Jay-Z – The Blueprint 3

Wie die Zeit vergeht. Als das erste "Blueprint" Album heraus kam, habe ich es mir noch auf Vinyl geholt. Das waren Schallplatten. Die konnte man noch auflegen, auf einen Plattenspieler. Ich mochte Jay-Z vorher nicht sonderlich, weil er für diesen Jiggi Rap stand und weil er, verglichen mit den Leuten vom Westcoastunderground, eigentlich ziemlich primitiv reimte. Natürlich merkte man schnell, dass er das mit Absicht machte und dass sich Jigga mit Bedacht limitierte, aber erst bei Blueprint fiel der Groschen so richtig bei mir und die Person, die Firma, das Unternehmen und nicht zuletzt der Rapper Jay-Z wurden interessant für mich. Für uns. Für die Hip Hop Welt.

Heute, acht Jahre später, hat sich anscheinend nichts verändert. Die Juice titelt auf ihrem Cover "Jay-Z – Boss Of All Bosses“ und das XXL Magazine fragt in seiner Oktober Ausgabe "Is Jay-Z Bigger Than Hip-Hop?“. Zwar gab es in der Zwischenzeit ein etwas bemühtes "Blueprint 2" Album, mehrere Rücktritte und Rücktritte von  den Rücktritten und das etwas absurde Erlebnis einer Jay-Z Show auf dem splash!-Festival 2008. Wenn man die Hintergründe kennt und die überzogenen Anforderungen, die den Festivalmachern da diktiert wurden, dann kommt man schnell an den Punkt, wo man an den Relationen zweifeln möchte. Ich meine: "Hey. Er rappt doch nur. Oder?

Aber genau das ist das Ding. Jay-Z rappt einfach nur und es hört sich an, als würde er es sogar sehr gerne tun. Jay-Z macht was er will. Er ist der Künstler und er nimmt sich die Freiheit. Das ist weniger als andere machen, die sich verzweifelt nach neuen Ideen strecken und unbedingt etwas sein wollen. Jay-Z braucht das nicht. Jay-Z IST.

Wenn "The Blueprint 3" mit dem Song "What We Talkin’About“ startet, dann wird eigentlich alles schon gesagt. Um was geht es eigentlich? “I’m talkin‘ bout real shit Dem people playin‘
What is you talkin‘ bout I don’t know what y’all sayin’/ People keep talkin‘ bout Hov take it back/ I’m doin‘ better than before. Why would I do that?
” und noch mehr auf den Punkt gebracht: “Yeah Yeah What we talkin‘ bout real shit? Or we talkin‘ bout rhymes/ You talkin‘ bout millions Or you talking‘ bout mine”.

Das ist der Schritt zurück, um das große Ganze mal zu betrachten, das man bei der ganzen Angeberei gerne mal sieht, einfach auch weil man sich freut, dass der Flow stimmt, die Silben sitzen und jede Zeile puncht. Das sind die Momente, wo man wieder weiß, warum man Rap mag. Warum ICH Rap mag – Immer noch.

Das Album ist nicht durchgehend Bombe. Das sehr prominente "Empire State Of Mind“ mit Alicia Keys finde ich zum Beispiel langweilig, das Ding mit J. Cole auch. Irgendwie so Rn’B Gedudel. Das sehr kräftige "Run This Town“ mit Rihanna und Kanye West finde ich dafür umso geiler und ich freue mich, wenn sich die Ex von Chris Brown hier die Seele aus dem Leib singt, so richtig mit der ganzen Kraft ihrer Lungen. "D.O.A." klingt zurecht und echt wütend und es ist lustig, sich vorzustellen, dass ein Multimillionär eines morgens aufwacht und sich sagt: "So Freunde. Jetzt reicht’s mir aber mit dieser ganzen Autotunescheiße. Das regt mich echt auf. Ich mach da jetzt einen Song dagegen. Ihr Wichser.“ Dann ruft er seinen alten Kumpel Kanye "Autotune“ West an, fährt ins Studio und recordet diesen Song. So mit richtig Verärgerung in der Stimme.

Apropos Kanye. Herr West zeichnet sich auf diesem Album ja als Co-Executive Producer aus und ist somit für die Soundästhetik verantwortlich. Im letzten Jahr fiel er bei Teilen der Hip Hop Gemeinde in Ungnade mit seinem Album und oder mit seinem Kleider- und Lifestyle. Auf "Blueprint 3" beweist der Mann aus Chicago meiner Meinung nach, dass er trotz aller Schelte zur Gegenwart und Zukunft von Hip Hop gehört. Das ist komplizierte Musik, die selbstverständlich und natürlich klingt. Das ist Minimalsound, der an den richtigen Stellen den Bombast rauslässt und vor allem ist das Hip Hop Sound, wie er 2009 klingen kann, ohne zwanghaft nach neuen Einflüssen schielen zu müssen. Die Einflüsse sind da. Ganz selbstverständlich. Wie schon immer im Hip Hop.   

Real As Its Get” mit Young Jeezy, “On To The Next One” feat. Swizz Beats, “Off That” feat. Drake, "Already Home“ mit Kid Cudi oder das minimale "Hate“ mit wiederum Kanye sind zwar ziemlich viele Features aber eben auch Rap Songs, die man einfach mal so trinken kann, wie frisches Wasser. Es gibt Dinge, die sind so einfach, dass man manchmal ganz vergisst, wie einfach es sein könnte. Pellkartoffeln mit Butter und Salz zum Beispiel. Küssen und Streicheln oder Beats and Rhymes. Großartig.

"Venus vs Mars“ klingt stark nach LL Cool J’s "Doin It“ aber nach so langer Zeit darf auch so was mal wieder sein, auch wenn ich mich frage, was die gute Beyonce zu den Sexfantasien ihres Mannes sagt, oder dreht es sich beim "Shorty“ tatsächlich um Frau Carter geborene Knowles? Dann möchte ich’s eigentlich nicht wissen. Das ist mir zu intim.

Kommen wir zum Höhepunkt des Albums, der definitiv mit dem Alphaville/Bushido/Karell Gott Cover "Young Forever“ erreicht wird. Manche kotzen. Ich feiere. Einfach weil ich eine Pop-Sau bin und mir so was gefällt. In Gefühlen und großen Melodien schwelgen. Super.
Und deshalb: "Für immer Punk, will ich sein – Für immer Punk!“ (Die goldenen Zitronen)

Punk’s not dead und Rap eben auch nicht! Das ist schön.

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