Total Chaos

Ich kann nicht ernsthaft behaupten, dass Total Chaos und ihre 2001 erschienene zweite LP „Worte & Beats“ bei mir tatsächlich schon in die letzte Ecke des Langzeitgedächtnisses abgedriftet oder vorrübergehend wirklich unauffindbar gewesen wären. Dennoch war seit dem letzten Mal Hören sicher weit über ein Jahr vergangen. Nun gelangten Manuva und DBH mit „Worte & Beats“ wieder auf die 1210er, nachdem ich unmittelbar vorher erneut am Waxolutionists -Hammertrack „Nachtschattengewächs“ (feat. Manuva) hängengeblieben war. Um es kurz zu machen: Ich liebe diese Platte. Sie zählt für mich ohne weiteres zu den zehn besten deutschsprachigen HipHop-Alben, die bis heute erschienen sind, und es steht nicht zu befürchten, dass sie die Top 10 jemals verlassen muss. Dazu trägt nicht zuletzt die B-Seite mit „Soul Samurai“, „Atempause“ und „Hauptsache“ bei, die den Kauf der Platte schon alleine wert ist. Was für ein Beat von Blumentopfs Holunder auf „Atempause“, dem Statement für die heilende Denkpause. Was für eine zeitlose Ansage auf „Hauptsache“, und was überhaupt für ein fetter, warmer Klang auf der gesamten LP. Hinzu kommen zahllose geniale Schmankerl wie z.B. „Das Mic“, zu dem auch ein äußerst unterhaltsames Video existiert. Bei weitem genug Style jedenfalls, um sich zu fragen, was die Jungs aus Wien eigentlich machen, nachdem man schon so lange nichts mehr von ihnen gehört hat. Ich kann mich noch gut erinnern, wie DBH und Manuva in der Produktionsphase des „rap.de/allstars #2“-Albums Anfang 2002 bei uns im Office durch die Flure schlurften und unsere Shop-Regale checkten. Mit schelmischem Grinsen, aber bestem Unterton, meinte rap.de/records-A&R Steve damals: „Wie ein altes Ehepaar“. Einfach zwei krasse Sympathen, könnte man auch sagen, ohne es wesentlich besser zu meinen. Jedenfalls war es kein Wunder, dass Manuva-MC sich auf meine Nachfrage kurzfristig für ein Sonntags-Phoner-Interview außerhalb der üblichen Promotion-Abläufe bereit erklärte. Erfahrt im Folgenden zunächst, was bei Holger (DBH) und Clemens (Manuva) Stand der Dinge ist, und anschließend mehr über die gesamte Bandgeschichte.

Na Mann – wie sieht´s aus? Gestern unterwegs gewesen?

Manuva: Ja – auf jeden Fall. Zuerst war ich bei ´nem Freund, bei dem wir noch ewig herumgehangen haben, und danach sind wir zur Party vom Message-Magazin. Kennst du das?
Bisher nicht…

Manuva: Das ist ein richtig fettes HipHop-Mag aus Österreich – die machen mittlerweile auch viele internationale Sachen und sind von diesem Fanzine-Status, den sie früher noch hatten, seit cirka zwei Jahren weg. Die bringen das inzwischen ziemlich regelmäßig raus,und zu jeder Ausgabe gibt es dann auch eine Party. Das geht meistens bis um sechs, sieben in der Früh,und so war es gestern auch. Die haben auch ´ne Website – www.themessage.at.
Wie sieht es denn bei dir persönlich aus? Was machst du gerade?

Manuva: Ich habe letztes Jahr im Sommer bei Radio FM4 zu arbeiten angefangen. Das ist ein Jugendsender des Österreichischen Rundfunks, den es in vergleichbarer Weise in Deutschland wohl nicht gibt, allerdings kann man FM4 auch in Bayern empfangen. Wir spielen nur alternative Musik von HipHop bis House, und vor allem arbeiten da auch nur fähige Leute. Der Sender ist rund um die Uhr österreichweit zu empfangen und existiert seit mittlerweile neun Jahren. Tatsächlich verdiene ich da inzwischen sogar den Großteil meiner Miete.
Soweit ich weiß, macht man da ja dann immer auch so eine Sprachausbildung. Gilt das auch für dich?

Manuva: Ja, aber das fängt jetzt gerade erst an.
Ich kenne jemanden, der das schon hinter sich hat. Soll ziemlich komisch sein…

Manuva: Für Leute, die es nicht gewöhnt sind, mit Sprache und Stimme umzugehen, ist das sicher komisch. Dadurch, dass ich rappe und ich mich schon immer mit meiner Stimme beschäftigt habe, ist es für mich aber eigentlich nur interessant, wenn mir jemand sagt: „Setz deinen Bauch so und so ein, atme auf diese oder jene Weise – oder rede doch zu dem Baum da drüben…“ Für mich ist das eher spannend, auch wenn es seine komischen Momente hat.

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