Plan B – Ill Street Blues

Plan B! – Reviews, die mit dem Namen des Künstlers beginnen sind ja im allgemeinen GANZ schwere Kost. Nicht anders verhält es sich bei Plan B. Ein Mensch, der sich mir leider nicht wirklich erschließt, vielleicht aufgrund seiner ungewöhnlichen Tiefe, oder aber auch einfach der Tatsache wegen, dass seine Lieder einem stets etwas charakterlos vorkommen. Als sei er tatsächlich dieser schüchterne Orson, der mal hinter dieser albernen  Blödelfassade mit Hornbrille und Melone, mal hinter einer ernst-melancholischen mit Schal, doch nie wirklich mit seinen eigenen Gesichtszügen auftritt.
Dabei gibt es da gar nichts zu verstecken, schließlich merkt man dem sympathischen Deutsch-Polen gleich an, dass er professionell an seine Musik herangeht und auch die Worte richtig zu setzen weiß.
Mein persönliches Problem mit dem Herren Nikodemski ist einfach, dass er irgendwie nicht wirklich viel von sich preisgibt. Und ich rede jetzt nicht von einer Bravo-Home-Story mit Exklusivbildern, wie er sein Hausgnu füttert. Nein, lediglich ein paar Informationen zur Person, wären hin und wieder erfrischend.Geht man auf die Seite von Chimperator, seinem Label, steht da etwas vom „Charlie Chaplin des Raps“, oder dass er ein „weinender Clown“ sei. Soso. Das wird allerdings nirgendwo thematisiert, weder auf Ill Street Blues, noch in irgendeinem Orsonspart. Hört man dann aber seine EP, hat man immerhin tatsächlich das Gefühl, ein aus Schüchternheit rumkaspernder Junge hat nun endlich den Mut gefunden, Ernst zu werden und so etwas wie Melancholie zuzulassen.

So zum Beispiel auf meinem Favoriten, dem Stück „Vor der Haustür„, bei dem ich endlich das fühle, was eigentlich die gesamte EP ausmachen sollte. Diese „es-ist-vier-Uhr-Nachts-und-ich-bin-einsam-und-betrunken-Stimmung„.
Der Track ist aber auch deshalb der stärkste Track, weil man zumindest diese vier Minuten lang das Gefühl hat, dass man dem Künstler etwas näher auf die Schliche kommt.

Angereichert wird das Ganze durch den typischen Plan B-Humor, dass er an Dinge, die eigentlich schon beendet sind, noch ganz schnell eine Kleinigkeit dranhängen muss. So wird aus der Hook  „Nur wer holt uns raus, ist es nur ein Traum? Glück gibt es nicht, wir harren alle aus“ ganz zum Schluss dann doch noch „Glück gibt es, mach doch nur die Augen auf“, womit man einfach nicht mehr rechnet und breit grinsen muss. Auch die vielen vielen, holprig vorgetragenen Zweckreime, in Zeiten des hohen Technikstandards ansonsten ein absolutes „NO GO“ zeugen von diesem Radikalhumor… zumindest hoffe ich, dass es sich hierbei auch um einen typischen Plan B Witz handelt.

Ein weiterer Leckerbissen ist im übrigen noch „Ausgesperrt„, in dem er auf einem reggaelastigen Beat darüber rappt, dass er sich ausgeschlossen hat und wohl nie wieder in die Wohnung reinkommen wird, was ihn allerdings kein Stück bekümmert, da ja eh gutes Wetter ist.

Bei Liedern wie „Betrunkene Bernhardiner“ oder „Zeit, mehr nicht„, weicht mir leider der Fülltrack-Verdacht nicht aus dem Kopf, was bei nur sieben Tracks allerdings mehr als ungewöhnlich wäre. Viel eher also könnte es sein, dass mir die Themen zu ausgelutscht vorkommen, kennt man das alles doch schon von den Orsons.

Und genau DAS ist auch ein wesentlicher Teil meiner Plan B-Problematik: Während die anderen drei Künstler für sich allein schon entwickelte Rapmonumente sind, die ihre eigenen Stilrichtungen gefunden haben, ist Plan B für mich einfach DER Orson. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es seine Idee war, diese Formation zu gründen und er sich in ihr am wohlsten fühlt und am authentischsten rappt. Wenn die anderen drei dann aber zwischenzeitlich abspringen, um ihre Soloprojekte weiter zu verfolgen, fehlt mir bei Plan B einfach dieses zweite Standbein. Er macht einfach ohne deren Unterstützung genau so weiter, was dann aber leider deutlich weniger Biss hat.

Vielleicht würde es auch einfach reichen, wenn der gute Bartek sich einfach darauf beschränken würde, nur mit den Orsons zu musizieren, denn dort entfaltet er sich deutlich am stärksten. Ansonsten kann man ja immer noch auf sein angekündigtes Buch warten. Bei seiner Liebe für Details, könnte es sicherlich ziemlich interessant werden.