Headliners – Das Album zum Film

Nach einigen Mixtapes und Features auf Labelsamplern ihres Labels Deluxe Records ist seit dem 8. Dezember nun das Album der Headliners am Start: "Album zum Film" heißt das gute Stück und wurde u.a. von Shuko, Monroe oder phreQuincy produziert, was einen schon mal Qualität erwarten lässt. Die Headliners, bestehend aus Dasheen, Eddy Soulo und Neo, haben hier insgesamt ein sehr abgeschlossenes Erstlingswerk abgeliefert, auf dessen 16 Liedern sich reine Party- und Inhaltslieder gekonnt abwechseln.

Der Titel des Albums wird dann gleich auf dem fulminanten "Intro" feat. DJ Mixwell erklärt: „Das Album zum Film, der Soundtrack zu unserem Leben“. Welchen Film schieben also die Headliners?  Nach dem groovigen Party-Track „Nacht deines Lebens“ feat. Illo („ So eine Nacht wirst du nur einmal erleben, danach möchtest du eigentlich gar nicht mehr weiterleben“), den man auch auf die Qualität des Albums beziehen soll, zeigen sie erstmal, dass sich ihr Film vor allem in den 90ern abgespielt hat. In dem gelungen Track „90er“ lassen sie einem an ihrer Sicht auf diese Zeit teilhaben: „Das waren die 90er, hier bin ich groß geworden, so war das damals, Kinder, das war hier los im Norden, das war mein Jahrzehnt…“. Hat man diesen sehr angenehmen Rückblick in die Vergangenheit hinter sich, machen die Headliners einem auf ironische Weise mit dem Track „Wir sind die geilsten“ feat. Cheri Kedida klar, dass sie eben genau das sind: „Ihr kennt das selber, alle haben diese Vorurteile gegenüber Rappern, von wegen die erzählen nur von ihren dicken Autos, Frauen, dass sie die geilsten wären; darum haben wir diesen Song gemacht, denn bei uns stimmt das alles…“. Auf einen zumindest schon mal sehr geilen Feier-Beat reiht sich eine Punchline an die andere, in typischer Battle-Manier. Danach wird dem Hörer eine Frau vorgestellt, die in "Ein Sommer" mit Kerlen nur so spielt wie mit Bällen: „Ich geb dir einen Sommer, keinen Tag mehr, dann kommt ein anderer, scheiß egal wer…“. Der nächste durchschnittliche Track „Wir spitten’s“ geht wieder in die Richtung von „Wir sind die geilsten“ und erklärt dem Musik-Business den „Kampf“. Danach werden einem mittels des Liedes "Lifestyle" ihr Film,  also ihr Leben näher gebracht: „Was ich als Kind werden wollte, hmm genau das, der einzige Job, von dem ich noch länger träumte, ist Frauenarzt … und es geht nicht um Posen hier, oder Kohle hier, nicht um Dom Perignon oder Dosenbier“. Wenn man dann alle negativen Empfindungen, die jeder mit der Zeit mal erlebt hat, zusammenpackt, erreicht man die Stimmung und den Inhalt von „Negativ Song“, dem nächsten interessanten Track. Auf einen zwar positiven Beat reihen die Headliners traurige Prophezeihungen aneinander. In eine ähnliche, aber bei weitem nicht so negative Richtung geht das nächste Stück, „Nur für einen Moment“ feat. Blade, das die Betonung auf den Moment legt, da das meiste eh vergänglich ist: „Doch was bleibt, sind nichts als Erinnerungen, scheiß auf morgen, denn ich denk nur an heute“. Falls man aus den bisherigen Liedern noch nicht genug über Dashenn erfahren hat, gibt es das nächste Lied „Dashenn“, was einem auf lustige Art und Weise den Menschen Dashenn vorstellt: „Er kommt nicht zu spät, er kommt einfach irgendwann, wir treffen uns um drei, Dashenn sagen wir zwei, mit Glück schaut er dann so um 6 mal kurz vorbei“. Das letzte Drittel ihres Filmes leitet das eher schwächere Party-Alk-Lied „Trink deine Mische“ ein, was  zwar ganz nett, aber nicht nötig gewesen ist. Weiter geht es mit einem kurzen Besuch auf der „Reeperbahn“ inklusive Party-Reeperbahn-Beat: „Das ist die geile Meile, meine Meile… fick den falschen, und du landest bei Gesichtern des Todes“. Wurde in der Mitte das Albums eine Frau beschrieben, die mit den Männern spielt, wird mit „Sommerloch“ feat. Braheem auf umgekehrte Weise mit einer Frau abgerechnet: „Lass dir nicht erzählen, du wärst ne Nutte … Baby, du weißt, was und wer du bist, ein Sommerloch“. Als nächstes folgt das wohl persönlichste Lied der Platte: "So Happy", ein sehr schönes Vater-Sohn-Lied von Eddy Soulo. Nach einem eher langweiligen Rückblick auf ihre Zeit im Klammottenladen “G-Style“ folgt das letzte und gleichzeitig beste Lied: A.B.&C“ ist eine Aids- Geschichte von drei fiktiven Menschen, namentlich A, B und C, die in der Hook von Samy Deluxe Unterstützung kriegt.

Letztendlich kann ich sagen, dass mir dieser Film gut gefallen hat. Es gab sicherlich auch schwächere Szenen wie z.B. in „Trink deine Mische“, aber generell hat jede einzelne Szene seine starken Stellen und vor allem der Soundtrack (Beats) zu diesem Album ist durchweg passend und gut gelungen. Was die schauspielerische Rap-Leistung angeht, kann ich nur sagen, dass sie auf jeden Fall ihr Handwerk verstehen, nur manchmal leider wort/reimtechnisch noch daneben greifen. „Wenn wir dieses Album droppen, seid ihr wieder Underground wie Overground“, hatten sie im Intro prophezeit. So würde ich es nicht formulieren, aber Erfolg gönne ich ihnen.

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