PatCash – Rien ne va plus

Zwei Erwartungshaltungen dominierten bei mir bevor ich die erste Solo-Platte "Rien ne va plus" von Ex-Moqui Marbles-Mitglied PatCash in den Player schiebe. Ich erwartete erstens die Energie eines PatCash-Auftritts und zweitens zumindest die Intelligenz und Konzeption eines Moqui Marbles-Albums. Doch ich wurde sogar noch positiv überrascht.

Das Album klingt musikalisch sehr bunt und abwechslungsreich, doch von vorne bis hinten stimmig. Die Samplewahl ist dabei das wirlich Interessante. Von Dirty Dancing bis hin zu dem Sample, das auch Jay-Z in "Hard Knock Life" benutzt hat. Das deckt aber die Bandbreite der benutzten Sounds noch lange nicht ab. Ich will hier jedoch nicht zu viel vorwegnehmen, denn diese Klangauswahl nimmt einen mit auf eine kleine Reise durch die Musikgeschichte. Die Sample-Kuriosität ist aber durchgängig souverän umgesetzt von Raw Uncut, PhreQunicy, Fritz thr Cat, Golgo13, X-Ray, Bubblez, Lars Mellow und den Flaming Beats aus Moskau. Ein absolutes Beat-Highlight unter den kleineren Beat-Highlights ist dabei gleich der zweite Song "Herzlich Willkommen" aus der Feder von PhreQuincy. Also wer PatCash schon mal live gesehen hat, der kann sich beim Hören der Platte schon mal auf die nächste Tour freuen, denn alleine die Beats gehen ungeheuer nach vorne.

Auch technisch hat PatCash im Vergleich zu Moqui Marbles-Zeiten noch eine Schippe draufgelegt. Man hat nicht nur das Gefühl, dass die Anzahl der Silben sich dem Tempo der Beats angepasst hat, sondern auch, dass PatCash seinen Fluss gefunden hat. Man merkt ihm an, dass er keine Megaflows erzwingt und sich in seinem Style wohlfühlt. Dabei entsteht aber trotzdem keine Eintönigkeit.

Inhaltlich suchen wir die strenge Konzeption einer Moqui Marbles-Platte vergeblich, was aber in diesem Fall auch wirklich gut tut. Man trifft auf viele Representer-Songs wie zum Beispiel auf den Opener "Immer Noch", oder "Herzlich Willkommen", "Das Los Ist Hart", "Baila" (auf einem Baila-Beat, mit den Moqui Marbles und Tony Greer), "Here I Am" und "Ooops". Weiterhin finden wir einen Lady-im-Club-Song namens "Wie Gott Dich Schuf", eine Prise Sozialkritik auf "Am Ende", den etwas zu chilligen Battle-Track "Du Hast Stress", zwei Anti-Liebeslieder namens "Don’t Love You" und "Bye, Bye" mit den alten Mitstreitern von den Moqui Marbles und den sehr schönen Hoffnungmacher "Schutzengel" zusammen mit Clueso, auf dem PatCash interssanterweise nur sprichwörtliche hoffnungmachende Phrasen rappt und Clueso in Bestform singt. Zusammen mit Franky Kubrick geht es dann in "Was Ich Will" um die Liebe zum Geld und mit Reno um den Glauben an "Mein Traum". Mit den "beiden Mittelfingern" für den Crazy Frog im Hidden Track "Here I Am" beschließt PatCash würdig ein sehr abwechslungsreiches Album.

Stabilisiert und geprägt wird die Vielfalt des Albums auf seiner kompletten Länge letztendlich vom guten alten Hamburger Vergleiche-Style, der Erinnerungen an alte Eimsbush-Releases zwar immer wieder aufblitzen lässt, aber den Bezug zum 2006er Produktionsniveau im deutschen HipHop immer wahrt und ihn um einige sehr schöne Sample-Beats erweitert.

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