Cocaine Cowboys 2 – Hustlin‘ With The Godmother

Es ist nicht ungewöhnlich, dass gerade Personen besonders faszinierend sind, die nicht nur Erstaunliches, sondern auch unfassbar Grausames getan haben. Griselda Blanco, Führerin des kolumbianischen Medellin-Drogenkartells in den USA und wohl eine der spektakulärsten Personen in der Geschichte des Kokainhandels, wird nach ihrem Tod sicherlich als eine der blutrünstigsten und erfolgreichsten Verbrecherinnen der Menschheit in die Geschichte eingehen. In ihren Hoch-Zeiten arbeiteten rund tausend Menschen, unter anderem Dealer und Auftragskiller, für die Multimilliardärin, die rund 1,5 Tonnen Kokain schmuggelte und bis zu 80 Millionen Dollar erwirtschaftete – im Monat. Kein Wunder also, dass die Dokumentationsfilmer, die sich im ersten Teil der "Cocaine Cowboys“-Reportagenreihe mit den Drogenkriegen in Miami und deren Auswirkung auf die wirtschaftliche Lage der Stadt beschäftigten, die Fortsetzung der "Godmother“ selbst widmeten.

Untermalt von Rapmusik wird ein leicht zu konsumierendes Bild einer außergewöhnlichen wie abstoßenden Frau gezeichnet, die es vom kolumbianischen Slum-Kind, das seinen ersten Mord mit Elf Jahren beging, über eine zur Prostituion gezwungene Jugendliche, bis hin zur allseits gefürchteten aber auch verehrten Herrscherin der US-amerikanischen Drogenszene schaffte. Erzählt wird ihre Geschichte mithilfe eines Menschen, der nicht nur ihr Lebensabschnittspartner und Vertrauter, sondern auch Geschäftspartner war: Charles Cosby. Das vermeintliche "Monster“, das wohl für über 200 Morde verantwortlich ist, wird also von verschiedenen Seiten beleuchtet. Geliebte, mehrfache Mutter, Ehefrau, sadistische und eiskalte Kartell-Chefin, die selbst vor Kindern und Schwangeren nicht Halt machte.

Statt wichtige Szenen, wie oftmals üblich, einfach nur nach zu stellen, werden hier komplexere Handlungsabläufe als eine Art Zeichentrickfilm dargestellt, die in ihrer Ästhetik sehr an den ebenfalls Hip Hop affinen "Afro Samurai“ erinnern. Das lockert die gesamte Geschichte zwar deutlich auf und nimmt den mitunter etwas drögen Erzählungen ihre Längen, andererseits wird damit auch die absolut irreale Grausamkeit ästhetisiert und verharmlosend dargestellt. Ob das die Intention der Macher war, wage ich zu bezweifeln.

Beschäftigte sich der erste Teil also mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Kokainbusiness auf die Vereinigten Staaten im Allgemeinen und Miami im Besonderen, fokussiert sich der Zweite allein auf eine der schillerndsten und erfolgreichsten Personen in diesem Business. Einer Frau, die Gewalt nicht nur als notwendigen Teil ihres Geschäfts betrachtete, sondern viel mehr als Demonstration der eigenen Macht und als Lösung persönlicher Differenzen. Schlußendlich war es auch das, was Griselda Blanco das Genick brach und sie für ihre eigenen Leute nicht mehr tragbar machte.

Die mittlerweile fast 66-Jährige verlor drei ihrer vier Söhne im Drogengeschäft. Sie selbst wurde nach einem mehrjährigen Gefängnisaufenthalt nach Kolumbien abgeschoben. Der Prozess, der ihr die Todesstrafe bescheren sollte, platzte.

Den Trailer zu "Cocaine Cowboys 2 – Hustlin‘ With The Godmother" könnt ihr euch hier angucken:

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