Phrase – Die Straße ist mein – Mixtape

Eigentlich war für mich das Kapitel mittlerweile abgeschlossen. Aber dann kam der zugegeben noch junge Phrase mit seinem "Die Straße ist mein – Mixtape". Und da war sie dann wieder:  Die Sorte Image-Rap, mit der ich schon längst abgeschlossen habe. Der Hannoveraner, der beim Indie Gimme Mo/Liquor Music untergekommen ist, zieht mächtig vom Leder, aber vom Feinsten, wie man in Hamburg sagt. Bei den Kids kommt das offensichtlich nicht so gut an, wenn man den Reaktionen im Internet Glauben schenkt. Auch mir fällt es, ehrlich gesagt, schwer an dieser Mix-CD etwas Positives zu finden: Zu viel Rap-Kliche, zu viel dicke Lippe und gerade für ein new Kid auf’m Block steckt da zu wenig dahinter.

Gleich im ersten Song trägt Phrase dick und vor allem wenig innovativ auf: Chef, Crack, Cadillac, Clack Clack (mit Waffengeräusch), Einschusslöcher, Backpacker, Flexfit-Cap, Homo-G, Gun (gereimt auf "BAMM!!"), Hustler, Don im Biz, und noch einige weitere Begriffe, die man so schon 100 Mal gehört hat, aber nie wirklich hören wollte. OK, Phrase will entertainen und ja, er trifft die Snare. Die ein oder andere Punchline sitzt auch, aber warum diese Einfallslosigkeit, wenn es um Themen geht? Beispiele gefällig? Im zweiten Song geht’s ums Schwanzlutschen, im dritten stehen Anglizismen auf einem ungeheuer "bösen" Representer im Vordergrund, die die löchrige deutsche Sprache stopfen sollen und im vierten auch und im fünften auch und auch sonst ändert sich das nicht mehr großartig. Leider. Auch die durchaus namhaften Features können den recht inhaltslos vor sich hin dümpelnden Kahn in inhaltlich interessantere Gewässer steuern. Franky Kubrick, Mighty MC, Beneluxus, Sizzlac, Atze M, Smo, H-Boyz, ZRiddler, !Bazz, DC und Moe hat man auch schon in besserer Form erlebt.

Zu den Beats: Die Scheibe wurde produziert von Drastic, Spekbeatz, Beneluxus und den Geminiz (Lord Wax & !Bazz). Die Musik kommt sehr jiggy rüber mit vielen gepitchten Samples und Claps. Souveräne Produktionen, die man freundlich als state of the art und kritisch als ohne jede Innovation bezeichnen würde. Allerdings muss man zugeben, dass Phrase + Beats eine Einheit bilden.

Auch wenn man Phrase zu Gute hält, dass es sich um seine Debut Mix CD handelt, reicht das nicht für eine wirklich gute Wertung und für ein zweites Anhören.  Phrase drescht Phrasen, und hat inhaltlich (noch) zu wenig Qualität zu bieten. Sollte es ihm auf seinem ersten richtigen Release gelingen, sich mit weniger Kliche, mehr inhaltlicher Substanz und Kreativität zu präsentieren, wirds sicher noch was. Die Anlagen sind da, technisch kann der Hannoveraner was. Doch momentan ist weder die Straße, noch das Herz und Ohr der Heads sein. Warten wir ab, was die Zukunft bringt. Jeder fängt mal klein an, das gilt für die Straße wie auch für die Booth.

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