Hezekiah – I Predict A Riot

Hezekiah, benannt nach dem jüdischen König Ezekias (hebräisch für „der, den Gott gestärkt hat“), ist aus Philadelphia und vor allem in der Hip Hop Szene der Stadt kein Unbekannter. Das zeigt schon die Liste der Leute, mit denen er bereits das Vergnügen hatte zu arbeiten. Vor allem als Producer hatte er schon mit The Roots, Bahamadia, Grand Agent und Beanie Sigel zu tun, um nur einige zu nennen. Aber er ist auch MC und in beiden Rollen kann man ihn auf seinem neuen Album „I Predict A Riot“ erleben. Er wird hier zum Alleinunterhalter, hat den Großteil selbst produziert und komponiert. Es gibt zwar Features (z.B. von Bilal oder Freeway), aber das sind nur Sahnehäubchen, denn auch als MC könnte dieser Kerl das ganze Album alleine bestreiten, ohne langweilig zu werden.

Dieses Album ist etwas Besonderes, das hört man schon im Intro: eine Frauenstimme (eine gewisse Muhsinah) singt „This is the beginning of something you’ve never heard…“ und legt seidig-warme Gesangsflächen drunter. Die Aufmerksamkeit des Hörers ist gesichert. Wenn der Beat einsetzt, ist klar, wo es langgeht. Dope Dilla Drums schallen aus den Boxen und man will sich gar nicht ausmalen, wie verhaltensgestört es aussehen kann, wenn jemand zu so einem Beat mit dem Kopf, nein mit dem ganzen Körper wippt. Aber was will man machen? Auch Hezekiahs Raps erinnern in den ersten Zeilen stark an den verstorbenen Großmeister, aber nur anfangs. Die Marschroute ist klar. Da hat jemand wirklich verstanden, wie es geht. Das Paradoxe an diesem Album ist, dass es unglaublich unkonventionell ist, aber nie abstrakt wird, nie das Gefühl aufkommt, hier wurde rumexperimentiert – vieles ist so vertraut und dann doch wieder so ungewöhnlich. Sind die Harmonieinstrumente (wie Gitarre, Klavier oder Rhodes) mal auf altbekannte Weise soulig-poppig, hört man plötzlich, dass das Drumprogramming absolut abgefreakt ist, rhythmisch komplex und/oder abgedreht gemixt. Die Musik ist ständig im Gleichgewicht zwischen Progressivität und guter alter MPC-HipHop-Tradition. So hört man hier mal eine Hook ohne Beat, da live eingespielte Saxophone, irgendwo im Hintergrund afrikanische Gesänge, gepaart mit verzerrter Gitarre und Streichern – alles scheint möglich. Und es ist dabei alles stimmig, nie hat man das Gefühl sagen zu müssen „Oh man, das ist zu viel…“

Alles in allem also endlich mal wieder ein Album, das man wirklich von vorne bis hinten durchhören kann, ohne Totalausfälle oder Albumfüller.
Dennoch sind ein paar Tracks hervorzuheben. Da wäre erst mal „Looking Up“ mit Bilal, den man schon lange nicht mehr so gut gehört hat, und gehört hat man ihn viel, ist er doch gern gesehener Feature-Gast bei fast allen aus dem HipHop/RnB Business, die was auf sich halten. Hier läuft er zur Topform auf, serviert Hezekiah eine beispiellos soulige Hook und die von ihm gewohnte Vokalakrobatik auf einem unglaublich entspannten Beat, der ständig droht auseinanderzufallen, weil alle Instrumente außer den Drums timingmäßig sehr weit hinten sind. Aber der Kopf wippt mehr denn je.
Das gilt auch für “Let’s Get Involved“, wo es der Bass ist, der kaum hinterherkommt, wo sich verschiedene Timingebenen sogar überlagern – genial, selten gehört so was!
Richtig krank wird es bei „Bombs Over Here“, ein Track, der praktisch eine Live Band featured, mit Bläsern und allem was dazugehört. Wenig Platz nimmt hier Hezekiah mit seiner irgendwo zwischen Spoken Word und Gesang liegenden Perfomance ein. Stellt sich in den Hintergrund und feiert „seine“ Band.
Wenn es so etwas wie einen Höhepunkt auf dieser Platte gibt, dann wäre das vielleicht „I See Yaw“ mit der hervorragenden Jaguar Wright. Der Track ist ein Zwitterwesen zwischen elegischer Ballade, mit dramatischen Streichern, schönen Klavierklängen und einem wieder unglaublich bangenden Drumgroove, der wahnwitzig nach vorne geht. Man spürt eine alles einnehmende Intensität, die spätestens bei der gesungenen Hook (die beide, Hezekiah und J. Wright so überzeugend darbringen, dass man Gänsehaut bekommt), voll zur Geltung kommt.  
Textlich reicht das Ganze in bester Backpack-Manier von Kritik am Musikbiz, den Labels, der Gesellschaft allgemein, über den Kampf des Lebens, darüber dass man immer wieder aufstehen und kämpfen muss, bis hin zu verflossenen Beziehungen – teils positiv („Single Now“), teils wehmütig („Let’s Get Involved“). Alles in allem sehr lebensbejahend und motivierend, wie in „Gotta Love It“, wo es heißt: „Gotta love it / gotta live it / just be patient / gotta keep on pushing on“, unterstützt vom hymnischen, versöhnenden Charakter des Songs. Man ahnt das Große und Ganze hinter dem Geheimnis Leben.

Hier also eine ausdrückliche Kaufempfehlung für alle, die gerne und viel mit dem Kopf wippen  – und dabei noch Ansprüche an Inhalte haben. Das hier geht unter die Haut und fährt in den Körper. Und wenn die CD zu Ende ist, einfach wieder auf Play drücken, langweilig wird es garantiert nicht. Denn das ist der  Shit!

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