo die meisten Kolonialmächte herkamen, hast du eine spezielle Beziehung zu diesem Kontinent, der die Afrikaner für lange Zeit kolonisiert und ausgebeutet hat?
Iron African: Wenn meiner Musik zuhörst wirst du die Wut hören. Ich spreche genau darüber. Ich wäre gerne ein „normaler“ Europäer, ich würde gerne in andere Länder reißen, weil ich das möchte und nicht weil ich das muss. Viele Afrikaner reißen durch die Welt und kommen hier her, weil sie sonst verhungern müssten. Ich würde gerner in Afrika leben und Europa ab und an besuchen, aber ich muss hier leben. Das ist jetzt nicht so, dass ich Europa hasse, verstehe mich nicht falsch, aber ich möchte über die Probleme sprechen und die Augen dafür öffnen.

rap.de: Lass uns über ein paar deiner Tracks sprechen. In "Truth" sagst du „You wanna slave me“ wer ist damit gemeint?
Iron African: Ich spreche über bestimmte Leute, die dich unten halten wollen. In unserer Gesellschaft läuft es doch momentan so, dass du ein Nichts bist, wenn du nicht gut Geld verdienst. Genau das macht uns zu Sklaven des Geldes aber dabei sind wir doch viel mehr, wir sind Menschen und nicht nur dazu da einen Beruf auszuüben. Außerdem spreche ich da auch von der Stereotypisierung von Menschen. Leute sehen dich an und stecken dich in eine Schublade, sie wollen , dass du etwas bestimmtes bist und hören dir nicht einmal zu: Das ist Iron er trägt Levis Jeans und dies und das. Da geht es doch nur um Äußerlichkeiten. Aber am Ende muss es um meine Persönlichkeit gehen um die Art wie ich wirklich bin.
rap.de: Ich nehme an, dass der Track „Zoo Me“ in eine ähnliche Richtung geht, das hört man ja schon am Titel- oder?.
Iron African: Ja „Zoo Me“, iIm Zoo werden die Tiere gehalten und angeschaut. Hier in Europa habe ich so das Gefühl sollen wir Afrikaner wirklich eingesperrt werden. Am Flughafen werden unsere Fingerabdrücke kontrolliert, es werden Fotos gemacht. Als ob wir Kriminelle wären und die so schneller verhaftet werden können, wenn sie etwas anstellen. Nicht einmal wenn du hier her kommst um Urlaub zu machen, wird dir das abgenommen, man nimmt immer an, dass du hier leben willst und dich, sobald du erstmal im Land bist, sofort versteckst. „Zoo Me“ ist darüber hinaus ja auch ein Partysong. Damit spiele ich ganz gerne, denn die Leute denken sich vielleicht zuerst „Zoo Me“ das hört sich lustig an, aber dann verstehen sie irgendwann worum es geht, dass sie mich einsperren wollen. Die meisten Afrikaner, die hier in Europa leben kennen das, denn es gibt fast nur illegale Möglichkeiten Geld zu verdienen.
rap.de: Du machst in deinen Tracks ja einen sehr ernsten Eindruck, könntst du dir überhaupt jemals vorstellen auch Musik zu machen, wie zum Beispiel De La Soul, also humorvolle, fröhliche Tracks.
Iron African: Wenn du mich triffst wirst du feststellen, dass ich ein fröhlicher Mensch bin. Ich bin keiner, der ein T-Shirt anziehen würde, wo drauf steht „Ich bin ein Revoluzzer“ oder „Ich bin ein Black Panther“ So was finde ich völlig sinnlos, wenn du ein Revoluzzer bist, trägst du kein T-Shirt, wo das auch noch drauf steht! Für mich sind Leute wie Fela Kuti Vorbilder. Er hat Funkmusik gemacht, du kannst auf seine Musik tanzen, nein, die ist so funky du musst darauf tanzen und dennoch hat er über ernsthaftere Themen gesprochen als ich das manchmal tue. Ich möchte wirklich auch Partylieder machen und erstmal muss das ernsthafte gesagt werden, das muss aus mir raus. Dannach kann dann etwas anderes kommen. Ich will eben auch nicht, dass die Leute denken, ich hätte nichts zu sagen und würde immer nur Party machen. Ich bin ein ganz normaler Typ, in mir steckt von allem Etwas drin.

rap.de: Ok, lass uns über eine weiteres Zitat aus einem deiner Tracks sprechen, in "Welcome To Europe" sagst du: „Now You Gotta Hit The Streets/ Fuck With The Beast/ Welcome To Europe“ Was meinst du, wenn du von dem „Beast“ sprichst?
Iron African: Das Beast, also das sind alle die schlechten Sachen, die eigentlich nicht willst, aber eben doch tun musst, weil du zum Beispiel Geld verdienen musst. „So you gotta hit the Streets/ Fuck with the Beast“ Ja Mann, wenn du mit dem "Beast" kämpfen musst, wird es dich auf jedenfall verletzen und du weißt es auch. Und du weißt auch, das dich das Beast am Ende besiegen und auffressen wird. Ich benutze gerne Metaphern um solche Sachen zu beschreiben.

rap.de: Ok, du bist ja nicht nur MC sondern auch Produzenten und mir sind einige Sachen aufgefallen, als ich das Album angehört habe. In deinem zweiten Track „Who Da Animal“ benutzt du genau das gleiche Sample wie in dem Remix von Mary J Blidges „I Luve You“. War das Absicht?

Iron African: Ja, das habe ich absichtlich gemacht. Ich liebe es Samples zu benutzen, die schon mal gebraucht wurden. In den 80. und den frühen 90. wurden die Samples ja nur geloopt. Ich mach das grundsätzlich anders und zwar choppe ich das Sample, was bedeutet du wirst es in meinen Tracks nie so finden, dass du es noch mal loopen könntest. Es hört sich vielleicht an, wie ein Loop, aber du wirst diesen Loop niemals im Originaltrack finden. Weil ich eben so viele Sachen dran verändert habe. Mir ist es ganz wichtig, den Leuten, die zum ersten Mal mit diesem Sample gearbeitet haben Respekt zu zollen. Ich will Rap zurück in die goldenen 90. bringen, aber eben im 2005 Style.
 
rap.de
: Das gleiche hast du dann sicher auch bei „Cheers For Rap Money“ gemacht, weil das Sample in diesem Track kenne ich glaube ich von Jay Z’s „Streets is Watching“.
 
Iron African: Ja genau. Aber da war es so, dass ich die Produktion des Tracks nicht so mochte, weil das Sample eben wirklich nur geloopt war. Ich dachte mir, verdammt damit kann man doch viel mehr machen. Ich habd das dann alles völlig verändert und hätte den Beat am liebsten Jay-Z oder so jemandem geschickt, damit er noch mal drauf rappt! (lacht)
rap.de: Die meisten HipHopper hören ja fast ausschließlich nur Rap, du bist aber Produzent und brauchst ein weites Spektrum an Musik, die du hörst. Welche Musik inspiriert dich?
Iron African: Ich höre wirklich alles. Das kann Genesis sein, Simply Red oder die Beatles. Ich habe eine Musiksammlung, die ich ständig erweitere. Ich bin immer am Platten diggen. Aber ich höre natürlich auch viel HipHop, ich liebe zum Beispiel Alchemist, Mobb Deep– das ist die Musik mit der ich aufgewachsen bin und die ich liebe. Der New York Streetrap-Shit ist auf jeden Fall mein Ding.
rap.de: Inspiriert dich das auch beim Texte schreiben, oder ist das alleine die Realität als Afrikaner in Europa zu Leben mit der du dich jeden Tag auf’ s neue herumschlagen musst. Iron African: Meine Inspiration kommt auch aus dieser Mentalität. Wenn du so viel Zeit mit Musik verbringst, wird das auch eine Welt für dich, außerdem habe ich zu dem gleichen Zeitpunkt in Amerika gelebt. Dennoch sehe ich immer auch Europa und die Werte, die hier vermittelt werden. Zu viele Amerikaner sind nach meiner Meinung in diesem materialistischen Bullshit gefangen und halten das für das Größte. Ich sehe über diesen Telerand hinweg und nutze die verschiedenen Einstellungen zu meinem Vorteil. Wenn du meinen Raps zuhörst wirst du vielleicht denken, der Typ kommt aus Brooklyn, aber dann hörst du genauer zu und bemerkst wie ich über Afrika spreche und Europa.

rap.de: Lass uns noch mal über Europa reden, kennst du eigentlich jemanden in der Deutschen oder englischen Rapszene?

Iron African: Nein leider noch nicht, ich fühle mich gerade noch wie ein kleines Kind und alles ist neu für mich. Ich will die ganzen Leute kennen lernen und hier und da mehr Zeit verbringen. Das ist wie ich schon vorher gesagt habe, denn meistens läuft es so, dass mich jemand anschreibt und einen Beat möchte. Da ich dafür noch nicht mal Geld sehe, ist es so, dass ich mit Herzblut dabei bin und ein gutes Gefühl brauche, aber dafür muss ich die Leute kennen lernen. Das wäre was anderes, wenn ich für einen Beat Geld verlangen könnte, da würde ich dann sagen: „Hier dein Beat meine 5000 Dollars bitte, alles klar mach s gut. Ich muss einfach etwas mehr touren, dann wird sich das sicher ergeben. Wenn ich dann mal nach Deutschland komme, wird ich einen Haufen Beats mit bringen und dann mal schauen, was sich ergibt. Ich bin da so wie Kanye West, und mag es nicht, einfach so Beats zu verschicken und nicht dabei zu sein, wenn da etwas entsteht. Am Ende wird etwas aus meinen Beats, das ich eigentlich nicht mag und ich kann noch nicht mal Einfluss darauf nehmen, es ist einfach besser vor Ort zu sein und so etwas ausdiskutieren zu können. Ich liebe diesen Entstehungsprozess im Studio einfach zu seh, der eine sagt, lasses uns so machen und der andere hat einen anderen Vorschlag- ja Mann das ist Musik für mich.


rap.de
: Kannst du denn von deiner musik im Augenblick leben, oder musst du noch nebeher hustlen?

Iron African: Im Augenblick geht es, ab und an arbeite ich irgendwo nebenbei. Jede Show, die ich spielen kann ist gute Geld für mich. Ich bin ein „Starvin Artist“.
rap.de: Was hast du für deine Zukunft geplant?
Iron African: Also mein großes Ziel ist erstmal in Deutschland zu touren, ich will in möglichst vielen Clubs spielen. Denn immerhin kommt mein Album ja zuerst bei euch raus.

rap.de: Irgendwelche letzten Worte?
Iron African: Also ich möchte mich auf jedenfalls bei den Leuten vom 7er Stock in Köln bedanken, sie machen großartige Arbeit, vor allem mein Manager hat einen großartigen Job gemacht und ich bin froh, dass das Album in Deutschland herauskommt. Ebenso grüße ich das rap.de Team und alle, die mich sonst supporten, leider kenne ich in Deutschland noch nicht so viele Leute, die ich sonst grüßen könnte. Ich würde mich aber auf jeden Fall sehr freuen, wenn jeder, der das hier liest, mein Album anhört. Ihr werdet nicht enttäuscht sein, guter HipHop mit guten Lyrics, guten Geschichten, angenehm zu hören (lacht) und auf jeden Fall vom Herzen. Iron African eben…

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