Interview mit Prinz Pi

rap.de: Wird dir eine klassische HipHop-Herangehensweise immer weniger wichtig?

Prinz Pi:  Nee, eigentlich nicht. Dieses Mal war es wieder so, dass wir wieder ganz viele super HipHop-mäßige Drums eingebaut haben. Zum Beispiel bei „100x“, das ist für mich so ein richtiger Golden 90s, klassischer HipHop-Beat, der wirklich aus dieser Zeit kommen könnte.

rap.de: Das ist aber auch der straighteste Raptrack.

Prinz Pi: Ja, das ist es auf jeden Fall. Aber der zweite Song „Moderne Zeiten“ , das ist auch so ein super, krasser Rapbeat und voll BoomBap mäßig. Das sind zum Beispiel auch alles Beats, die wir mit so einer ganz alten Drummachine gemacht haben. Das ist die erste Drummachine, die es überhaupt gab, noch vor MPC und so weiter.

rap.de: Wie heißt die?

Prinz Pi: Die Firma heißt Sequential Circuits und die Maschine heißt DrumTracks, die ist sehr alt.

rap.de: Ist das ein Original?

Prinz Pi: Ja, wir haben nur mit originalen Sachen gearbeitet und nur sehr wenig am Computer.

rap.de: Deine erste Single „Unser Platz“ wurde teilweise heftig kritisiert.

Prinz Pi: Ja, aber das ist auch der untypischste Song auf dem Album, der schon sehr raussticht. Das war auch durchaus etwas beabsichtigt. Ich wollte jetzt den Leuten zwar schon einen kleinen  Vorgeschmack liefern, aber ich wollte jetzt dafür auch keinen Song auswählen, der schon den Konsenz des Albums zeigt. Ich hasse es auch, wenn die Leute versuchen, ihre Fans zu bedienen und vorher überlegen, welcher Song den Leuten jetzt am besten gefallen wird. Ich finde, man kann die ruhig manchmal ein bisschen auf die falsche Fährte führen und die Erwartungen schüren und Verwirrung stiften. Das kann man ruhig ab und an mal machen. Der Meister, der darf sich dann so etwas auch rausnehmen. (lacht

rap.de: Ah. die alte Arroganz blitzt also manchmal doch noch auf. Auf dem Album findet man sie ja fast gar nicht.

Prinz Pi: Ja, die blitzt manchmal hinter der Brille auf. Der gute, alte Prinz Porno ist bescheiden geworden. Dafür hat er aber noch so einige Prinz Porno-Songs auf Lager, die er dann bei Gelegenheit auch raushauen und mit denen er dann den Leuten das Lächeln aus dem Gesicht wischen wird.

rap.de: Juckt es dich also doch manchmal noch in den Fingern, mal wieder ein bisschen anzugreifen?

Prinz Pi: Ja, klar. Auf jeden Fall.

rap.de: Hattest du denn, als du noch Prinz Porno warst, eher einen Norden auf deinem Kompass?

Prinz Pi: Früher wusste ich genau, wer Freund und wer Feind war. Die Feinde saßen bei der Sekte oder in Hamburg, eigentlich fast überall, außer in unserem Bunker-Studio. Aber damals war die Weltsicht natürlich eine andere. Dadurch, dass ich jetzt auch schon so lange Musik mache, habe ich ja auch Fans und Hörer, die in unterschiedlichen Schaffungsphasen dazu gekommen sind. Und da gibt es bestimmt welche, die diese alten Beatfabrik-Sachen für diese Einfachheit und diese Arroganz gemocht haben und sie jetzt eben nicht mehr vorfinden. Aber vielleicht finden sie ja jetzt andere Qualitäten, die damals auch schon vorhanden waren. Ich habe zum Beispiel damals schon immer versucht, gute Sprüche rüberzubringen oder schöne Bilder zu zeichnen. Ich denke, dass es trotz aller Entwicklungsstufen, die ich gemacht habe und trotz aller Reifeprozesse, immer ein gewisses Ding gab, das sich durch mein Schaffen zieht, das hoffe ich zumindest.  

 

 

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