V/A – VerBalance

 Letztens hat mir ein Freund einen seiner Tracks vorgespielt. In dem Song geht es darum, wie er auf einer Droge, einer Krankheit, hängen geblieben ist. Nennen wir sie mal „Egotrip“. Zwei Parts lang schildert er seinen Trip und wie dieser ihn isoliert. Kurz bevor es eskaliert, kommt im dritten Part doch noch die Einsicht und er findet wieder den Weg zurück in die Community: Happy End!

Schon während des ersten Hörens musste ich unweigerlich an die deutsche Rap-Szene und ihren momentanen „State-Of-Mind“ denken. Denn auch sie kränkelt, da sie mit „Egotrip“ infiziert ist. Leider ist jedoch kein Happy End in Sicht. Die Szene fühlt sich wohl auf ihrem Trip und fährt weiter ihren eigenen Film wie auf Koka. Es scheint, als gäbe es keinen dritten Part für sie, da kein ehrlicher Wille da ist, etwas zu verändern. Wie nun sieht also die Zukunft dieses Junkies aus? Wird er sich weiter selbst zerstören, oder wird er auf die kleine, leise Stimme der Vernunft tief im Inneren hören? Ganz verstummt ist sie nämlich nicht. Da gibt es noch jemanden, der weiterhin schreit…

Um genau zu sein: Dieser jemand ist eigentlich ein ganzes Projekt und trägt den Namen „VerBalance“. Entstanden ist ein Sampler, der nationale sowie internationale Künstler featuret, um den Community-Gedanken weiterhin am Leben zu halten. Bedenkt man, dass hier Leute wie Freestyle (Ex-Arsonists) und AG (D.I.T.C) auf Künstler aus Metropolen wie Hanau, Lippstadt, oder gar Göppingen treffen, kann man diesen Ansatz definitiv unter „erfolgreich“ verbuchen. 

Die Frage, die sich jedoch stellt, ist folgende: Macht ein guter Gedanke auch gleich ein gutes Album? Die Antwort: Nur bedingt. Trotz eines sehr gut produzierten und gerappten Intros, das man den Burns Brothers und AG zu verdanken hat, trotz eines Freestyles, der auf „Method of Madness“ hervorragende Battlerhymes spittet; die wirklich großen Momente bleiben aus. Zu viele uninspirierte Tracks mit zu gängigen Themen finden sich auf diesen Album, die einem leider keine neuen Sichtweisen verschaffen. Auch die musikalische Umsetzung stimmt leider nicht immer, und das technische Niveau kann den Hörer nicht wirklich fesseln. Auch wenn die nationalen Künstler überwiegen, wird diese Compilation doch vor allem von den internationalen Acts getragen. Nicht nur einmal stehen die Skills von Leuten wie Wortgewand, Next Level Allstars, oder Gemeinsam oder Garnicht im langen Schatten der amerikanischen und französischen Routiniers.

Auch wenn die deutsche Seite nicht so gut dasteht, gibt es zwei Tracks die mich dennoch überzeugen. Der erste kommt von dem Stuttgarter Chimperator Plan B und heißt „Jeder für sich“. Dieser ist schon auf dem „Dayz of the Championz“-Album, zusammen mit seinem Partner Maeckes, zu finden. Auf einem äußerst passenden und wirklich gutem Beat, streut Plan B exzellente conscious Lyrics, die auch noch mit einem sehr sauberen Flow aufwarten können. Ein potenzieller Ohrwurm. Der zweite Song ist die „Sonderfahrt“ von The Rowdy Club feat. Clueso. Auch hier wieder conscious Lyrics richtig gemacht. Die Hook bleibt hängen, und der Beat vermittelt einem das Gefühl einer entspannten Live-Session. Einfach Sommer, einfach nice. 

Was bleibt also? Dem eigenen Anspruch, „als Plattform allen Künstlern, die nicht von Medien gehypet und gedopet werden, die Möglichkeit zu geben, sich und der Kultur Aufmerksamkeit zu verschaffen“ ist man gerecht geworden, zweifellos. Leider muss ich aber sagen, dass das Gros der Acts nicht zu überzeugen weiß. Allen, die mit dem momentanen State-Of-Mind genauso unzufrieden sind wie die Initiatoren von VerBalance, sei dennoch gesagt: Der Community-Gedanke lebt. Leiste deinen Beitrag! Schickt Tracks ein und lasst die Bewegung wachsen, denn hier wurde eine gute Basis geschaffen, die sogar den ein oder anderen Leckerbissen bereithält.

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