Die Fantastischen Vier – Für Dich immer Noch Fanta Sie

Die Fantas haben mittlerweile einen Status der Narrenfreiheit erreicht, den man in den heutigen Zeiten in Deutschland wohl selten toppen kann. Sie können machen, was sie wollen, ähnlich wie Stefan Raab,Rammstein oder Die Ärzte.
Seit vier Wochen steht das Album in den Regalen und landete prompt auf Platz 1 der Charts! Die „troye“ Fangemeinde lässt ihre Fantastic Four nicht im Stich. Obwohl das letzte Album Fornika längst nicht mehr so gerockt hat, wie vielleicht noch Viel vor sechs Jahren (ganz abgesehen von den Kracher-Alben aus den Jahren davor).
Die Qualität der Texte und Beats haben stetig nachgelassen und Lieder wie „Was Geht“, „Tag am Meer“ oder „Populär“, um nur einige zu nennen, wird es wohl leider nie mehr geben.Man merkt, dass Smudo und Co. in die Jahre gekommen sind. Sie rappen darüber, wie es ihnen in ihrer Karriere ergangen ist und ziehen ein Résumé.
Für Dich Immer Noch Fanta Sie ist eine Art Rätsel, das sich erst nach ein paar Mal hören auflöst. Entweder man kann mit dem Sound und den Texten etwas anfangen, oder das Album landet in der Ecke und gerät in Vergessenheit. Wer sich darauf einlässt bekommt einiges geboten.
Die Vielseitigkeit war bislang nicht größer und dem Hörer bietet sich ein breites Repertoire an „fantastischem Liedgut“. Von Rock, Gospel, Sing-Sang-Pop, über den etablierten Thomas D.-Was-ist-der-Sinn-des-Lebens-Song („Mantra“) bis hin zum gewohnten Rap-Stil der Vierer Combo ist alles vertreten. Bei den 16 Titeln dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein.

„Was´n Showdown, wir können uns endlich aufs Ohr hauen…, denn irgendwann fällt der Vorhang und wir geben dem Privatleben Vorrang.“ Ist doch schon einmal eine Ansage, mit der die Fantastischen Vier das Album eröffnen, inklusive Trommel-Intro und Orchester-Tamm-Tamm! Das erste Lied ist quasi eine Ode an die bisher erbrachte Leistung und ihr Durchhaltevermögen mit der feierlichen Zeile „Wir sind dafür geboren, wie Gladiatoren.“ Zwar sahen die vier Herren aus dem Schwabenland noch nie wirklich aus „Wie Gladiatoren“, aber zumindest fühlen kann man sich ja mal so. Das klingt schon alles ein bisschen überheblich, aber lässt auf mehr hoffen.

„Dann Mach Doch Mal“ ist bekanntermaßen immer leichter gesagt als getan, doch genau mit solch einer Stimmung rocken Die Vier dann irgendwie gelangweilt weiter und berichten unter anderem, dass das Leben nicht immer leicht ist, was sie vor allem auf ihre Karriere beziehen. So richtig glaubwürdig kommt das nicht rüber, wenn man bedenkt, dass sie letztendlich (wie viele andere auch) dank ihrer anhaltenden Liebe zur Musik und einem glücklichen Händchen für das Business damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Auf der anderen Seite haben sie dann wiederum trotzdem Recht, wenn sie singen „jeder würd´ es machen wenn es einfach wär“.

Poppig (mit leichter Tendenz zum Mit-trällern) geht es im kommerziellen „Gebt Uns Ruhig Die Schuld (Den Rest Könnt Ihr Behalten)“ zu. Mit erhobenem Zeigefinger weisen die Fantas darauf hin, dass heutzutage diese „Ich habe nichts getan – Das waren die anderen – Mentalität“ überall vertreten ist. Schließlich sind wir (fast) alle „Umweltverpester“ und „ballern rum an Sylverster“. Es geht um Massenkonsum und fahrlässiges Handeln einer ganzen Gesellschaft, verpackt in einem ganz amüsanten Text und irgendwo findet sich jeder in der einen oder anderen Textzeile wieder. Mit: „du stehst nicht im, du bist der Stau“ setzen sie dem Ganzen dann noch einen oben drauf.

Nervig sind die Lieder „Junge Trifft Mädchen“ und Für Dich Immer Noch Fanta Sie (Teil 2)“. Nicht nur, dass in beiden Liedern die Instrumentale unfassbar lahm daherkommen und irgendwie so vor sich hin dümpeln. Auch inhaltlich ist das alles ziemlich umhergeschwafelt, um letztendlich nur eines zu erzählen „Für Dich Immer Noch Fanta Sie“ und „Junge Trifft Mädchen“. Einen richtigen Sinn gibt es eben nicht und das Gescratche und die langweiligen Beats gehen sehr auf die Nerven und lassen eine innere Aggressivität aufkommen.

Dann aber doch noch, man hat schon gar nicht mehr damit gerechnet, eine gute Nachricht! Ein ganz passables Fanta 4-Rundum-Paket liefert der Song „Garnichsotoll“. Neben dem kreativen Text, in dem es darum geht seinen Arsch zu bewegen, denn „es gibt nun mal nichts Gutes, außer man tut es“, ist vor allem der Sound mit elektronischen und rockigen Elementen nachhaltig. Anscheinend hat der gute And.Ypsilon, dann doch noch ein paar Bretter in seinem Keller versteckt, die er hin und wieder auch auspackt.

Vollkommen überzeugen kann auf „Für Dich Immer Noch Fanta Sie“ allerdings nur ein Song. Der souverän sich-selbst-feiernde-Gospel-Smudo mit dem Track Smudo In Zukunft“. Dank seiner Wortgewandtheit und der zungenbrecherischen Reime wie „also move auf den Kiez und lass` den Juice weg und nimm die Blue Suede Shoes und dance ´n Blues weg“ macht das Zuhören dann sogar auch mal Spaß. Diese euphorische Gospel-Stimmung zaubert einem glatt ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht.

Michi Beck wirkt dagegen etwas unglücklich und verwirrt. Mit den beiden Liedern „Das Letzte Mal“ (Drogen nehmen) und (trotzdem) „Für Immer Zusammen“ (?) kommt er ziemlich verweichlicht und verunsichert rüber. Man könnte fast Mitleid mit ihm haben, wenn er so theatralisch über sich und sein Leben rappt und man möchte ihn in die Arme nehmen und ihm zuflüstern: „Alles wird gut, lieber Michi. Und jetzt hören wir mal auf, diese bösen, bösen Filme zu schieben. „Ist jetzt eh egal. Das war das letzte Mal.“. Wir kriegen das alles wieder hin. Das mit dem Leben.“

„Schnauze“ und „Kaputt“ erinnern von allen Songs am meisten an die guten alten Zeiten, der mittlerweile Anfang Vierzig-Jährigen. Vielleicht, weil die Texte wie zum Beispiel „Kein Bock, wen juckt´s? Hey Schnauze.“ oder „pack´ den Ballast … in einen Sack und danach stellt euch hier an. Stellt keine Fragen, komm, wir schlagen einfach alles zusammen“ aggressiver sind und die Beats etwas abgedrehter, tiefer und grooviger klingen, als der Rest. Smudo, Thomas D. und sogar Hausmarke stellen damit doch noch einmal ihre Abgeh-Skills unter Beweis, auch wenn sie längst die alte Form verloren haben und diese auch wohl nie wieder erreichen werden.

Die restlichen drei Lieder sind nicht wirklich erwähnenswert – alles eine Mischung aus Pop und Sprechgesang – vollkommen banal und belanglos. „Die Lösung“ beispielsweise wirft anstatt eines Ausrufs von „Aaaaah.“ eher nur noch mehr Fragezeichen in den Raum. Denn auch hier geht es wieder um Kritik an allem und jedem „Ihr seid am Ende, ihr habt´s fast verkackt, ihr habt´s geschafft und eure Erde quasi platt gemacht“ und außer „So kann es nicht weitergehen“ haben die Fantastischen Vier dann doch keine anderen Weisheiten zu verbreiten.

Insofern bleibt nur noch übrig, „Danke“ zu sagen. Danke für einen weiteren mittelmäßigen Beitrag zum  deutschen Hip Hop, der dann leider auch keine Rettung bringt.
Von Smudo und Co. kann man womöglich nicht mehr viel erwarten. Das letzte Album Fornika ist unter dem Genre Pop zu finden und anstatt nach Rap und Hip Hop klingt auch Für Dich Immer Noch Fanta Sie ganz stark nach Popmusik. Der große Popstreich ist es allerdings auch nicht, was der Abrutsch von Platz 1 beweist.

Am Ende fragen Die Fantastischen Vier: „Was Wolln Wir Noch Mehr?“. Michi Beck, Smudo, Thomas D. und And.Ypsilon beantworten diese Frage scheinbar lieber schon einmal selber: „Irgendwann ist eben Zeit zu gehen und … irgendwann ist´s aus und vorbei“. Das denke ich langsam aber auch.

So ein irgendwie halb lieblos daher produziertes Album braucht kein Mensch. Fünf einigermaßen anständige Tracks sind für einen Longplayer einfach nicht genug und definitiv fehlt der ganz großer Burnertrack. Der Song, der alles klar macht – bei dem nicht nur einer der Vier rappt, sondern alle so richtig gewaltig auf die Kacke hauen. Das allerdings werden wir nicht mehr erleben, wenn Die Fantas wirklich ihren angekündigten Rückzug ins Privatleben antreten werden. Dann bleibt´s eben bei der Schaukelstuhlmusik.

Man darf gespannt sein, ob sich diese schleichende Privatisierung auch auf die Konzerte auswirkt, denn bislang war jedes Konzert absolut kein Vergleich zu irgendeinem Tonträger (auch keine Konzert-Live-DVD oder ähnliches).
Denn bei ihren Auftritten – da lassen es Die Fantastischen Vier mit allen ihren Hits noch mal so richtig krachen, fernab von Familie und Businessalltag. Hoffen wir, dass wenigstens das so bleibt.

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