Jaysus – König im Süden

Jaysus ist wieder da und trotz großer Konkurrenz der "König im Süden". So wird es zumindest mit dem Albumtitel ausgedrückt, so steht es in der Pressemitteilung und so wird es zu guter Letzt auch noch im Intro gesagt. Und dies möchte er mit seinem 12 Tracks fassenden Album zeigen. Der Friedrichshafener Rapper gehörte einst zur Rap-Crew Chablife, ließ es dann aber erst einmal ruhiger angehen. Doch seit ungefähr einem Monat ist der Halbgrieche wieder da und wartet über Shrazy Records mit seinem ersten Solo-Release "König im Süden" auf, welches u.a. Manuellsen, Cap und Valezka featuret.

Auf diesem Album erklärt er gleich, warum er der König des Südens ist: „Ich war eine Weile weg, Rap ist so ein Dreck geworden … Ich bringe eine Line, zeige meinen Mordsflow und Rappern klappern die Zähne“.  Als wahrlicher König des Südens entpuppt er sich dann, wenn er seiner bekannten Rolle als „Twista“ gerecht wird. Dann rappt er so schnelle Doubletime-Parts, dass Kollegah erstmal durchatmen muss. Doch er wollte nicht mehr nur durch Doubletime-Parts glänzen und so verzichtet er auf diesem Album so gut es geht drauf. Besagtes „König im Süden“ gehört wie das nächste Lied „Gunz oder gar nicht“ feat. Manuellsen & Cap zu den guten Liedern auf dieser CD, die mich im Endeffekt schon ein bisschen enttäuscht hat. Denn würde man es hart formulieren, finden sich auf diesem Album nur mittelmäßige Battle-Tracks und Inhaltslieder wieder, bei denen man das Gefühl nicht los wird, das alles schon mal gehört zu haben, wie bei dem Liebeslied „Würd ich dich je belügen“ ("Schau mir in die Augen, kannst du sowas von mir glauben, würde ich dich je betrügen, würde ich dich je belügen"),  das Regionslied „Ich liebe den Süden“ oder der Battle-Song "Gossenchabos" feat. Cap ("Das sind keine Guten-Abend-Chabos, das sind dich-und-deine-Hure-schlagen-Chabos"). Aber jetzt zu den stärkeren Liedern: auf „Gunz oder gar nicht“ glänzt vor allem Manuellsen mit seinem gunzen Part, der fast ganz aus Wort "ganz" und seinen Variationen besteht. Auch der „Ghettosong“ hinterlässt mich immerhin nachdenklich. Auf einen Standard-Beat zeigt Jaysus sein Ghetto und legt Wert drauf, dass er persönlich kein Problem mit dem Begriff Ghetto hat: „Das ist ein Ghettosong, ein Song aus dem Ghetto, ihr könnt heulen, doch ich sage es man, ich komme aus dem Ghetto“. Inhaltlich gut gefällt mir „Griechischer Bruder/Türkischer Bruder“, da es eine riskante Thematik gut auf den Punkt bringt und Isyankar einen guten Flow an den Tag legt. Mein persönliches Lieblingslied ist aber der Doubletime-Track „Schneller als Licht“: „Meine Damen und Herren, der schnellste Rapper der Welt…“. Auf jeden Fall schon mal ein sehr schneller.

Schlussendlich muss ich feststellen, dass das für mich nicht mehr als Durchschnitt mit positiven Anlagen ist. Wenn ich ein Battlealbum hören will, dann brauche ich gute und innovative Punchlines. Will ich ein Inhaltsalbum hören, mag ich interessante Inhalte. Beides wird hier leider nur bedingt geboten. Das ist schade, denn Jaysus kann bewiesener Maßen rappen und das auch, wenn er nicht kranke Double/Tripletime-Parts kickt. “Deutschrap hat bei mir Schulden und ich hol mir das Geld“, hatte er im ersten Track prophezeit. Zumindest beim mzee-Shop hat er das geschafft, für mich reicht es noch nicht.

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