Deux Process – In Deux Time

HipHop jenseits des aktuellen Mainstream-Musters bieten Deux Process aus Colorado. Ihr Erstlingswerk heißt bezeichnender Weise „In Deux Time“, wobei das „deux“ im Sinne von „due“ gebraucht wird. Und wahrlich bietet das Werk ein hörbar reifes Soundschema, dass sich äußerst innovativ und verspielt zeigt.

Der Produzent Vise Versa, der sich für der Großteil der Beats des Albums verantwortlich zeichnet, und zumal ein integrierter Part in der Formation Deux Process ist, hat ein hörbares Laster für ausgeklügelte Wohlfühl-Synthiemelodien, die von mal zu mal futuristischer werden. So beginnt die Reise in geruhsamere Sphären mit „Everyday“, welches nicht nur von der instrumentalen Aufmachung Großes vollbringt. Daneben bringen die MCs Chief Nok und Vise Versa sehr gute Leistungen in Puncto Flow und Delivery. Leichte Parallelen zu den Dilated Peoples sowie Slum Village lassen sich hier ausmachen. Der Minuspunkt an dem Stück ist die käsige Hook von Stro the 89th Key, welche das Gesamtbild etwas trübt.

Diese Gegebenheit taucht bei dem überpoppigem „Sweet Music (ft. Sharlok Poems & Jennilee Reyes)“ ein weiteres Mal auf, wobei in diesem Fall der Beat den poppigen Ton im Chorus schon klar vorgibt. Die Hook hätte auch von Ashanti oder Olivia kommen können. Festzuhalten bleibt, dass die Raps hingegen sehr gut kommen. Warum ich die zwei vorherigen Songs sowie „Open Letter“, dass wie ein „Heal The World“-Massaker daher kommt, auf ihre Poppigkeit anprangere? Dies liegt an dem eintönigen Stück „Revolutionary“, auf welchem man sich lauthals darüber beschwert, dass die Industrie den Künstlern ein bestimmtes Image aufdrücken will, welches auch musikalisch umgesetzt werden muss. Somit sagt man einerseits, dass Gangsterimages und poppiges Material abgeschafft gehören, veranstaltet es im nächsten Moment aber selbst. Ziemlich schizophren!

Anyway, wo waren wir? Mellow stuff – genau! Das soulige „Compatibility (ft. Jemond)“, dass die Partnersuche zum Thema hat, überzeugt auf gesamter Linie und erzeugt zumal eine kleine Gänsehaut, wenn Jemond seine rauchige Gesangdarbietung zum Besten gibt.„My Star“ erinnert irgendwie ein wenig an Slum Village’s „Reunion“, dass eine ähnlich hypnotisierende Wirkung hatte. Minimal geht es auf „The Process“ weiter, dass wiederum mit sehr guten Raps daherkommt.    

Am Höhepunkt ist man dann beim futuristischen „Cover To Cover“ angelangt, dass wieder verdammt stark nach Slum Village klingt und mit sehr gutem Storytelling daherkommt. Der verzerrte Chor in der Hook ist außerdem eine ausgezeichnete Idee. Hier vielleicht leichte Parallelen zu „The Red“ von Jaylib.

Das Colorado-Trio mag den Rap nicht neu erfunden haben jedoch gibt es außer den vier negativ erwähnten Stücken keine weiteren Ausfälle zu vermelden. Ein Album, dass einen sehr positiven Vibe beinhaltet und mit mehr als brauchbaren MCs daherkommt, findet man definitiv mit Deux Process‘ „In Deux Time“.

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