Benny Kill – Partys Sex Elektrobeats

Ein Titel wie "Partys Sex Elektobeats" lässt ja von vornherein darauf schließen, dass es sich hierbei nicht unbedingt um ein normkonformes HipHop-Album handelt Und wahrlich – das ist es auch nicht!

Gemeinsam mit seinem Produzenten wickedRokka hat der Wahlruhrpottler Benny Kill eine Richtung eingeschlagen, die mir bis dato so im deutschen HipHop noch nicht bekannt war. wickedRokka, der seine musikalische Heimat eher in der Elektroszene situiert sieht, hat dementsprechend eher auf Beats jenseits der 130 Bpm-Marke gesetzt und Benny Kill somit die Möglichkeit eröffnet, seine Inspiration aus vergangenen 2 Live-Crew-Zeiten zu schöpfen – vor allen Dingen textlich. Das kennt man ja schon von Berlinern a la Frauenarzt oder Orgi 69.

Mit Berlin kann sich Benny nicht unbedingt identifizieren und erhebt enorme Einsprüche gegen Tendenzen, die ihn, ohne sein musikalisches Werk vormals unter Betracht genommen zu haben, in diese Ecke drängen möchten ("Ich bin kein Berliner"). Das sein Barrio jedoch auch Einiges an Gewalt und sozialen Missständen aufzuweisen hat, verkündet er auf "Anarchie (Feat. Ammo One)", wo es unter Anderem heißt: "Rapper glauben, sie sind Gangster doch kommen nicht in meinen Bezirk / wo dich Zwölfjährige klatschen und dich treten bis du stirbst!" Image? Realness? Jedenfalls gibt Benny offen zu, dass er lieber ein paar Euro’s in einem Bordell lässt und dafür Arbeitsaufwand und Stress spart ("Nuttenhymne"). Da trifft es sich für ihn doch ganz gut, dass sein Album von einem Nachtclub gesponsert wird. Geht dann wohl auf’s Haus, wa?

Alles in Allem erinnert der Sound von "Partys Sex Elektrobeatz" doch eher an die frühen 90iger, als EuroDance bzw. SoftTechno den Mainstream bestimmt haben. So basiert "Teenies" beispielsweise auf Salt’n Pepa’s "Push It"-Melodie – allerdings etwas technoider. "Besoffene Schlampen" imitiert Snap’s "Rhythm Is A Dancer" und auch der oftmals geschundene Mark’Oh findet auf "Hardcoreweib" Verwendung.

Spaß macht das Ganze schon irgendwie, vor Allem die Hooks. Alice Schwarzer wird’s wohl nicht feiern aber mit "Booty Shaken" hat die Frau ohnehin wenig am Hut. Auf Dauer zeichnet sich jedoch Benny’s Flow als arg unflexibel, obgleich man zugestehen muss, dass auf derart aberwitzigen Geschwindigkeiten schwer zu flowen ist. Aber das trennt halt die Spreu vom Weizen. Zum Partymachen reicht es. Ähnlich verhält es sich mit der musikalischen Untermalung. Man muss ja nicht bei jedem Lied die selbe HiHat im selben Takt mitlaufen lassen und Snares kann man auch im Elektobereich variieren. Hier und da wäre auch die ein oder andere druckvollere Bassline sinnvoll gewesen. Aber, wie schon gesagt – zum Party machen reicht es. Nur halt nicht auf Dauer. 

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