Timbaland – Shock Value 2

Timbaland ist also fertig mit Hip Hop; so lässt er jedenfalls in Interviews verlauten. Ihn ziehe es halt mehr in andere Gefilde, und er wolle nur noch Musik machen, die sich auch Leute in seinem Alter (also um die 40) anhören können. Man kann ihm wohl kaum vorwerfen, daß er aus kommerziellen Gründen der Rap-Musik den Rücken kehrt. Erstens müsste er eigentlich längst ausgesorgt haben, (wenn er nicht wie Kollege Scott Storch das Koks Schubkarrenweise vernichtet), zweitens nimmt man ihm die Begeisterung für die gute alte Pop-Musik wirklich ab.

Er hat im Hip Hop auf jeden Fall alles erreicht was geht, somit ist eine gewisse Sattheit durchaus nachzuvollziehen. Nun also das Album zum neuen Pop-Rock-Only Timbo, "Shock Value 2". Wie auch beim Nachfolger zu "Under Construction", so hat der Meister auch diesmal keine Zeit mit der Namenssuche verschwendet. Einfach ne 2 ran, dann passt das schon! Los gehts mit dem Überraschungsgast Justin Timberlake! Und Timbo steppt schön mit Autotune in die Cypher.

Im nächsten Song "Lose Control", einer klassischen Timbo-Hitsingle, hat er erneut diese Idee, wie auch bei einem Großteil der nun folgenden Songs. Eine Idee, deren Genialität sich mir auch nach reiflicher Überlegung einfach nicht erschließen will. Da werden schon recht verschwenderisch Hooks und Parts mit dem vieldiskutierten Effekt zugeklatscht, bis auch der letzte T-Pain Fanatiker zur Einsicht gelangt ist, dass es jetzt bald mal gut is mit dem Plastikgejodele. Nun gut, wollen wir ihm den Spaß lassen.

Auch sein Duett mit der süßen, kleinen Miley Cyrus dürfte für Frohsinn gesorgt haben. (ein Schelm, wer dabei böses denkt!) Die Freude am poppigen Musizieren ist ihm jedenfalls anzumerken. Bei "Tomorrow In The Bottle" werden dann ganz harte Kid-Rock-eske Schmierstyles aufgefahren, die durchaus Hitcharakter haben, aber irgendwie nicht wirklich Begeisterung aufkommen lassen. Bis auf die  Songs "Undertow" und "Timothy Where You Been",  dringt so gar nix an mein Ohr, was mich zum erneuten Hören motivieren würde. Aber ich bin da wohl der falsche Ansprechpartner, vielleicht muss große Pop-Musik heutzutage recht beliebig und wie schon mal gehört klingen. Wobei sich die meisten Beats aber schon noch im gewohnten Timboschen Kosmos bewegen, teils hochklassig beginnen, bevor die zuckersüße Pop-Schicht darübergeträufelt wird.

Es ist durchaus symphatisch, dass er viele bislang eher unbekannte Sternchen am Pop-Himmel als Gäste auf sein Album eingeladen hat und auf die ganz großen Namen, abgesehen von Nelly und Justin, verzichtet. Doch leider sorgt diese Schaar von Sangeskünstlern nicht für bewegende Momente, jedenfalls nicht bei mir. Da war mir der gute alte Magoo schon lieber. Aber sei’s drum, Timbo hat selbstverständlich das Recht, das zu tun, was ihm Spaß macht. Und ihm kanns letztlich scheißegal sein, ob jemand unbedeutendes wie ich seinen Film mitfeiert oder nicht. So bleibt mir nur zu hoffen, dass das mit dem Pop-Rock-Only Timbo vielleicht doch nur eine vorrübergehende Laune war und er schon bald wieder seine grandiosen Beats dem ein oder anderen Rapper zur Verfügung stellt.  

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