Little Brother – The Minstrel Show

Wenn man von Jay-Z als eines der vielversprechensten Nachwuchstalente in Sachen Producing auserkoren wurde, dann auch noch einen Titel auf dessen letztem Album “The Black Album” lacen darf und zu guter Letzt mit Producing- und Remix-Jobs für Schwerkaräter wie Destiny’s Child, NAS, Musiq Soulchild und Memphis Bleek ausgestattet wird, dann hat man es geschafft und die Dollars sammeln sich fleißig auf dem Bankkonto. Noch schöner ist es da, wenn man mit seinen Kollegen Big Pooh und Phonte ein Meisterwerk mit dem Namen “The Minstrel Show” zusammenstellt und weiterhin dazu beiträgt, dass namenhafte Magazine wie XXL und The Source Probleme mit ihrem Rating-System bekommen.

Die Herren von Little Brother sind mittlerweile aus dem sogenannten “Underground” des amerikanischen HipHop in den Mainstream aufgestiegen. Vielleicht nicht, was die Verkaufszahlen betrifft (der Dank gebührt unter anderem BET), jedoch was die Ressonanzen der Szene selbst angeht.

Die Jungs wissen natürlich mitllerweile, was sie wert sind. So zeigt sich Phonte auf “The Becoming” selbstbewusst : “I went from n****s telling me, I really shouldn’t rhyme / to dropping a classic album motherfuckers couldn’t find”. Ja, da scheint jemand sehr selbstsicher und gibt dazu noch einen feuchten Dreck auf Verkaufszahlen.

“The Minstrel Show” – ein Klassiker??? Yup, definitely. Warum? Weil die Atmosphäre, die dieses Album transportiert, die 9th Wonderschen Kreationen, die voller Soul und Liebe zur Musik strotzen und die angenehmen MC-Darbietungen von Phonte und Big Pooh einfach eine Kompaktheit bilden, die sich ein 08/15-Rapper selbst mit millionenschweren Produzenten und Ghostwritern nicht mal erkaufen kann. Und das ist auch gut so ! Natürlich werden auch andere Stimmen aufkommen, die Stücke wie “Beautiful morning”, “Say it again”, “Sincerely yours” und “Watch me” nicht für sonderlich innovativ halten. Falsch ist diese Feststellung mit Sicherheit nicht. 9th Wonder hat das Samplen sicher nicht erfunden und Phonte und Big Pooh das MCing auch nicht. Trotzdem haben Stücke wie das bezaubernde “Lovin it (ft. Joe Scudda)” und das von einer unbekannten Soulstimme vergoldete “All for you” mehr Substanz als gesamte Alben. Außerdem gibt es in allen Sparten, sei es in der Mode, der Kunst oder eben der Musik immer einen gewissen Retro-Trend zu begutachten. Nur weil etwas schon mal da war, heißt es nicht gleich, dass es in der Gegenwart als veraltet oder schlecht gelten muss.

Das Album bietet weiterhin mit Elzhi von Slum Village (“Hiding Place”) und der neuen Neo-Soul Hoffnung Darien Brockington (“Not enough” & “Slow it down”) gezielt ausgewählte Features, die den Vibe souverän ergänzen. In Sachen R’n’B setzen die Little Brother mit “Cheatin” noch mal einen ganz anderen Akzent und begeben sich damit gekonnt in die Liga von Mr Biggs und R.Kelly.

Am Ende der Show angekommen sollte man sich schnell eine Tüte Popcorn und eine große Cola (je nach Belieben auch Bier oder Wein) holen, die Füße auf dem Fußsessel legen und den Sitz in eine angenehmene Position rücken, denn dieses Album wird einem nach einmaligem Genuss nicht aus der Gehörgängen gehen. So sollte man die Play-Taste ein weiteres Mal drücken und “The Minstrel Show” nochmal genießen. HipHop’s neue Daily Soap (im positiven Sinne)!!! 

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