Afro Hesse – Der Verschollene Immigrant

Afro-Hesse nennt seinen Longplayer „Der Verschollene Immigrant“ ein „Street-Album“, was beim ersten Mal Hören etwas verwirrend wirkt. Sehr oft meint dieser Begriff nämlich Platten, die eher mal so eben hingerotzt wurden, um noch schnell ein Lebenszeichen vor einem „echten Release“ abzusondern. Davon kann hier jedoch keine Rede sein. „Der Verschollene Immigrant“ entstand über einen vergleichsweise langen Zeitraum und wartet auch mit Gästen auf, die man nicht „mal so eben“ aus der Tasche zaubert. Bei Afro-Hesse meint „Street-Album“ die Tatsache, dass es sich um ein musikalisches Tagebuch seiner Reise handelt, die Ende 2003 am Frankfurter Bahnhof begann und ihn nach Paris führte. Damals ist er aus Deutschland geflohen, um der Abschiebung nach Algerien zu entgehen – ein Land, das er seit seinem neunten Lebensjahr nicht wieder gesehen hat.    

Durch einen riesen Zufall lernte er in Paris dann seinen Kousin Flave kennen, der anschließend das halbe Album produzierte. Beispielsweise nahm er auch den Song „Die Welt“ mit Oxmo Puccino auf, der zustande kam, nachdem Afro-Hesse den Major-MC nach einem Konzert in der französischen Hauptstadt kennen gelernt hatte. Auf weiblicher Seite beteiligte sich Princess Anies, die in Frankreich ebenfalls ein enormes Standing hat. Aus Deutschland verewigten sich z.B. Manges, Olli Banjo und Lieblingsrapper Harris – dies überwiegend auf Beats von Illfated Tre, der schon Gallas „Swing Kid“ produzierte.  

Wer Afro-Hesses Geschichte kennt, kann sich vorstellen, dass „Der Verschollene Immigrant“ kein Party-Album ist, auch wenn Songs wie „Keine Grenzen“ mit Princess Anies oder der ebenfalls von Flave produzierte „DJ-Track“ mit DJ DJAZ mit warmen und sonnigen Instrumentals aufwarten. Stimmungsprägend wirken eher Titel und Texte wie „Faschismus“, „Albtraum“ oder „Verlorener Sohn“ mit Double Canno, in dem Afro-Hesse rappt „Die Bürokraten haben mich lebendig begraben – wie hängen geblieben, sie haben mich von meiner Familie vetrieben – Deutschlands Asylgesetze sollt man verbieten“. Trotzdem geht es keineswegs nur um negative Erlebnisse und Frust, sondern auch um Liebe und Hoffnung, wie dem seiner Mutter gewidmeten „Ma“. Ein Album, das weitgehend ohne Battle auskommt und eine wahre Geschichte erzählt – eine Rarität in Deutschland.  

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