Maxeel – Paradies

Schon seit einiger Zeit hat sich angedeutet, dass Deutschlands Rapmusik der aus den Staaten in einer sehr positiven Art und Weise folgen wird. Denn die Grenzen zwischen Backpack-, Battle-, Straßen- und was-weiß-ich-Rap lösen sich langsam aber stetig auf. In den Staaten ist derweil alles einfach Rap. Da sind Gangster auch nachdenklich, selbst- und sozialkritisch, während der sogenannte Consciouss-Rap auch partymäßig mächtig auf die Kacke hauen kann. Drüben hat fast keiner ’nen Stock im Arsch. Dort ist alles schlicht und ergreifend Rap-Musik.

In Deutschland fängt dieser Trend sich ebenfalls zu etablieren an. Einige finden es zwar noch immer sinnvoll "Rucksackrapper" zu dissen, während eben diese das Gangstertum schelten etc., doch allgemein kann man sagen, die 95er Zeigefinger und die 05er Auf-die-Fresse-Rapper fangen an sich zu versöhnen und der Nachwuchs schickt sich an aus Beidem das Beste herauszufiltern. Einer davon ist Maxeel mit seinem Album "Paradies". Offensichtlichster Beleg dafür sind die beiden unterschiedlichen Features Caput (Optik Army) und Tyron Ricketts (Mellowbag).

Die zwanzig Songs strotzen vor thematischer Offenheit. Clubsongs, Storytelling, Straßenhustle, Konzeptsongs, Battle-Representer, Sozialkritik, alles kann man auf diesem Album finden. Ob er in all diesen Disziplinen die notwendige Glaubwürdigkeit mitbringt, ist eine andere Sache, aber die Vielfalt ist schon enorm. Zur Beruhigung der Gemüter: Ja, er ist glaubwürdig, größtenteils zumindest. Wo genau nicht, kann ich gar nicht wirklich sagen. Wahrscheinlich überall ein bißchen. Vielleicht wirkt es auf mich aber einfach auch noch befremdlich, dass ein Deutschrapper tatsächlich so offen ist.

Und bevor sich alle das Wichtigste fragen: Ja, rappen kann der Mann. Auf jedem Track bringt er eine solide Vorstellung, der auf Albumlänge zwar Variationen in Technik und Betonung etwas abgehen, aber für ein Erstlingswerk nicht weiter ins Gewicht fallen sollen. Was mich stört sind die vielen Shoutouts zu Beginn und am Ende der Songs, in denen reichlich Staatenrapper-like gewhooooot und gepeacet wird, was einfach überflüssig ist.

Insgesamt ist das Album aber ein interessantes Erstlingswerk geworden, dass Lust auf mehr macht. Technisch und stimmlich bedarf Maxeel jedoch noch einer Weiterentwicklung. Ein Extra-Lob bekommt die mutige thematische Offenheit des Rappers, die mich in ihrer Natürlichkeit beeindruckt und mir gleichzeitig trotzdem etwas suspekt ist.

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