Vega – Sprachgewalt und Bilder

Vega scheint mit seinem zweiten Album "Vincent" kurz vor dem nächsten Schritt zu stehen. Jahrelang galt er als Geheimtipp, als großes Talent. Aber der große Durchbruch blieb dem Frankfurter bisher versagt, nicht zuletzt, weil er sowohl mit seinem ersten Label Buckwheats als auch mit seinem zweiten Butterfly Music, sagen wir mal verkürzt: Pech hatte. Bei "Vincent" sieht es hingegen ausgesprochen gut aus. In den Trendcharts erreichte das Album am ersten Wochenende Platz 2 – es zeichnet sich der erste richtig große Erfolg für die Freunde von Niemand ab. Von all dem wusste Vega allerdings noch nichts, als er uns letzte Woche in der Redaktion zum Interview besuchte. Ein Besuch nebenbei, der vor nicht allzulanger Zeit noch undenkbar gewesen wäre – um das Verhältnis Vega-rap.de war es nicht immer zum besten bestellt. Nun haben sich beide Seiten zu einem Neustart entschieden – der Blick geht nach vorne, nicht zurück. Willkommen also in der Welt von Vega.

 
rap.de: An dein Album "Vincent" knüpfen sich ja hohe Erwartungen. Auch bei dir selbst, oder?

Vega: Ja, sicher. Gerade nach "Lieber bleib ich broke", das in diesem Untergrundsektor relativ erfolgreich war. Für unseren damaligen Bekanntheitsgrad hat es ja schon relativ hohe Wellen geschlagen. Dementsprechend müssen wir jetzt natürlich nachlegen. Die Fanbase ist noch größer geworden und das verknüpft sich dann auch mit einer gewissen Erwartungshaltung an das Album.

rap.de: Die Zeichen stehen auch ganz gut, oder?

Vega: Was wir bisher von den Vorverkäufen wissen, ist wirklich top. Wir können uns da überhaupt nicht beschweren. Wenn man bei Amazon schaut, wechseln wir uns da regelmäßig mit Marsi ab auf Platz 1 bei Rap und HipHop. Und er ist ja eine relativ große Hausnummer – wenn wir da auf Augenhöhe sind, können wir schon relativ zufrieden sein.

rap.de: Peilst du dieses Mal die Top 10 an?

Vega: Das ist natürlich ein großes Wort. Insgeheim hoffe ich natürlich darauf. Aber ich sage auch ganz ehrlich: Alles, was innerhalb der Top 25 ist, ist für uns ein Riesenerfolg. Es wäre der erste Charterfolg für mich, es ist ja auch mein erstes chartrelevantes Album. Bisher wurde kein Album von mir veröffentlicht, das für die Charts gezählt hat. Beim letzten haben wir alles in Eigenregie gemacht, über unseren eigenen Online-Shop und aus dem Kofferraum heraus. Deshalb hat noch nie was für die Charts gezählt. Und das erste chartrelevante Album gleich in den Top 25 zu platzieren, wäre denke ich auch eine Ansage.

rap.de: "Vincent" ist im Vergleich zu seinem Vorgänger reifer und schlüssiger ausgefallen, oder siehst du das anders?

Vega: Auf jeden Fall, das macht denke ich auch den großen Unterschied zu "Lieber bleib ich broke" aus. Ich habe mich menschlich total verändert – zwar ist der Release von "Lieber bleib…" erst zwei Jahre her, aber die Entstehungsphase ist viel länger her, angefangen habe ich damit vor vier Jahren. Vier Jahre sind eine lange Zeit, dementsprechend bin ich viel ruhiger geworden. Ich bin nicht mehr ganz so hart unterwegs wie vorher. Deshalb hat sich die Musik auch ein bisschen verändert. Paar werden es mögen, paar werden das nicht mögen. Aber das ist jetzt der neue Vega. Beim nächsten Album wird es wieder einen neuen Vega geben. So ist das halt als Künstler.

rap.de: Wo siehst du selbst denn die größten Veränderungen? Du hast weniger reine Battletracks drauf, beziehungsweise gar keine.

Vega: Genau, es ist noch persönlicher, obwohl "Lieber bleib…" auch schon relativ persönlich war. Es hat sich viel verändert, auch der Sound an sich. "Lieber bleib…" hatte ein bisschen diesen "Das hab ich im Keller aufgenommen"-Charakter. In der Hinsicht haben wir uns weiterentwickelt. Es ist einfach stimmiger, auch die Beats, das Soundbild, alles passt besser zusammen. Es ist mehr aus einem Guss als der Vorgänger, was auch daran liegt, dass die Entstehungsphase wesentlich kürzer war. "Lieber bleib ich broke" war eher zusammengewürfelt und ich denke, den Unterschied hört man schon.

rap.de: Du hast bekanntlich eine sehr pathetische Herangehensweise. Große Worte, große Gefühle, große Gesten. Ist das ein bisschen ein Frankfurter Ding? Man kennt das ja auch zum Beispiel von Moses Pelham oder Azad.

Vega: Pathos ist auf jeden Fall ein Stilmittel, das in Frankfurt oft genutzt wird. Ich denke aber, ich setze dem noch mal einen oben drauf. Bei mir ist es noch überzogener. Komplett alles riesig. Riesige Musik, riesige Wörter, alles herzzerreißend und tränenreich ausgedrückt. Das ist bei mir noch ausgeprägter als bei den anderen Frankfurter Künstlern.

rap.de: Woher kommt das?

Vega: Ich bin eigentlich bei allem so, bei jeglicher Kunstform. Auch  bei Filmen zum Beispiel, ich bin total der Fan von epischen Fantasyfilmen. Ich mochte schon immer eher solche Sachen, alles, was episch ist. "Highlander" oder solche "Herr der Ringe"-Geschichten, um eine Überschrift zu finden. Da ist es ja auch so: Die Musik und die ganzen Dialoge sind ja immer so, dumm gesagt: aufgeblasen, und das spiegelt sich eben auch in meiner Musik wieder.
 

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