Grandmaster Flash – The Bridge – Concept Of A Culture

Als mir diese CD in die Hände gedrückt wurde, erfüllte es mich zunächst eher mit Erfurcht, die neue Platte des Godfathers of DJing besprechen zu dürfen. Ganz in des Producers Manier (dieser macht den Finalcheck seiner Produktionen immer in seinem Auto), setzte ich mich in meinen Fiesta, um die CD zum ersten Mal zuhören. Doch die alten Blaupunktboxen meines Fords konnten nicht im Ansatz diesen vollen Klang wiedergeben, also begab ich mich ins Homestudio eines befreundeten Produzenten, um mir den Sound richtig um die Ohren blasen zu lassen und einen Eindruck zu gewinnen.

Nun ist es so, dass bei den meisten Künstlern dieser Größenordnung der Grat zwischen Geniestreich und einfallslosem Griff ins Klo, ein wahnsinnig schmaler ist. Nach 21 Jahren das erste Album – da liegt die Messlatte weit oben und die Erwartungen sind groß.

Man wird nicht enttäuscht. Zumindest nicht ander Oberfläche. Das Album, das von Strutrecords/K7 heraus gebracht wurde, beinhaltet 19 Tracks, wobei jeder einzelne eine ganz andere Seite des Hip Hop repräsentiert. Die Palette an musikalischer Vielfalt reicht von Oldschool  über Now- Next- hin zur Newschool, von gechillten Tracks, mit denen man perfekt  auch im Ford Fiesta cruisen kann, bis hin zu energetischen Breakerbeats für die Breaker.
Dann gibt es noch die obligatorischen poppigen aber eher flachen Clubsongs, und die wiederum  jazzigen Titeln mit tiefen Bässen. Grandmaster Flash beschreibt die Platte selber als ein Kaleidoskop der Hip Hop Welten und genau das ist es auch.

Da dieses enorme musikalische Spektrum geliefert wird, kann einem im Umkehrschluss nicht jeder Song gefallen. Was man aber nicht kritisieren kann, ist, der überaus transparente Sound, die Dynamik der Produktion und die konstante Qualität von Track zu Track. Die Rapgrößen dieser Welt geben sich die Klinke in die Hand und man kann erahnen, warum das Ganze so lange gedauert hat. Künstler wie KRS-One, Q-Tip, Busta Rhymes, Snoop Dogg, Big Daddy Kane, Mr. Cheeks oder Red Café geben etwas zum Besten und holen auch das Beste aus sich heraus, und man hat den Eindruck, dass sich jeder geehrt fühlte, an diesem Projekt mitwirken zu dürfen.

Songs die mir aufgrund ihrer Oldschool-Nuance besonders gut gefallen haben, sind “Tribute To The Breakdancer“, “We Speak Hip Hop“, “Can I Take You Higher?“ und ”Those Chix”. Es handelt sich dabei um sehr tanzbare und auf extrem hohen Niveau produzierte Beats, die mich in eine Zeit zurück versetzen, die ich zwar nicht kenne, aber gerne erlebt haben hätte können, oder so.

Auf der andere Seite war ich von Tracks wie “Swagger“, “Grown&Sexy“ und “Unpredicteble“ sehr enttäuscht, da sie sich als eintöniger, inhaltsloser, langweiliger Popdreck erwiesen haben. Zudem erwarte ich von einem Gründervater des Hip Hop einfach keine derart kommerziell anmutenden Pop-Songs, das hat mich… ehrlich gesagt geschockt.

Glücklicherweise wurde ich durch die DJ Skills wieder aufgefangen, die der Hauptdarsteller eindrucksvoll in Songs wie “Zuka the Sound und “Here Comes My DJ“ unter Beweis stellt. Bei seinen Cuts, Rubs, Backspins und Zuka Zukas wurde Flash übrigens ausschließlich von DJ Demo unterstützt.

Abschließend kann man sagen, dass es sich zwar um eine extrem engagiert erarbeitete Platte handelt auf der des Meisters Liebe und Passion zur Musik ganz deutlich zum Ausdruck kommt.
Aber um den Bogen zum Anfang des Textes herzustellen: The Bridge ist keines von beiden. Weder ist es ein Flop noch ist es ein grandioses Meisterwerk.
Dafür fehlt dann doch der rote Faden und ein bisschen ist das Album wie das Kaladeiskop vom Kiosk an der Ecke, das eben nicht aus geschliffenem, bunten Glas besteht, sondern aus Plastik.
Spaß macht es trotzdem. 

 

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