Separate und Abdel – Bourbon LP

An Abdel, dem rec.con Records Chef, und vor allem an Separate, dem Gründer von Buckwheats Music, kommt man kaum vorbei, wenn man sich mit deutschen Rap beschäftigt.  Bei Buckwheats widmet man sich gerne dem Rausch, wie man ja schon am Release der 55 Alkis erkennen kann. Diese Liebe teilt wohl auch Abdel. ‚Bourbon‘ scheint also ein ziemlich treffender Albumtitel zu sein. Die Thematik der vorliegenden LP ist allerdings vielfältiger. Es geht nebenbei auch um Business, Lebenserfahrungen, Rap und den klitzekleinen Rest des Lebens. Beattechnisch machen die beiden schon lange keine halben Sachen mehr und so sind jene hier auch sehr ausgefeilt. Wer Separate musikalisch generell mag, wird hier nichts zu meckern haben.

Nach den ersten paar Tracks hätte ich fast abgeschaltet – Prädikat uninteressant. Erst ‚Für Euch’ konnte meine Aufmerksamkeit etwas länger fesseln. Ein Clubhit auf einem Clubbeat. „Wir haben die Party mitgebracht, für euch, denn die Party ist heut Nacht, bei euch“ Potentieller Mitgrölchorus. Zwischendurch versuchen sich Separate und Abdel auch mal in Sozialkritik. Die bleibt vor allem in ‚Der Teufel im Anzug’ einfach nur flach. Es reicht nicht mehr Krieg und Öl zu erwähnen um politisch zu sein. ‚Neuanfang’ mit CJ Taylor und Rapsoul ist ähnlich missglückt.

Kommen wir zum Positiven: ‚Aftershow’ mit Abroo würde ich auf eine 2006 Best Of – CD packen: sehr chillig, sehr verpeilt, sehr cool. „…ich bin voll besoffen, geb mir son nen ekligen Film und ich mach dann Weed ins Paper, mach den Jay an und chill…“ Gefallen hat mir auch ‚Nur wir beide’ feat. Geeno. Keine besondere aber eine schöne Liebeserklärung. Sie steht im Kontrast zum flachen ‚Ich geb’ ihn Dir nicht’ („…du bist nur eine Bitch…“). ‚Bourbon Part 2‘ ist interessante Selbstpromo. Am besten gefallen mir die Samples und der Chorus, eingänglich, lustig. Nett ist auch  ‚Rodrigez‘, eine übertriebene Gangster-Story, die sich nach Wildem Westen mit Anspielungen an Quentin Tarantino-Massaker anhört.

Insgesamt wirkt die Platte leider arg halbherzig, die Thematik wird zu selten klar, die Lines sind nicht kreativ genug. Von zwei so erfahrenen MCs erwarte ich mehr. Schade.
 

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