257ers – Zwen

Ja, die hier besprochene CD ist schon vor Längerem erschienen, aber weil wir gerade nicht an neuen relevanten Einsendungen ersticken haben wir trotzdem in das aktuelle Album der 257ers, "Zwen“, reingehört und möchten Euch daran teilhaben lassen. Wir halten es da in Schneechaos-Zeiten nämlich wie die Berliner Verkehrsbetriebe – Es kommt spät, aber irgendwann eben doch.
 
Wenn man einen Tonträger der Jungs aus Essen in den Player schiebt, weiß man schon vorher genau, was man bekommt: Geisteskranke bis grenzgeniale Lines über verstörende bis beinahe eingängige Beats. Irgendwo zwischen Drogenpsychose, spätpubertärem Herumgealbere und Rap-ADHS. Wenig überraschend gestaltet sich dies auch auf der aktuellen Platte nicht anders. Deshalb eines gleich vorweg: Wer sich bei so etwas nicht amüsiert, für den lohnt sich selbst oberflächliches Reinhören nicht. Der wird mit "Zwen“ nämlich absolut keinen Spaß haben.
 
Eine Explosion der Euphorie lösen die 22 Tracks inklusive Intro, Outro, Kinderhörspiel-Skits und Solo-16ern der Herren Shneezin, Keule und Mike aber auch bei mir als tendenziell wohlwollendem Hörer nicht aus. Natürlich: Die lustvolle Selbstdemontierung auf "Drei Rosa Schleifchen“ und "Klapse Auf“ ist großartige Unterhaltung und insbesondere bei letzterem Track drängt sich mir der Eindruck auf, dass es sich bei den Jungs um die unehelichen Kinder von Mach One und Favorite (welcher neben Ras Timbo auch als Featuregast vertreten ist)  handeln muss. Nur eben mit etwas weniger Tiefgang als der Berliner und ein bisschen mehr Party als der aus Essen stammnede Rapper.
 
Warum "Zwen“ trotzdem nicht unter meine meistgespielten Alben des abgelaufenen und zugegeben eher lauen HipHop-Jahres 2010 gehört? Mir fehlen die wirklichen Highlights. Die Tracks, die man einmal hört und dann sofort aus dem Rest der Platte herausstechen. Musikalisch gestaltet sich das Ganze trotz den durchaus ansprechenden Produktionen von Krizz Dallas, Marvellous, Johnny Illstrument, Voddi, Josen und Psaiko Dino (ja, ich glaube, das waren alle) relativ ähnlich und auch inhaltlich wird selten bis gar nicht von den großen Haupthemenfeldern "Drogen“, "Party“, "Bitches“ und "Wir sind zwar auch ein bisschen behindert, aber ihr noch viel mehr“ abgewichen.
 
Das muss vielleicht genau so sein und wahrscheinlich ist es eben das, was die Fans so an den 257ers schätzen. Eben auch, weil die Essener in dem, was sie machen wirklich gut, unterhaltsam und lustig sind. Nichtsdestotrotz wünsche ich mir für die kommenden Releases etwas mehr musikalische Bandbreite und ausgefeiltere Songkonzeptideen. Dann gibt’s nämlich auch die volle Punktzahl.

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