DJ Dexter & K.I.T. – Cinema Obscura & Temporär Autonome Zone

Ja, es gibt sie, die guten, sehr guten und überragenden Instrumentalalben. Und: ja, es gibt auch eine ganze Menge von langweiligen, schlechten und unerträglichen Platten dieser Kategorie.
Zur Entwarnung, die hier vorliegende Doppel-CD, gehört nicht zu denen, im zweiten Teil des vorigen Satzes erwähnten Scheiben.

Trotz der Tatsache, dass sich das Annähern an ein Werk, mit dem Titel “Cinema Obscura & Temporär Autonome Zone” und Tracknamen wie „Unter Dem Zimtbaum“ oder „Friesen und Geilheit“, nicht einer gewissen Unsicherheit erwährt, haben Dexter und K.I.T. nicht den Fehler begangen, so angestrengt abstrakt oder so extrem geloopt klingen zu wollen, dass sich die Spannungskurve eher unter dem Ohr hindurch in Richtung Magen fortbewegt – und für Verstimmung sorgt. Bei diesem Projekt werden auch die geilen Friesen unter dem Zimtbaum ihr Highlight finden.
Die beiden Produzenten DJ Dexter und K.I.T. haben mit ihrem ersten Album "Wüstenplanet“ bereits ihre Feuertaufe bestanden. Ganz im Stil von Outkast, gehen sie nun mit dem Doppeltitel “Cinema Obscura & Temporär Autonome Zone” in die zweite Runde.
Da die musikalischen Vorlieben der beiden nicht immer deckungsgleich sind, hat halt jeder seine eigene Hälfte des Werkes gestaltet und seine Stärken voll ausgespielt.
Die Spielwiese von DJ Dexter heißt „Temporär Autonome Zone“ und die musikalischen Grenzen dieser „Wiese“ sind weit gesteckt. Während man sich bei dem leicht schrägen aber ruhigen „Zonenintro“ mit seinen dezenten Cuts, im sichern HipHop-Umfeld wähnt, bekommt man im weiteren Verlauf eine Vielfalt an Stilen angeboten. Hier werden funkige Gitarren und Streichersamples mit Drum’n Bass Rhythmen gepaart oder Soundtrackähnliche Uptempo-Passagen mit indischen Klängen geschärft. In der Temporär Autonomen Zone ist definitiv ein offenes Gehör gefragt, dass auch mal ein kurzes Elektrogewitter und Drum’n Bass-Hagel aufnehmen kann, um sich im nächsten Moment wieder in einem 70er Jahre Action-Streifen wieder zu finden. Durch die guten Arrangements kommt hier auch weder Langeweile auf, noch zu komplexe Symphonien – die zwar gerne als Avantgarde bezeichnet werden, aber meist nur dem Gehör schmerzen.

“Cinema Obscura”, die Hälfte von K.I.T., ist der ruhige Gegenpol zur autonomen Zone, ein Mixtape mit fließenden Übergängen zwischen den Tracks. Hier dominieren melodische Samples und Downtempo Rhythmen das Geschehen. Dabei bedient sich K.I.T. neben verschiedenen Vocalsamples, aus dem Soul, Funk und Jazz-Bereicht. Was sich jetzt vielleicht langweilig oder „abgegessen“ anhört, ist ja nur die grundsätzliche Beschreibung der Einflüsse. Interessant ist, was daraus gemacht wird. Und das kann sich hören lassen. Die Samples wurden durch einige Filter gejagt und bekommen so einen neuen frischen musikalischen Anstrich. K.I.T.s Gespür für harmonische Melodien kann sich hören lassen, nicht zuletzt auf dem erwähnten „Unter dem Zimtbaum“, den ich nicht nur Aufgrund des bildhaften "immergünen" Titels (ein Zimtbaum ist ein immergüner Baum) zu einem meiner Favoriten gewählt habe.

Eine wirklich gelungenes Doppelalbum, das einige Vorurteile hinsichtlich deutschen Produzenten widerlegen sollte. Und, wie auch bei „Speakerboxx/The Love Below" von Outkast, bekommt man von DJ Dexter und K.I.T. zwei eigenständige Alben, die sich zu einem vielseitigen Gesamtwerk zusammenpassen. Und ganz nebenbei wird einem auch noch gezeigt, dass eine Zahnbürste nicht nur dazu da ist, Kadetten zur Strafe die ganze Latrine damit putzen zu lassen, sondern sie auch glänzend dafür geeignet ist, Albencover zu gestalten. Zu Testzwecken kann das jeder Zuhause ausprobieren: Man nehme Zahnpasta auf die Bürste, weiche das Ganze ein wenig ein, stelle sich vor dem Badezimmerspiegel und losgespritzt. Mutti freut sich!
 

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