Zwang und Wire – Zwang und Wire – Rückendeckung

Der Südberliner Maintheme-Artist hat zusammen mit seinem Stammproduzenten Wire ein Kollaboalbum namens "Rückendeckung“ gemacht. Dieselbige bekommt er von seinen Labelkollegen She-Raw, Serk und König Quasi sowie anderen mehr oder weniger großen Größen wie G-Hot, King Orgasmus One, Fernandez und Sha-Karl. Und zusammen mit denen liefert er einen "dunkel-gothischen Sound ab, der hier und da von positiv-verrückten, funky-groovenden und lebensbejahenden Stimmungen durchbrochen wird“. Aha. Okay, soweit beigelegte Infozettel vom Label. Das Intro vermittelt dann einen Eindruck, wie das mit dem gothischen Sound gemeint ist, alles sehr episch und Halleffekte in den Vokals. Wie in einer Kathedrale. Zwang ist zurück wie "der deutsche Wolf“ und "macht Welle wie ein Wal.“ Danach folgt "KlatschKlatsch“ und "Musik“, ersteres ein klassischer Representer-Track, gut gereimt, guter Beat, nichts zu meckern. "Musik“ beschwört die stressmildernde Wirkung von Musik, das ist zwar richtig, aber man hat es schon mal gehört. Der nächste Track featured den Ex-Aggro Berliner G-Hot, der mit etwas kruden Rachefantasien aufwartet: "(…)Ich hab’s nicht vergessen, was du damals getan hast/wart’s ab, irgendwann wisch ich mit deinem Gesicht meinen Arsch ab(…)“.
Das wirft dann auch ein ganz neues Licht auf dessen Fundamentalisten-Party-Hymne "Keine Toleranz“.

Track 5 heißt "Kopf durch die Wand“ und ist so ein "Kopf hoch“-Track, bei dem vor allem der sehr gute Beat besticht. Die Lyrics  sind hier nicht schlecht, aber revolutionäres Gedankengut findet man leider nicht. Dasselbe lässt sich auch bei den nächsten Tracks sagen, erst der achte Track lässt wieder aufhorchen. Zwang berichtet von seinem bisherigen Werdegang,  über erste Sessions und Konzerte bis zu Niederlagen die anscheinend "Hatern und Neidern“ geschuldet sind. Ab Track 10, der King Orgasmus One featured kommt dann auch Schwung in die Sache. Zwar ist die Thematik "Nutten, Party, Kokain“ ein wenig ausgereizt, aber King Orgasmus One amüsiert durch seine arrogante Attitüde und seine Auffassug von Romantik:
"(…)Heute wird’s romantisch/
Gleitcreme auf mein’ Nachtisch
(…)"

Den absoluten Höhepunkt des Albums stellt der Partytrack "Berliner Nächte“ dar: Gut ausgesuchtes Sprachsample am Anfang, extrem kranker elektroider Quietschbeat und in der Hookline werden dann noch die Gebrüder Blattschuss zitiert. Dieses Lied kann problemlos als Soundtrack für eine "Sehr-Viel-Sternburg-Rückspiegel-Abtreten-Auf-Autos-Rumspringen-GESA“
-Tour genutzt werden. Und das ist gut!

Die letzten Tracks überzeugen vor allem durch die wirklich guten Beats von Wire. Vor allem auf "Rede nicht“ und "Gegen die Wand“ lässt er den geneigten Hörer an seinem Können teilhaben, die Tracks sind außerdem extrem gut abgemischt, allerdings hätte man hier auch auf Zwang verzichten können, weil dieser nichts Neues zu sagen hat.

Als Fazit lässt sich sagen, das Zwang zwar kein schlechter Rapper ist, aber eben auch keiner der besonders polarisiert oder Lust auf mehr weckt. Die Themengebiete, auf denen sich der Südberliner bewegt, sind allesamt eher altbacken und wirklich aufschlussreiches findet man  leider kaum.  Und das ist bei 53 Minuten Laufzeit einfach zu wenig.

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