Rich Boy – Rich Boy

Wie schnell sich das Blatt wenden kann, bekam Alabama-Native Rich Boy vor garnicht allzu langer Zeit am eigenen Leib zu spüren. Eben noch krampfhaft darum bemüht, einen Hype im Musik-Business zu kreieren, im nächsten Moment schon in den Billboard Top 20. Obgleich er schon vor zwei Jahren durch seine beeindruckende erste Single "Get To Poppin" auf sich aufmerksam machte, brauchte es ein solides Beatgerüst von In-House-Producer Polow Da Don und ein paar verschollen geglaubter Felgensätze um jenen riesen Hype loszutreten ("Throw Some D’s"). Gerechtfertig? Haben die Amerikaner ABC-Waffen im Irak gefunden?

Rich Boy, College-Abbrecher und Hobby-Produzent, wurde von Polow Da Don im Jahre 2003 erstmals zum Rappen animiert. Dies tut er nun auf vollen 16 Songs seines Debüts mit dem bezeichnenden Titel "Rich Boy". Das der nächste Messias des Rap nicht aus Alabama kommen dürfte, machte Rich Boy schon auf "Throw Some D’s" klar. Die Intonation des jungen Mannes mag sich stark gegenüber der Konkurrenz differenzieren, was nicht automatisch mit dem Siegel "positiv" einhergeht. Zumal sich seine lyrischen Vorstöße eher schmächtig als wohlgenährt zeichnen. Swagger? Nicht wirklich…

Ein herausragendes Beispiel für gutes Zusammenspiel von Stimme, Beat & Flow bietet das von Brian Kidd (Ex-Co-Produzent von Timbaland) produzierte "Get To Poppin", dass jedoch im Remix mit Pitbull noch stärker ist. Auch Keri Hilson (ebenfalls aus Timbo’s Camp) und Polow Da Don wissen "Good Things" zu bereichern, während Rich Boy doch etwas unbeholfen seine Angebetete in seinen Bann ziehen will ("I got you what you wanted and it wasn’t even your birthday"). Großen Spaß macht aber vor allen Dingen das stark dezimierte, simple "Boy Looka Here". Keine Schnörkeleien, kein übermässiges Getöse und viel Platz für Rich Boy, um ein bisschen Boden gut zu machen.

"Touch That Ass" hingegen fährt wieder Minuspunkte ein. Für den Stripclub auch nur minimal geeignet, da es einfach zu sehr anstrengt und wirklich nichts Interessantes – aber auch rein garnichts – passiert. Emotionaler soll es dann auf "Ghetto Rich" mit John Legend zugehen und wahrlich – Rich Boy legt seine Gefühle offen und beschreibt das Ghettotreiben. John Legend in der Hook, Polow Da Don mit einem düsteren Beat – Endergebnis eher mittelmäßig.

Mühe hat man sich beim Debüt schon gegeben aber irgendwie ist es oft entweder zu übermotiviert "And I Love You" (auf dem Rich Boy neben Pastor Troy & Big Boi wenig Land sieht) oder unpassend "Gangsta" (die G-Unit will Needlz‚ Beats wohl nicht mehr). Ein Lichtblick bleibt noch mit Timbo’s Entdeckung Attitude, der "Role Models" wenigstens flowtechnisch vor der Bedeutungslosigkeit retttet.

Zum Schutz sollte noch angeführt werden, dass Rich Boy als Newcomer durchgeht und es schon weitaus schlechtere Debüts in letzter Zeit gegeben hat. Aber Klassiker hören sich auf jeden Fall anders an.

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