Roll Deep – In At The Deep End

Das HipHop-Jahr 2005 hat allen Rapfans mit „offenem Geist“ zwei neue Strömungen innerhalb des bewährten Mainstream beschert. Die eine nennt sich Reggaeton und war bis vor kurzem in Form von „Gasolina“ und anderen Tracks allgegenwärtig. Als zweites wäre das noch etwas unscheinbare Grime zu nennen.

Während nun der Hype um Daddy Yankee und Konsorten weitestgehend abgeklungen ist und nur Tony Touch das wohl noch nicht so ganz mit bekommen hat, entsteht bei uns in Good Ol’ Germany eine langsam wachsende Grime-Fanbase. Spätestens bei dem Namen Dizzee Rascal, sollte jeder HipHop Head, der das letzte Jahr nicht völlig verpennt hat, wissen, wie sich der Musikstil, der irgendwo im Osten Londons seinen Ursprung hat, anhört. Trotz eines bekannten Aushängeschildes wie Dizzee Rascal, sind der breiten Hörerschaft weitere Grimeartists weitestgehend unbekannt.

Zeit, das zu ändern, Zeit für das erste Album der Mitbegründer einer Musikrichtung, die noch so frisch ist, dass jeder Schritt einer in eine neue Richtung ist. Kurzum: Zeit für Roll Deep und ihr Album „In At The Deep End“.

Roll Deep ist eine 13 Mann starke Truppe, bestehend aus 2 DJs, 3 Produzenten und 8 MCs, daher schenke ich es mir, die Namen der einzelnen Mitglieder aufzuzählen. Früher war auch Dizzee Teil der Crew, aber zu Beginn seiner Karriere zog er es vor, die Gruppe zu verlassen…

Das ist sicher ein Verlust, doch auch ohne den Godfather of Grime gibt es in der Ost-Londoner-Posse noch genügend charismatische MCs mit ausreichend Skills, um dem Rest der Welt zu zeigen, wo in England raptechnisch der Hammer hängt.

Nach einem atmosphärischen Intro wird mir klar, warum im Pressetext von „veränderten Spielregeln“ die Rede ist. Roll Deep haben sich mehr oder minder von den klassischen Grime Beats verabschiedet und verarbeiten, was ihnen unter die Finger kommt: R’N’B trifft Rock, trifft Dancehall, trifft Salsa, trifft „gewöhnliche“ HipHop-Beats. Sie selbst nennen das übrigens Eski-Beats. Doch egal wie der Name ist, kann die neue Mischung funktionieren?

Zum Teil: Tracks wie „The Avenue“, „Shake A Leg“ oder Good Girl sind ebenso ungewohnt wie eingängig und sagen wir mal auf jeden Fall ganz nett. Aber wirklich überragend wird es erst, wenn es etwas ruffer wird und sich die komplette Mannschaft bei „When I’M Ere“ hinters Mic stellt. In Sachen Power und überragend-eigenwilligen Flows wurde selten etwas Besseres geboten. Ein weiterer Brecher dieser Art ist „Show You“, das zwar mit einer soften Frauenstimme in Teilen der Hook aufwartet, aber schlussendlich dann doch rau und eigen daher kommt.

Über die Flows soll an dieser Stelle auch gesprochen werden. Alleine deshalb ist es das Album nämlich wert, gehört zu werden. Jeder MC hat seinen ureigenen Stil und das grimetypische Taktgefühl der Mannen aus England übersteigt das der meisten HipHop-MCs um Längen. Auch ist die Geschwindigkeit, mit der Roll Deep über den Beat gehen, teilweise atemberaubend.

Eigentlich ist Grime ja nicht gerade die Musik, die für Texte mit den spannendsten Themen, berüchtigt ist, aber auch da gehen Roll Deep erfreulicherweise neue Wege: So wird Vielfältiges geboten und unter anderem der alten Zeiten gedacht (Remember The Days), der Verflossenen nachgetrauert (Good Girl) und das politische System kritisiert (People Don’t Know). Abgesehen davon wird natürlich in bewährter Grimemanier weiter in den Club gegangen oder heftig repräsentiert…

Es ist schwierig, dieses Album vernünftig einzuordnen, denn Roll Deep haben sich in Sachen Beats weit von den typischen Grimestandards entfernt. Sozusagen weg vom Rave, rein in den Black Music Club. Ob da die Hardcorfans mitkommen und weiter Lust haben zu feiern und ob das restliche Clubpublikum schon bereit für sie ist, wird die Zeit zeigen. Bis dahin bleibt „When I’M Ere“ für mich einer der krassesten Tracks dieses Jahres, Eski Boy…

 

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