D-Bo – Auf der Suche nach dem Glück

Dieser fette, alte Klops HipHop kann einem bisweilen gehörig auf den Sack gehen, das kennen wir wohl alle. Rapper sind davor natürlich als allerletztes gefeit, was dann in der Regel eines dieser „Ich wollte schon immer mal was anderes machen“-Alben zur Folge hat. Dass solche Projekte dann mit erschreckender Häufigkeit zu den schlimmeren Verbrechen der Musikgeschichte gehören (siehe: Das Lil‘-Wayne-Rock-Album, siehe vor allem: Dennis Lisk), ist leider nur logisch, hält viele nachfolgende Interpreten jedoch trotzdem nicht davon ab, aus den als zu eng empfundenen Grenzen ausbrechen zu wollen.Wenn D-Bo also auf seiner „Suche nach dem Glück“ die vermeintlich ausgetretenen Pfade des Genres verlässt, um Electro zu machen, dann geht der 32-Jährige ein gewaltiges Risiko ein. Auch wenn Danny Bokelmann im Intro seine vertrauten Mitstreiter beschwört: Die Reaktionen der Fanbase waren im Vorfeld des Albums gespalten. Klar, wenn ein ehemaliges Mitglied des ersguterjunge-Camps ein Electro-Album aufnimmt, sind die Befürchtungen naturgemäß groß. Aber: Zum Glück ist D-Bo nicht your average Straßenrapper, ansonsten hätten wir hier vielleicht tatsächlich ein zweites „M-A-S-S Techno“ vor uns.

Mit einer Mischung aus Dubstep und Drum and Bass, die der Promo-Waschzettel suggeriert, hat der Sound des Albums allerdings nicht sonderlich viel zu tun. „Stern“ ist zwar ein astreiner Dubstep-Track, und die sich insgesamt etwas zu sehr anbiedernde Party-Single „Rock That Party, Berlin“ weist deutliche D&B-Referenzen auf. Insgesamt sind die Arrangements auf dem Album aber weder komplex noch hart genug, um ernsthaft von Dubstep oder Drum and Bass sprechen zu können. „Auf der Suche nach dem Glück“ ist eher eine Mixtur aus der progressiveren Sorte von Neuer Deutsche Welle und wilden Electro-Hop-Spielereien aus den 1980ern, nur eben ins 21. Jahrhundert transferiert. Und das ist absolut als Kompliment zu verstehen.

An Electro-Hop erinnert auch die Performance von D-Bo selbst. Der hat nämlich auf diesem Album komplexe Reimpatterns zugunsten einer langsameren, klar verständlicheren Delivery aufgegeben. Das hat natürlich den Vorteil, dass sich der „Rapper“ dadurch einem breiteren Publikum öffnet, das nicht aus dem HipHop kommt und den vielzitierten Fick auf krasse Flows und Technik gibt. Allerdings hat die Darbietung von D-Bo dadurch weniger mit Rap zu tun als mit eintönigem Sprechgesang.

Klar, die Monotonie in der Vortragsweise mag ein beabsichtigtes Element sein, das auch durchaus ins Albumkonzept passt. Allerdings geht D-Bos Delivery spätestens nach der Hälfte des Albums schwer auf die Nerven. Wie er sich in simpelstem Sprechgesang von Takt zu Takt hangelt und demonstrativ jedes einzelne Mal am Ende der Line die Stimme hochzieht, erinnert schon fast an die berüchtigten Rap-Versuche von Nationalisten-Dumpfbacke HC Strache. Und das ist wiederum nicht als Kompliment zu verstehen.

Konsequenterweise funktionieren „Auf der Suche nach dem Glück“ daher auch diejenigen Tracks am besten, die aus diesem immergleichen Reimschema ausbrechen – etwa der Titeltrack, auf dem D-Bo zumindest in Bridge und Refrain stimmlich ein wenig variiert, oder „Jung“,wo sich Featuregast Casper einen Wolf stylet und zeigt, was hier alles möglich gewesen wäre. Zu erwähnen ist allerdings noch „Glücklich“, ein Track, der eigentlich nichts anders macht als der Rest des Albums, aber paradoxerweise trotzdem zündet. Das mag an der Hook von Raf Camora liegen, am klassisch schönen NDW-Instrumental oder am clever abgehandelten Thema; keine Ahnung. Aber diesen Shit fühle ich jedenfalls definitiv.

Auf seiner Suche nach dem Glücksieht sich D-Bo noch ein paar Problemen ausgesetzt, aber das ist nicht schlimm. Angesichts der Tatsache, dass hier noch jemand seine Formel suchen muss, sein Sound-Rezept, ist das neue Album absolut okay geraten.
Es als nahtlose Fortsetzung der D-Bo-Diskographie zu betrachten, wäre auch unfair. „Auf der Suche nach dem Glück“ ist vielmehr ein zweites Debütalbum, mit gut gemachten Electro-Instrumentals, klugen Inhalten und leider eben auch mit einer nervigen Vortragsweise.  Es ist der erste Gehversuch eines Rappers, der so gar nichts mehr mit Rap zu tun haben will. „Deswegen mach ich keinen HipHop mehr / scheiß auf alle HipHopper / ich wär nicht mal HipHop, wenn die Luft zum Atmen HipHop wär“, heißt es etwa auf „Kopfschmerzen“.

Aber, lieber D-Bo, das sei an dieser Stelle erwähnt: Wenn Du auf „Hand“ beschreibst, wie Du mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchst, von wildfremden Frauen einen Handjob zu bekommen – hast Du dann nicht die Essenz von HipHop in 30 Sekunden zusammengefasst? So leicht kommst Du ihm nämlich nicht davon, diesem fetten, alten Klops.

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