M. Arfmann – Deutsche Grammophon: Recomposed by M. Arfmann

Ein Großteil der Nation weiß es schon: Arfmann an den Reglern macht den Shit tigh! Beginner Jan Eißfeldt hat das nicht umsonst gesagt. Es gibt selten Menschen in Deutschland, die derart viel hinter sich haben, vielfältige musikalische Interessen verfolgen, Erfolge feierten und sich trotz des kapitalistischen Drangs nach immer mehr, genau diesem Erfolg den Rücken zukehren, um an neuen interessanteren Dingen rumzubasteln, wie der besagte M. Arfmann aus der Nähe von „fast schon Hamburg, aber dann doch nicht“. Konsequent arfmannesk ist auch das vorliegende Werk, dass quasi Auftragskunst im Namen der Deutschen Grammophon ist, die sich in erster Linie der klassischen Musik verschrieben hat.

Die Recomposed Reihe ist ein neuer Ableger, auf deren Releases immer ein Produzent zu hören sein wird, der aus Archiven klassischer Musik, Samples zusammen suchen darf, um daraus neue unbekannte Musik zu generieren. Das tut der Besitzer des Turtle Bay Country Club Recording Studios auch und nutzt dieses Archivmaterial um eben das zu generieren, was er über die Jahre hinweg zu seinen persönlichen Dubstil perfektioniert hat: den Arfmann Dub. Das der Arfmann Dub dabei mit hartem Eisen in die dicke Kerbe des Genre Pop schlägt, zeigt sich auch in der Auswahl der Stücke wie z.B. Smetanas „Die Moldau“, Tchaikovskys „Schwanensee“ oder Rimsky-Korsakovs „Sheherazade“, die dem Großteil der gymnasialen Bevölkerung (- bitte keine Protestmails wegen sozialer Diskriminierung oder so; das wäre einerseits zu pathetisch politisch korrekt und andererseits Dummheit gepaart mit Langeweile -) auch ohne jeglichem Interesse an Klassischer Musik zumindest vom Hören her, bekannt sein sollte. Doch aus dem Turtle Bay Studio dringt keine Musik, die darauf abzielt populär Geld zu machen. Die Bearbeitungen zielen eher darauf ab, Pop durch den Arfmann Dub, in seinem Dasein als gebeuteltes Genre, dass sich in den öffentlichen Gemütern leider häufig von höchst kritisch zu betrachtenden bis zu hin zu lächerlichen Releases vertreten findet, aufzuwerten. Das gelingt auch, denn hier wird die klassische Musik nicht verhunzt, zu einem sich ewig wiederholenden Loop erniedrigt und missbraucht, sondern findet genug Platz zum Atmen und bekommt trotz des Anspruches des Arfmann Dubs, die Bassline als obersten Maßstab und Über-Ober-Generaldirektor einzusetzen, eine doppelte Stimme im Vorstand. Das ist eindeutig Populärmusik, die nicht reißerisch ist, wie die Schlagzeilen eines bekannten Hamburger Verlagshauses, sondern Zeit braucht um gehört und verstanden zu werden. Die Recomposed Reihe ist ein wirklich interessantes Experiment, dass mit ihrem Debüt in der Version von M. Arfmann einen guten Anfang nimmt und getrost von allen gehört werden kann, die ein offenes Ohr haben, für gute Popsongs, die sich durch ihre Zeitlosigkeit auszeichnen.

PS.: Wie groß der Anteil der Eigenarbeit all der Akteure aus Hamburg, Hannover, Köln und Herne an dieser Platte ist, lässt sich eigentlich nur ermessen, wenn man sich die Limited Edition dieser Platte kauft, denn hier sind auf einer zweiten CD die Originalaufnahmen der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan zu hören. Da kann sich dann auch jeder, der sich denkt, dass kann ich besser, mal selbst versuchen, wobei ich ja dann auch eigentlich nicht mehr erwähnen muss, das diese kompositorische Nutzung nur für den häuslichen Eigenbedarf zu verwenden ist und weder Verbreitung noch kommerzielle Vermarktung genießen darf.

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