Fuat über HipHop in der Türkei

Der türkische Rapper Fuat ist schlicht und ergreifend eine Legende – in Berlin, Deutschland und der Türkei. Früher war er der einzige türkischsprachige Rapper in Savas' M.O.R.-Crew, sein "Hassickdir"-Tape gilt bis heute als Meilenstein des türkischen Raps. 2004 verlagerte er seinen Hauptwohnsitz von Berlin an den Bosporus, seitdem lebt er hauptsächlich in Istanbul.

Doch auch dort läuft nicht alles immer glatt und einfach. Der Industrie-Hustle hört eben nie auf. Doch Fuat wäre nicht Fuat, wenn er sich davon aufhalten ließe. Als Ankündigung für sein kommendes Album hat er kürzlich einen neuen Track veröffentlicht.

Fuat – Yüzle? (beat: Zeus) by FuatErgin

Für alle, die des Türkischen nicht mächtig sind: Der Song zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Lage, die als apokalyptisch beschrieben wird und versteht sich als eine Reaktion auf die Ignoranz, als ein Appell an alle Menschen ohne Bewusstsein.

In einem kurzen Statement gegenüber rap.de erklärt Fuat seine momentane Situation: "Meine Karierre ist ein hin und her zwischen Deutschland und Türkei. Die HipHop-Kultur wird hier kaum von den Medien supported. Im internet findet man jedoch sehr gute MCs", so Fuat, der keine einfachen Bedingungen für die HipHop-Kultur in der Türkei sieht. "Alben werden illegal runtergeladen, Jams werden nicht besucht."
Der Grund dafür sei jedoch nicht Desinteresse, sondern schlicht in den sozialen Umständen zu suchen. "Die finanzielle Lage der Jugend ist erbärmlich. Sie haben nicht die Mittel, Rap und HipHop zu unterstützen. Es gibt keine Indielabels für HipHop. Keine TV-Programme, die unsere Videoclips spielen. Keine Zeitschriften. Dafür aber irgendwelche Hirnis, die denken, sie hätten es geschafft, weil sie zwei Lieder aufgenommen und auf ihre MySpace-Seite gestellt haben."

Fuats schonungsloses Fazit: "Das kulturelle Bewusstsein hat sich mit der Oberflächlichkeit und der Gier nach Fame erledigt." Alles umsonst also? Nicht für Fuat. "Ich werde nicht kapitulieren, solange ich atme und rappen kann", stellt er klar. "Es lebe die geistige Revolution gegen die hohle Vergänglichkeit."

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