Madlib – Beatkonducta in India

Es ist durchaus ein seltenes Ereignis, wenn Madlib ein Soloalbum veröffentlicht. Er hat etliche Kollaborationen abgeliefert darunter natürlich Lootpack, mit Wild Child und DJ Romes, Jaylib, mit dem verstorbenen J. Dilla, oder das Madvillian Projekt gemeinsam mit MF Doom. Solo ist er nicht weniger aktiv, gibt sich dabei jedoch kaum als Madlib zu erkennen. Als Mc ist er eigentlich bisher nur mit seiner bösen Hälfte Quasimoto unterwegs gewesen, der mit hochgepitchter Stimme rappt. Als Yesterday´s New Quintet veröffentlicht Madlib eine Mischung aus Electro und Jazz und lässt das Ganze aussehen wie eine fünfköpfige Band, die in Wirklichkeit natürlich nur aus ihm besteht und dann gibt es da noch DJ Rels, die bisher am wenigsten beachtete Personifizierung des Kaliforniers. Unter diesem Namen veröffentlicht er Breakbeats und Big Beat. Auf eine reine Rapplatte, auf der nur der Name Madlib steht warten seine Fans bisher noch vergeblich. Angeblich hört der Produzent sich selbst nur sehr ungern rappen. Wenden wir uns deshalb also dem zu, was Madlib am besten beherrscht: die Beats. Nach den ersten beiden Teilen der Beat Konducta Serie gibt es jetzt „Beat Konducta Vol.3-4: In India.“ Thema der Platte also Indien, was aber auf keinen Fall bedeutet, dass hier ein völlig Rap- ferner Bollywood Soundtrack zusammengeschraubt wurde. Madlib ist es hier außerdem gelungen nicht in seine, fast schon berüchtigten, Samplespielereien zu verfallen und die Musik damit zu überladen, in diesem Fall ein definitiver Gewinn für den Hörer. Ich weiß nicht, ob es an den Samplegrundlagen liegt, oder ob Madlib aus der Vergangenheit gelernt hat, aber die Sachen werden erstaunlich funky, die Beats sind richtig fett und teilweise tatsächlich Tanzbar. Bei 34 Stücken ist es hier schon allein aus Platzgründen gar nicht möglich jeden Beat einzeln zu besprechen und die Stücke sind auch in ihrer Länge zum Großteil eher auf zwei Minuten oder weniger reduziert worden, passen also gar nicht in das eigentliche Songschema von drei bis vier Minuten. Zur Orientierungshilfe sollen einige High- und Low-Lights dann trotzdem kurz angesprochen werden.
„Raw Tranquility Part.3“
finde ich anfangs ganz schön anstrengend. Aber es bleibt zum Glück nicht so und mit den Tracks „Onthanewthing“, „Indian Deli“, „The Rumble“ und „Dancing Girls Theme“ kristallisiert sich schnell der musikalische Kern des Albums heraus. Bei „The Rumble“ kann man auch die indischen Samplequellen am deutlichsten hören. „Early Party“ ist zwar definitiv kein schlechter Song, aber für einen Virtuosen wie Madlib klingt mir das hier nach zu wenig. „The Rip Off (Scene 3)“ ist dagegen schon wieder auf ganzer Linie gelungen und ich würde mir wünschen, dass das Stück länger geht als nur etwas mehr als eine Minute. Im hinteren Teil des Albums gibt es dann für alle eine große Überraschung: „Club Scene“ ist genau das, harte Club-Mucke. Aber welcher Kenner der alten Produktionen hätte gedacht, dass Madlib mal so ein Teil raus haut und es auch noch funktioniert. „Malfunction“ wiederum hätte er sich meinetwegen schenken können. Kurz vor Ende legt Madlib den „Main Title“, bei dem dann alles stimmt, Beat und Sampleauswahl. Ein gelungener Abschluss.

„Beat Konducta Vol.3-4: In India“
ist ein absolut interessantes Album von einem immer wieder interessanten Künstler. Es hat einige Höhen, aber auch Tiefen. Madlib trifft nicht mit jedem Beat ins Schwarze. Seine Musik ist aber an vielen Stellen durchaus zugänglicher geworden, als seine sehr jazz-lastigen Projekte der letzten Jahre. Was in nächster Zeit besonders spannend wird, ist ob einige der Beats aus diesem Album auf kommenden Stones Throw Projekten platziert werden und wie die Mcs mit der musikalischen Grundlage zurecht kommen. 

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