London Elektricity – Power Ballads

Ich habe heute erfahren, dass Goldie zusammen mit Ray Keith mal in den immer noch berüchtigten Blackmarket Recordshop hineingelaufen ist, um den Besitzer Dave Piccioni höflichst darauf hinzuweisen, dass die beiden und andere Repräsentanten des Drum’n’Bass, die zusammen ein Komitee zur Reinhaltung von Drum’n’Bass gegründet hatten, es um einiges lieber sehen würden, wenn in dem Laden die Platten von General Levy nicht vertrieben werden würden. Das ruft sich in mein Gedächtnis, als ich lese, dass London Elektricity, das schon beim exzellenten zweiten Album „Billion Dollar Gravy“ von drei Mann auf das Gründungsmitglied Tony Colman zusammengeschrumpft ist, aus dem Umfeld von unter anderen Goldie kommt.

Schon beim Blick auf das zweite Album sieht man Tony Colman ziemlich mittig und mit einem Protestschild in der Hand stehen, so dass man auch ihm zutrauen würde, selbst Mitglied bei einem solchen Verschwörungskomitee zu sein. Auch auf dem Cover des neuen Albums „Power Ballads“ steht Herr Colman mittig, mit einem seltsam anmutenden Musikgerät, das ich bis dahin nicht identifizieren konnte. In der Hoffnung vielleicht ein genauso seltsam klingendes Etwas in den Tracks diesem komisch aussehenden Instrument zuzuordnen, hab ich nun dann doch die CD in den Player geschoben. Der Titel des Albums hält was er verspricht. Hier treffen Soulballaden auf schnelle Breakbeats und man muss unweigerlich dazu grooven, wippen und sich einfach bewegen. Es gibt wenig Zeit sich auszuruhen, denn hier geht wirklich jeder Song nach vorne. Das kommt nicht von ungefähr, denn London Elektricity setzt auf Live Instrumentierung, was auch bisher die entsprechende Lebhaftigkeit und den fabelhaften Sound aller LE Platten ausgemacht hat. Unterstützt werden die Stücke von der überwältigenden Sängerin Lianne Carroll, die dem Jazz dieser Scheibe ihren Feinschliff verpasst und von dem Hospital Records Hausrapper MC Wrec.

Wer begeistert ist von der Musik, die ein Fabio auflegt und die 4Hero Platten liebt, darf dieses Album nicht verpassen. Es ist eine überragende sphärische Platte, die die Messlatte für gediegeneren Drum’n’Bass um ein ganzes Stück höher setzt und diese Art von Musik, abseits des Hörverhaltens pappenfressender Großraumraves, kultiviert. Und wer eh schon im Plattenladen seiner Wahl ist, kann sich auch direkt nach Karten für die Tour, die in der ersten Hälfte des Novembers angesiedelt ist, erkundigen und sei es auch nur, um mal auszuchecken, ob das auf dem Cover abgebildete Suzuki Omnichord OM27 auch live Verwendung findet.

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