Queen Latifah – Trav’lin Light

Rapperin, Sängerin und Schauspielerin, Grammy– und Oscarnominierungen, ein Stern auf dem Walk Of Fame in Hollywood (was sonst noch keinem HipHop-Künstler vergönnt war)…was will dieses Multitalent eigentlich noch erreichen? Jetzt also Jazz, jetzt also in die Sphären der (man muss es fast schon so sagen) sogenannten ernsten Musik aufsteigen. Dafür hat sie nichts dem Zufall überlassen. Für ihr neues Album „Trav’lin Light“ hat sie die absolute Oberklasse der amerikanischen  Jazz – und RnB-Szene gewinnen können, die ihr erwartungsgemäß ein sehr feines, edles Produkt lieferten. Namentlich sind es Jerry Hey (der von den 70ern bis heute für alle großen Produktionen – von Frank Sinatra über Elton John bis hin zu Michael Jackson – Arrangements geschrieben hat) und John Clayton (ein so genialer wie vielbeschäftigter Jazzbassist und Arrangeur), die der Queen die passenden Arrangements auf den Leib geschneidert haben.  Diese reichen von großem Big Band Sound bis zu von sanften Gitarrenklängen und luftigen Streichern begleiteten Bossa Nova Nummern.
Die Liste der auf diesem Longplayer mitwirkenden Musiker ist ellenlang, immerhin ist ein ganzes Streichorchester darunter, und es verstecken sich auch bekannte und berüchtigte Namen darunter, wie zum Beispiel George Duke, Joe Sample (beides große Jazzpianisten), Christian McBride (Bassist u.a. bei Sting) und der großartige Stevie Wonder, der ein herrliches Mundharmonikasolo beisteuert.

Das Repertoire besteht aus bodenständigem, typisch amerikanischem Liedgut, zum Teil dem „Great American Songbook“ (in dem alle Evergreens, Jazzstandards, bekannte Broadwayklassiker etc. zusammengefasst sind) entnommen, aber auch eher unbekannten Songs von Nina Simone, Curtis Mayfield und sogar 10cc, denen sie neues Leben einhaucht.
Es ist also ein Album entstanden, das nichts mehr mit der alten Gangsterbraut Latifah zu tun hat, sondern vielmehr mit der „Sophisticated Lady“ Latifah, die hier einmal mehr beweist, was für eine großartige Sängerin sie ist. Ihre Stimme ist glasklar, mit einem leicht rauchigen Timbre und reiht sich ein in die Tradition der großen Jazzsängerinnen wie Ella Fitzgerald oder Billie Holiday; ihr Gesang ist relativ schnörkellos (im Vergleich zu einer Beyoncé oder einer Christina Aguilera, die das Ohr zuweilen überstrapazieren), so dass man über die gesamte Albumlänge entspannt lauschen möchte und trotzdem hier und da sehr berührt wird davon, weil es authentisch ist und sie meint was sie singt.
Höhepunkte sind meiner Meinung nach das schon oben erwähnte 10cc-Cover „I’m Not In Love“, unglaublich geschmackvoll arrangiert, mit großem Sound, vielleicht nicht jedes Klischee auslassend, aber dennoch anrührend. Einen ganz eigenen Charme besitzen „What Love Has Joined Together“ (im Original von Smokey Robinson), sowie auch „How Long“, ein Klassiker der Pointer Sisters, zwei Titel, auf denen eine unglaubliche Energie vom Backgroundchor ausgeht, der es einem ein ums andere Mal eiskalt den Rücken runterlaufen lässt.

Nochmal ist hervorzuheben, dass das Werk durch seine unfassbar professionelle Produktion besticht. Arrangements, Perfomance, Sound Engineering, Mastering – hier stimmt einfach alles. Allenfalls geschmacklich ist der ein oder andere Titel, die ein oder andere Passage streitbar. Aber das ist ja schließlich Geschmacksache.
Klar ist also: es ist kein Hip Hop Album, es ist kein Album zum Abtanzen, aber wer mal etwas Abwechslung sucht und einfach schöner Musik an einem entspannten Abend zuhören möchte, ist hier an der richtigen Adresse. Denn das hier ist allerbeste Qualität.
 
 

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