Silly Walks Movement & Patrice

rap.de: Es gibt euch schon seit Anfang der Neunziger. Genau diese Zeit ist für mich speziell die wichtigste und teilweise beste Zeit, was Dancehallproduktionen angeht. Wie sieht das bei euch aus, welche Ära war oder ist für euch die interessanteste?

David: Es gibt ja zu jeder Zeit, oder in jedem Jahrzehnt, immer ein paar gute Sachen, aber auch Sachen, die nicht so heiß sind. In den Neunzigern gab es schon auch viele Sachen, wo ich so dachte: „Oh Backe“!
Oli: Aber was Hardcore-Sachen angeht, waren die Neunziger schon ziemlich wichtig.
rap.de: Die Riddims waren einfach interessanter, oder?

Oli: Ja, gerade was Bogle und Dancehall-Sachen angeht – da fand ich vieles schon richtig geil.
David: Also, ich habe eher mit den älteren Sachen, z.B. aus den Siebzigern angefangen. Mich interessierten eher Dub und Instrumental-Geschichten.
rap.de: Wie seid ihr darauf gekommen, oder besser, was verbindet euch speziell mit Roots-, Foundation- und Conscious-Reggae? Ihr seid ja dafür bekannt, dass euch diese Sachen am meisten liegen. Was genau verbindet euch mit dieser Art von Reggae?

Oli: Die Zeit ist einfach sehr schnelllebig. Doch ein guter Sänger ist einfach ein guter Sänger! Und der Style, selbst von einem guten Deejay, ist eben einfach nach einer Weile überholt. Auch was die Riddims angeht, ist es in den meisten Fällen so, dass ein Dancehall-Riddim es meist nur für eine Woche oder maximal 2-3 Monate bringt, und dann ist es auch schon wieder vorbei. Das ist beim traditionellen Reggae nicht so. Ich spreche hierbei auch nur für mich, aber je länger ich meinen Job mache, umso weniger turnen mich solche Dancehall-Produktionen auch an. Beim Auflegen geht es ja auch darum, sich selbst zu inspirieren. Wir spielen als Silly Walks ja auch kein Programm, sondern variieren eben sehr stark -und es sollte ja schon darum gehen, dass man sich aus der Musik auch etwas ziehen kann. Bei Reggae-Liedern ist bei mir die Trefferquote einfach höher, als bei Dancehall-Sachen.
rap.de: Wenn ihr euch festlegen müsstet auf drei Alltime-Favorites. Welche wären das?

Oli: Irgendetwas von Garnet Silk, irgendetwas von Dennis Brown und irgendwas von Sizzla !
rap.de: Patrice, wie ist das bei dir?

Patrice: Damit kann ich leben. (David und Lobstarr tun an dieser Stelle kund, dass auch sie durchaus mit dieser Aussage konform gehen, und rufen beide: „ich auch“.)
Patrice: Wobei ich Bob Marley noch dazu sagen muss – nur in einer anderen Kategorie.
rap.de: Du meinst, dass er als Künstler einfach mehr für das Ganze getan und vielschichtiger gearbeitet hat?

Patrice: Ich meine sein Lebenswerk. Bob Marley war einfach internationaler. Seine Texte und Lieder sind Sachen – nicht in allen Fällen, aber im Großen und Ganzen – auf die sich mehr Leute beziehen können, glaube ich.
Oli: Also was das Songwriting angeht, stehen die Anderen ihm in nichts nach!

Patrice: Okay, das ist ja Geschmackssache. Aber Bob Marley steht einfach überall, er ist ein Symbol! Er war ja nicht einfach nur irgendein Sänger! Organisationen wie Amnesty International z.B. haben ihn als Symbol im Kampf für Menschenrecht und Freiheit anerkannt. Und genauso wie viele Menschen ein Kreuz um den Hals tragen, haben, egal wo du hingehst, ebenso viele Marley-Shirts an.
rap.de: Lasst uns kurz das Thema Battyman-Tunes anreißen. Dagegen verwehrt ihr euch ja vehement…

Oli: Wir spielen das einfach nicht!
rap.de: Ganz genau, ihr spielt derartige Titel einfach nicht. Nun ist es doch aber auch so, dass durchaus auch Jungs, wie eben auch Bob Marley, diese Problematik aufgegriffen haben.

Oli: Es gibt aber von Bob Marley keine schwulenfeindlichen Lieder! Er hatte sicherlich, wie die meisten Jamaikaner oder überhaupt viele Menschen auf der Welt – ich weiß das jetzt gar nicht so genau –, etwas gegen Schwule, aber er hat das nie in seiner Musik transportiert! Wir wiederum möchten lediglich nicht Sprachrohr für diese Intoleranz sein – egal wem gegenüber! Nun sind schwulenfeindliche Lieder im Reggae nicht so leicht auszuklammern, aber da es sich um menschenverachtende Texte handelt, laufen die bei uns halt nicht.
rap.de: Was sagt ihr zur großen Masse an Weed-Tunes, speziell was Debüt-Singles deutscher Künstler hier zu Lande betrifft?

Oli: Das Ganze wird ja allgemein ganz schön standardisiert, in gewisse Textgenres eben: Love-Songs, Weed-Songs, Battyman-Tunes, Conscious-Songs u.s.w. Also mir persönlich gefällt es sehr, wenn die Leute auch mal ein anderes Thema aufgreifen. Tanya Stephens schätze ich sehr, weil sie z.B. dem Thema Liebe immer noch einmal versucht etwas anderes abzugewinnen. Das machen die meisten Artists viel zu wenig! Es gibt ein paar Millionen Reggae Songs, das ist doch ein ewig weites Feld. Wenn man sich aus diesem ganzen Fundus sein Zeug zusammenklebt, kommt man auch auf ein beachtliches Spektrum, auch wenn sich die meisten Texte immer um dieselben Sachen drehen. Aber es gibt eben auch Texte dazwischen.
Patrice: Deine Frage bezieht sich nur auf deutsche Künstler?
rap.de: Naja, von Jamaikanern wiederum erwarte ich so etwas im Grunde fast schon.

Patrice: Das Ding ist, wie schon gesagt, es gibt verschiedene Genres, und ich glaube, deutsche Künstler suchen wohl auch nach einer Art Verwandtschaft, und Weed ist wahrscheinlich so eine zentrale Verwandtschaft, auf die sich jeder beziehen kann, egal wo er herkommt.
David: Ich würde denen teilweise unterstellen, ihnen fällt nichts anderes ein. Aber dafür kenne ich die meisten zu wenig. Es liegt aber nahe, so etwas zu denken.
Olli: Sänger sind ja oftmals auch gezwungen, beim Publikum irgendwelche Reaktionen hervorzurufen, und da ist halt einfach der kleinste gemeinsame Nenner gefragt.


rap.de: Da du gerade Tanya Stephens angesprochen hast: Ich weiß, ihr habt ein Video zusammen gemacht und auch einen Tune mit Ce`cile . Wenn man diese beiden Ladys vergleichen will – wer liegt euch näher und wer ist für euch interessanter?

Oli: Tanya!
David: Sie ist einfach vielseitiger. Ce`cile ist auch sehr gut, und auch die Reaktionen auf die gemeinsame Arbeit waren gut. Nur bin ich schon von Anfang an hinterher, mit Tanya aufnehmen zu können, und das hat ja nun auch geklappt… Ich bin da also von vornherein schon vorbelastet.
Oli: Es ist auch immer schwierig, zu sagen, jemand ist besser oder schlechter, denn die machen ja sowieso unterschiedliche Sachen. Aber da Tanya länger dabei ist und ein viel breiteres Spektrum hat, was Texte und den künstlerischen Ausdruck allgemein anbelangt, geht Tanya einfach tiefer. Ce`cile ist nett und gut und cool, aber ich glaube auch, dass Ce`cile schon ein Stück weit in Tanyas Kielwasser geschwommen ist. Sie hat zu einer Zeit angefangen zu entertainen, als Tanya nicht in Jamaika war, und hat da wohl ein bisschen die Lücke gefüllt, oder so ähnlich. Das ist sicher auch Kunst, doch Tanya ragt einfach weiter heraus.
rap.de: Ein Feund von mir kam gerade aus London wieder und erzählte mir, der neueste Trend vor Ort ist, hardcore Tekkno-Beats mit Ragga-Toastings. Könntet ihr euch vorstellen, so etwas zu supporten?

David: Nicht wirklich. Es gab davor ja auch schon Two Step und solche Sachen. Die Leute machen es ja gern so: Sie holen sich irgendwelche Leute, die gerade mal zwei Schüttelreime zusammen bringen und die dann über das ganze Stück verteilen. Das gibt es ja immer wieder, schon seit Jahren. Ähnlich lief das mit Raggajungle und dergleichen. Da gab es schon auch Leute, die das richtig gut konnten, aber da wurde meiner Meinung nach auch viel verwurschtelt. Naja, herumprobieren kann man ja gerne, doch Tekkno ist eben nicht meine oder unsere Musik!
Oli: In London ist die musikalische Entwicklung ja auch ein bisschen schneller, und Mischformen aus allen gängigen, möglichen Stilen sind dort halt normal. Ich persönlich werde auch schnell mal gekickt. Jungle z.B. hat mich schon auch angesprochen. Reggae für sich geht eben sehr tief und ist sehr breit gefächert. Das nur auf eine Art Beat einzuschränken wär eigentlich schade. Aber ich glaube, ein Tekkno-Beat würde im Reggaeset einfach nicht funktionieren. Eventuell könnte man das zwischendurch schon mal probieren. Wir spielen ja z.B. auch Sachen wie Soca.


rap.de: Was haltet ihr generell von Soca?

Oli: Ich habe schon einige Lieblingsartists, aber ich mag auch Soca ganz im Allgemeinen.

David: Mich hat Soca noch nicht so erreicht.
rap.de: Das geht mir, um ehrlich zu sein, ähnlich.

David: Aber Oli hat gesagt, er zahlt mir eine Reise darüber.
 Lobstarr: Ähm…mich hat Soca auch noch nicht erreicht… (worauf hin er ordentliches Gelächter erntet)

rap.de: Oli, demnach warst du selbst schon auf Trinidad oder Tobago?

Oli: Tobago – so zum Urlaub machen, mit der Familie und dort war gerade Carneval. Ich mochte Soca vorher schon, aber seitdem sind alle Dämme gebrochen.
Rap.de: Kommen wir zu eurer Produzententätigkeit. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich das erste Mal von euch, als Produzenten, im Zusammenhang mit dem Remix zu dem All Saints Titel „Booty Call“ gehört. War da vorher schon etwas am laufen, was ich vielleicht verpasst habe?

David: Als Allererstes kam damals eine Compilation.
Oli: Genau. Wir hatten damals so ein Studiokollektiv mit dem Namen „Sound Navigator“ , und in diesem Zusammenhang haben wir einen Sampler heraus gebracht. Auf diesem Sampler ist unser erstes Stück darauf. Das war Ende der Neunziger.
David: Danach gab es einige Remixes, und da war der Erste „Tabularasa – Part I“.
Oli: Wir haben dahingehend also eine Menge gemacht. Dann mussten wir aus unserem ersten Studio raus und sind umgezogen in ein Neues. Dort haben wir dann beschlossen, dass wir nicht mehr nur bestehende Vorlagen auswerten wollen, sondern selbst, mit eigenen Riddims, Vorgaben geben wollen.

rap.de: Und wo soll das alles, im besten Fall, für euch hingehen? Wie sind dies bezüglich eure Vorstellungen?

David: Weiter machen zu können…
Oli: Im Moment ist das tatsächlich so. Wenn wir weiter machen und das als dauerhafte Perspektive etablieren könnten, vielleicht ab und zu noch ein bisschen unterwegs sind, ist das, glaube ich, schon, was wir wollen.
rap.de: Also wird es aber schon so sein, dass das Produzieren irgendwann vorrangig wird?

David: Nö, eigentlich sollte es schon um Beides gehen. Die Umsetzung ist ja auch spannend! Egal ob man dies in einer Band macht oder als Soundsystem. Wenn ich die Sachen, die wir gemischt haben, in den Clubs höre, ist das superspannend. Du bekommst z.B. mit, wie dies und jenes auf verschiedenen Anlagen klingt. Nur zu produzieren, ohne Kontakt zum Geschehen, stelle ich mir schwierig vor.
Oli: Also ich kann mir auch nicht vorstellen, das Auflegen an den Nagel zu hängen. Aber weniger rumkurven könnte ich mir schon vorstellen.
rap.de: Wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen Silly Walks & Patrice? Wie hat sich das gefunden?

Oli: Kennen gelernt haben wir uns in Hamburg – wir waren dort quasi Nachbarn, und ich habe im Plattenladen gearbeitet, wo Patrice auch Kunde war. Dann hat man sich halt auch auf Partys gesehen, später mal zusammen herum probiert und beschlossen, auch mal zusammen im Studio zu arbeiten. Aber es hat schon ein paar Monate gedauert, bis das alles dann auch geklappt hat. Patrice hat ja dann auch erstmal seine Platte aufgenommen. Dann haben wir einige gemeinsame Sessions gehabt und ein paar Songs aufgenommen. Das klappte ziemlich gut, und daraus entstand irgendwie die Idee: man könnte ja mit Patrice auch mal eine ganze Platte machen. Wir haben Patrice gefragt, der fand das auch cool, und dann haben wir halt bei Plattenfirmen angefragt, ob das überhaupt gewünscht ist. Wir bekamen die Möglichkeit und haben angefangen, an einer EP zu arbeiten. Dass es dann doch eine kleine LP geworden ist, lag einfach daran, dass die gemeinsamen Sessions einfach gut gelaufen sind.

rap.de: Und ein nices Video gibt es noch oben drauf…

Oli: Du hast das Video gesehen? Dann bist du eine der Wenigen, denn das Video lief nicht so oft.
rap.de: Ich habe es mir im Internet angesehen – ich bin gar nicht im Besitz eines Fernsehers.

David: Also eigentlich lief das Video total oft! rap.de: Und das Video zu „Forever“ mit Tanya Stephens?

David: Das lief auch sehr oft!
rap.de: Wie kam es zu der Idee, zum Titel „Que Sera“ eine Art Remix-Contest zu initiieren?

David: Ach, um einfach mal zu kucken. Es gibt wahnsinnig viele Leute, die zu Hause produzieren. Und es war einfach superspannend, zu kucken, was da so passiert. Durch FourMusic, MTV und diverse andere Medien hatten wir auch ein gutes Forum, und es kamen tatsächlich auch viele coole Sachen dabei rum.
rap.de: Das Ergebnis war also schon eher überraschend gut als überraschend schlecht?

David: Naja, es gab schon auch Sachen mit krassen Tonartwechseln drin – schwierig.
Oli: Da waren teilweise welche dabei, die z.B. das Tempo gar nicht gecheckt haben, aber es waren auch richtig coole Sachen dabei!
rap.de: Was passiert mit den drei Leuten, deren Produktionen von euch ausgewählt wurden?

Oli: Ich glaube, die haben so ein Fanpaket von Four bekommen…
David: Eigentlich hätte man diese Sachen veröffentlichen können, wenn „Que Sera“ besser gelaufen wäre. Wir hatten schon überlegt, noch einen Remix nachzuschieben, aber das war halt in diesem Fall nicht drin. Also „Que Sera“ lief schon, aber nicht so, dass die Leute geschrieen haben: „Ja, wir wollen noch die Remixes davon haben“. Doch so wissen wir jetzt, wen wir für Remixes brauchen können – für die Zukunft, wenn es mal soweit ist.
rap.de: Und mit welchen Künstlern würdet ihr gerne noch zusammen arbeiten?

Oli: Also, mit den beiden „Que Sera“-Leuten (Caramellow & Criminal) haben wir ziemlich viel aufgenommen. Und jetzt haben wir fast eine Platte fertig, die wir gern in diesem Jahr herausbringen würden.

rap.de: Nur mit den beiden?

David: Außerdem wird Lobstarr auf zwei Titeln vertreten sein.
Oli: Und dann wären da schon noch so einige, mit denen wir noch gern zusammen arbeiten würden

Alle zusammen rufen quasi im Chor: Beres Hammond )
Ich meine: klar, mit allen geilen Reggae-Artists zu arbeiten, wäre natürlich cool! Es gibt aber im Moment niemanden, mit dem wir ein konkretes Projekt am gehen hätten. Also das Projekt mit Caramellow & Criminal ist auf jeden Fall schon erstmal heiß! Und was wir danach machen, sehen wir dann.

rap.de: Wieso habt ihr euch für „Silly Walks Movement Meets Patrice“ gerade den Song „Everyday Good“ gepickt und noch einmal aufgenommen?

Patrice: Das war ein Vorschlag von Oli & David. Die andere Version ist eine schöne Version, die aber wohl eher zu Hause gespielt wird, aber nicht wirklich in der Dancehall. Und deswegen wollten wir noch einmal eine Reggae-Version davon machen. Das war der Vorschlag, ich fand die Idee gut, und so kam das.
rap.de: Was für Pläne hast du nun? Was wird als nächstes von dir kommen?

Patrice: Mein nächstes Album kommt – wenn alles so läuft, wie ich es mir vorstelle – im Frühjahr nächsten Jahres. Im Moment gebe ich mehr Konzerte, vorrangig im Ausland und natürlich auch hier, im Rahmen der Silly Walks-Tour.
rap.de: Ist es für dich eigentlich befremdlich, dass du z.B. in Frankreich teilweise mehr Support erhältst als hier in Deutschland?

Patrice: Ich verstehe das!

rap.de: Du verstehst das?

(gemeinschaftliches Gelächter)
Patrice: Nein, ich verstehe das wirklich! Weißt du, es ist doch oft so: Du lebst in einer Stadt, und jeder kennt dich. Dann reißt Du irgendwas, aber es ist nicht so, dass alle dann sagen, „yeah, super, ich freu mich für dich!“ Ich weiß auch nicht, warum das so ist, aber jenseits dessen glaube ich z.B. auch, Frankreich ist ein komplett anderer Markt als Deutschland! In Frankreich arbeiten die Leute an einer Single teilweise ein Jahr lang, und es ist auch nicht alles so videolastig wie hier. In Frankreich war die erste EP, die ich hier heraus gebracht habe – die eigentlich mehr als Promotion gedacht war -, quasi ein Selbstgänger. Das heißt, die Leute sind darauf angesprungen ohne jegliche Werbung, einfach nur auf Grund der Musik. Hier war der Weg ein anderer. Ich wurde halt auf MTV und Viva usw. gespielt, und so lernten die Leute meine Sachen so nach und nach kennen. Ich hab hier viel mehr Arbeit investieren müssen und sehr viel live gespielt. In Frankreich hat meine Musik wohl einfach den Zeitgeist getroffen. Dort steht man aber auch sehr auf akustische Sachen. In Italien läuft es mittlerweile auch so, das muss man an dieser Stelle noch anmerken! Zwei Jahre nach Veröffentlichung meiner Platte ist die auf einmal einfach abgegangen. Das hätte auch niemand erwartet! Ich glaube, es hat einfach alles damit zu tun, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, das Richtige zu tun.
rap.de: Ich weiß, das folgende Thema ist vielleicht für dich nicht unbedingt das Schönste. Nichtsdestotrotz würde ich es gern ansprechen: Diese Flaschenaktion, letztes Jahr auf dem Splash!-Festival, was ist dir da durch den Kopf gegangen, als diese Flasche bei deinem Auftritt auf die Bühne flog? Für mich ist das eine Form von Dissrespekt, wie sie mieser nicht geht! Es hätte ja auch was passieren können, hättest du nur einen Meter weiter hinten gestanden…

Patrice: Das Ding war halt, dass das Splash! gerne mal Artists einlädt oder auf das Plakat schreibt, die dann nicht kommen. Woran das liegt – ob an den Artists oder an den Veranstaltern – wissen wir natürlich nicht, und ich will jetzt auch wirklich niemandem etwas unterstellen. Es war halt so, dass Dead Prez angekündigt waren, die übrigens auch eine meiner Lieblingsgruppen sind. Und natürlich super viele Leute wegen denen gekommen sind, da die ja noch nie in Deutschland gespielt haben. Als statt Dead Prez die erste andere Gruppe gespielt hat, war es wohl noch okay für die Zuschauer. Als aber ich dann kam, haben die Leute gecheckt, dass Dead Prez nicht mehr kommen, und so gab es dann eben ein paar Fans, die einfach genervt waren.
rap.de: Ich fand aber auch komisch, dass du für die HipHop-Stage eingeplant warst und nicht für die Reggae-Stage.

Patrice: Genau. Und dann wurde halt diese Flasche – und es war eine Glasflasche – mit richtiger Wucht geworfen, und hätten die mich getroffen, das wäre echt böse ausgegangen! Aber so ist das halt, man ist verwundbar auf der Bühne und setzt sich z.B. solchen Dingen aus. Ich meine, jeder kann eine Flasche werfen, wenn er Lust dazu hat.
rap.de: Nun, eigentlich nicht wirklich, oder?!

Patrice: Doch, wenn er eine Flasche zur Hand hat. Die Möglichkeit ist da.
rap.de: Mir fiel das Thema deshalb wieder ein, weil ja eine ähnliche Nummer auch mit Gentleman auf Jamaika passiert ist. Was nun ein anderes Publikum ist, und wo es wahrscheinlich auch eine andere Geschichte zu gibt, aber generell finde ich so etwas unnötig!
Patrice: Ja gut, ich meine, bei mir waren es, glaube ich, zwei Typen. Der Großteil wollte meine Show natürlich sehen, und ansonsten war das Konzert eigentlich okay. Es gab eben leider ein paar Leute da, die von den Umständen genervt waren, und falls sie das lesen, die sollen das nächste Mal vorbei kommen und sich zeigen! Ist besser!
rap.de: Sind für dein kommendes Album Features geplant?

Patrice: Nee, nicht geplant. Aber was auch immer sich ergibt, ich folge.

rap.de: Wünsche?

Patrice: Ich würde gern etwas mit Sly & Robbie machen. Das wollte ich auch schon zu meiner letzten Platte machen. Das Interesse dafür kam übrigens durchaus auch von deren Seite.
rap.de: Wie kam dieser Kontakt zu Stande?

Patrice: Vor einiger Zeit habe ich in London für Sly & Robbie, oder besser für Black Uhuru , Support gemacht und ebenso einige Festivals mit denen zusammen gespielt. Der Sly & Robbie-Gitarrist wollte nach dem London-Gig eine CD von mir, und die hat denen wohl sehr gefallen. Er ist übrigens auch der Gitarrist, der auf meinem letztem Album gespielt hat. Dann habe ich sie noch einmal in Dänemark supportet, und dort kam halt Robbie auf mich zu und meinte, er hätte gehört, dass ich gerne mit ihnen zusammen, für Aufnahmen, arbeiten würde. Eigentlich habe ich gedacht, Sly & Robbie sind zu teuer, doch Robbie meinte nur, dass das nicht stimmt und ich solle ihn direkt anrufen, und dann bereden wir alles Weitere.
rap.de: Wie gefällt dir das Sly & Robbie Album („The Dub Revolutionaries“ – meet Mad Professor, feat. Dean Fraser) ?

Patrice: Neues Album? Echt? Ist das cool?
 
rap.de: Ja, man!!

Patrice: Glaub ich! Spielen die live?
rap.de: Es wurde auf jeden Fall alles live von der Taxi Gang – die extra reunionmäßig zusammengetrommelt wurde – eingespielt. Und während Patrice, auf Grund dieser frohen Kunde, das Misserlebnis auf dem Splash! langsam aber sicher wieder in den Hintergrund geraten lässt, sinniere ich mit Oli über die Qualität aktueller Sizzla-Produktionen und verteidige hartnäckig Jah Masons aktuellen Release. Doch so richtig will Oli nicht von seinem Support Sizzlas abrücken. Anschließend steigen die Jungs – gangsterlike – durch das Fenster des Cafes in ihren Wagen und brausen weitestgehend unerkannt davon. Ein bisschen Erholung und Privatsphäre muss schon noch drin sein, denn die Nacht ist ja noch lang…

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