Lady Sovereign – Public Warning

Ein neuer Sturm kommt von der Insel zu uns. Nachdem Rapper wie Dizee Rascal, die Mitchell Brothers oder The Streets in den letzten Jahren bereits für jede Menge frischen Wind in der Hip Hop-Szene gesorgt hatten, steht jetzt eine neue Sensation ins Haus. Das besondere ist dieses Mal, dass es sich um eine nur 152cm kleine weiße Frau handelt, Lady Sovereign.
Die gerade mal 21-jährige Londonerin bekam als erste nicht US-Amerikanerin einen Deal beim legendären Label Def Jam, nachdem sie Labelchef Jay-Z mit einem spontanen Freestyle in dessen Büro von ihren Fähigkeiten überzeugt hatte. Die Amerikaner waren auf Lady Sovereign unter anderem deswegen aufmerksam geworden, als sie ihre ersten Songs gefunden hatten, die sie selbstständig online stellte.
Zuletzt veröffentlichte sie über Def Jam das Album "Public Warning".
It´s Officially the biggest midget in the game
rappt S-O-V auf dem Intro zur ersten Single “Love Or Hate Me”.
Der Rest des Albums lässt auch keinen Zweifel an dieser Ansage. Die fehlenden Zentimeter macht Lady Sovereign durch ihr Selbstbewusstsein am Mic locker weck und die Beats liefern ihr dabei einen vortrefflichen Soundtrack um diese Energie entsprechend umzusetzen. Wer sich jedoch bisher noch nicht mit der Hip Hop-Szene im UK auseinander gesetzt hat, muss vorgewarnt werden. Nur weil hier jetzt Def Jam auf der Rückseite der CD steht, heißt noch lange nicht, dass jetzt Rap-Musik im amerikanischen Stil zu erwarten wäre. Der einzigen Gast den sich Lady Sovereign für ihr Album eingeladen hat ist Missy Elliott, die ja auch nicht unbedingt dafür bekannt ist immer innerhalb irgendwelcher festgelegter Genregrenzen zu operieren. Dementsprechend bieten die Instrumentals eine teilweise wilde Mischung aus klassischem Hip Hop, Elektro-Sounds, Rock-Gitarren, Beats und Bässe, die durchaus vom Dancehall entlehnt sein könnten und noch einiges an schrägen Klängen mehr. Diese paart die Lady immer mit ihrem eigenen sehr speziellen Wortwitz (Zum Beispiel I’m that funky little monkey with the tiniest ears. I don’t like drinking fancy champy, I’ll stick wit Heineken beers aus “Love Me Or Hate Me”).
Auf dieser Grundlage serviert S-O-V dem geneigten Zuhörer eine große Palette an Themen.
“Those Were The Days“ ist Lady Sovereigns Erinnerung an ihre Jugend vor ihrer Musikkarriere (we played the first Mortal Kombat on the Sega). 
“My England” ist natürlich ihre persönliche Abrechnung mit ihrer Heimat und auf "9 to 5“ setzt sie sich mit ihrer eigenen Faulheit auseinander. Mein persönliches Highlight des Albums ist der Track "A Little Bit Of Shhh“, Lady Sovereigns Version eines Battle-Tracks. Mit dröhnenden Bässen und dem Powerzwerg, der seine ganze Energie raus lässt könnte das Lied auch als Ersatz für die erste Tasse Morgenkaffe funktionieren. Das einzige deutlich störende Element des Albums ist ausgerechnet der Titeltrack "Public Warning“, der mit seinen an Punk erinnernde Gitarren doch zu stark anders sein will.

Was bleibt also nach 13 Tracks über "Public Warning“ zu sagen? Langweilig wird es definitiv nicht. Große Stärken des Albums sind die schon angesprochene Themenvielfalt und der Wortwitz der Lady. Auch die Beats, sofern man im klassischen Hip Hop-Sinn hier davon sprechen kann, liefern einen äußerst bunten Soundtrack, den man sonst nur selten zu hören bekommt.
Die gewaltige Energie und Aggressivität der kleinen Lady sind leider aber auf Dauer auch ihre größte Schwäche, da es etwas anstrengend wird das Album an einem Stück durchzuhören. Vielleicht hätte sie doch ein oder zwei Gäste auf das Album einladen sollen, um die Spannung des Zuhörers besser halten zu können.
Es wäre sicher auch interessant Lady Sovereign auf ihrem nächsten Album noch mehr auf den eher düsteren Grime-Produktionen zu hören.

 

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