DJ PH/Hip Hop Parallèle – Doppelreview: Natural Blend/Aperçu

Wenn einem in einer Review der Name Lyrical Lab begegnet, dürfte dies wohl den wenigsten deutschen Heads etwas sagen. Wer sich aber einmal etwas eingängiger mit Rap aus unserem Nachbarland Frankreich beschäftigt hat, weiß vielleicht, dass es sich hierbei um ein aufstrebendes Indie-Label aus Marseille handelt. Vor einigen Jahren gegründet, geht es den Jungs von Lyrical Lab eben nicht darum, im immer breiter werdenden französischen Rap-Strom mitzuschwimmen. Vielmehr wollen die Artists HHP (Hip Hop Parallèle), RPZ, SBK und Mojo neue Türen aufstoßen, indem sie sich einerseits bewusst auf ihre Wurzeln besinnen und gleichzeitig raptechnisches Neuland erschließen.

An dieser Stelle wollen wir uns in einer Doppelreview den Alben von DJ PH bzw. seiner 11-köpfigen Gruppe Hip Hop Parallèle widmen, wobei letzteres schon im vergangenen Jahr eschienen ist. Angesichts der Tatsache, dass bisher keine der beiden LPs in Deutschland erhältlich war und diese somit noch unbekannt sind, schränkt das die Aktualität jedoch nicht weiter ein.  

DJ PH: “Natural Blend Vol.1”  

Das DJ-Album “Natural Blend” ist zweifellos das zugänglichere für den deutschen HipHop Fan. Wie man dem Namen schon entnehmen kann, werden hier hauptsächlich amerikanische Tracks gemixt. An der oft verfluchten Sprachbarriere zum Französischen scheitert man also nicht. Dennoch lässt PH auch die Features aus den eigenen Reihen nicht vermissen. Dazu gehören Mitglieder von HHP, wie auch weitere Artists aus dem Umfeld der Crew, die dem 28 Track starken Mixtape seinen besonderen Flavour verleihen.  

Schon beim ersten Blick auf die Tracklist wird sofort klar, dass DJ PH sein Werk der Qualität verschrieben hat und gern auch solche Tracks pickt, die trotz High-Class Status schon in Vergessenheit zu geraten drohen. Dazu gehört der Untergrund genauso, wie unanfechtbare Urgesteine der Rapgeschichte. Neben Artists wie Mr. Lif, Midwilkid, Jaheim, J-Live, Show und A.G. sind auch Onyx oder Nas vertreten. Krs One trifft auf Oburse ("What You Know About?”), Mary J Blige auf Grand Pubah (“Check It Out”), ED O.G. auf Pete Rock (“Boston”) und Frankie Cutlass auf Mobb Deep, M.O.P. und Kool G Rap (“The Game”). In diese Konstellation fügen sich auch die Hieroglyphics feat. Goapele mit “Soweto”, Jazzy Jeffs “For The Love Of Da Game” und das grandiose “Crime” aus der Feder von Semi-Official lückenlos ein.

Das Ganze wird immerwieder von Interludes und Übergängen der lokalen Featuregäste angenehm aufgelockert. Seien es die gekonnt eingestreuten Cuts von  DJ Zi, DJs Majestic, Lord M und weiteren, Raps von Stoof, RPZ und Mojo (alle von Lyrical Lab) oder die Souleinlage des Sängers Abdé. Hierbei sei auch der abschließende HHP Track “Avantages” nicht vergessen.  

Auf wunderbar ungezwungene Weise lenkt “Natural Blend” den Blick der Hörerschaft in Zeiten der Sinnüberflutung wieder auf  das Wesentliche. In diesen knapp 80 Minuten wird HipHop gelebt – pur, simpel und dennoch mitreißend. DJ PHs Album weckt Gefühle vergangener Zeiten und hat gleichzeitig den Anspruch, den Fokus auf die Zukunft zu lenken. Ich freue mich schon jetzt auf Volume 2, denn diese Gattung der Aufarbeitung alter Rap-Perlen auf CD ist leider rar geworden.  

Hip Hop Parallèle: Aperçu  

Der Name “Aperçu” bedeutet auf Deutsch so viel wie “Übersicht” und ist für den ersten Longplayer von HHP äusserst treffend gewählt. Die 2001 gegründete Crew aus Marseille droppte die Platte im letzten Jahr, nachdem bereits einige Mixtapes sowie eine Single veröffentlicht wurden. “Aperçu“ kann und will somit als Resümee der ersten 5 Jahre verstanden werden. Die 3 DJs und 7 MCs, darunter auch diverse Beatboxer, haben sich Rap mit positiver, offener Message und inhaltlichem Tiefgang auf die Fahnen geschrieben, weshalb dieses Album sprachlich etwas höhere Ansprüche an den Hörer stellt. Dennoch sollte es auch mit einfachem “Schulfranzösisch“ kein Problem sein, wenigstens Themen und Emotionen nachzuvollziehen. Und dann wären da noch die Produktionen, die ja für viele deutsche Heads Hauptgrund sind, französischen Rap zu hören.  

Ebendiese haben nicht viel vom Klang der üblichen Verdächtigen aus Lande der berühmten Revolution. Während sich Booba, Faf Larage, Diams und Kollegen auf Hits mit immer amerikanischerem Muster konzentrieren, gehen HHP einen anderen Weg. Jeder einzelne Track erweckt den Anschein einer bodenständigen und tiefgründigen Art von Musik. Das erinnert an den französischen Rap der 90er Jahre, jedoch ohne auch nur annähernd eingestaubt daher zu kommen. So entsteht eine überaus gelungene Balance zwischen  traditionellem, straighten Rapsound und Innovation.  

Besonders Thementechnisch und Textlich braucht sich Hip Hop Parallèle nicht zu verstecken. Von Politik und Sozialkritik (“Sex And The City“), über Religion (“Sans Que Ca Pousse Au Crime“) und Alkoholismus (“La Bouteille“), bis hin zu Partytracks (“Lève Les Bras“) und Selbstironie wird eine große Bandbreite präsentiert. Ohne an Einfallsreichtum und Abwechslung zu verlieren, wird der Hörer auf eine Reise durch das Leben geschickt und muss sich dabei nicht einmal besonders bedrückt fühlen. Selbst wenn sich einige Tracks emotional mit sehr ernsthaften Themen, wie dem Andenken verstorbener Freunde auseinandersetzen (“Quand S’Il Etaient Là“), können HHP eine gesunde Dosis Optimismus vermitteln. Besonders sympathisch ist auch, dass DJs und Beatboxer gelegentlich ihre Skills blitzen lassen dürfen.

Das Album wird, genau wie DJ PHs “Natural Blend“, insbesondere durch Features aus dem Umfeld der Crew unterstützt. Dazu gehören Killfoster, Majestic, Osmoz, Lord M, 2She und besonders der mit extremem Potential gesegnete RPZ. Durch diese fühlbare Vertrautheit und die Stärke der Gruppe ist “Aperçu“ zu einem Album aus einem Guss geworden. Hip Hop Parallèle bringen genau dieses gewisse Etwas technisch versiert an den Mann, das im Rapgame oft von vielen Fans vermisst wird.    

 

“Natural Blend“ und “Aperçu“ sind zwei Alben, die zeigen, dass aus dem Label Lyrical Lab noch Großes erwachsen kann. Beide Alben sind Deutschland-exklusiv bei uns im Shop erhältlich.

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