Future Rock – Dynamite

Schaut man auf die musikalische Vergangenheit von Future Rock, kann man schon ein wenig ehrfürchtig werden. Seine erste Veröffentlichung als Produzent mit der Gruppe „LSD“ im Jahre 1989 wird auf Anhieb die „erste deutsche HipHop-Produktion auf internationalem Standard“. Es kommt zu einer Zusammenarbeit mit dem legendären Funk/Jazz Saxophonisten Maceo Parker. Darauf folgen Kooperationen u.a. mit Torch, Die Firma und den Fantas. Daneben glänzt Future Rock auch noch mit Remixen für Gentleman, Jack Radics und Die Firma.

Auch wenn er es oft genug bewiesen hat, was traut man einem Produzenten, der seine Wurzeln im HipHop der alten Schule hat, eigentlich noch an Frische zu? Eben, auf den ersten Blick nicht viel. Doch sollte erwähnt werden, dass es sich bei dem neuesten Entwurf, der den tonangebenden Namen „Dynamite“ trägt, nicht um ein klassisches HipHop-Producer-Album handelt, sondern um eine wahre Funkexplosion. Future Rock selbst nennt seine Musik „ElectroDiscoFunk“. Das Label nennt es „an intergalactic electro disco funkadelic trip through time and space“. Ich sage: Anschnallen, bitte!  

Allein schon der Opener „Keep On Rockin’” erinnert an all die guten und schönen Seiten des Funk – und Discosounds und führt den Hörer langsam in das Album. Bevor es jedoch richtig losgeht, stellt sich Future Rock in „The One“ vor, um dann im Titeltrack „Dynamite“ das Intro zu beenden und den Zuhörer nun vollständig in andere Dimensionen zu schießen. Aller spätestens ab da an wird jedem klar, dass dieses Album produziert wurde, um gute Laune zu versprühen und die Leute zum Tanzen zu bewegen. Und ganz ehrlich, wer sich bei diesem Sound nicht bewegen kann, wird es nie können. Eigene Songstrukturen, die weit von dem üblichen „Strophe-Bridge-Refrain“-Schema entfernt sind, bieten viel Platz für spontane Momente und Wendungen im Beat, die das Album und auch die durchschnittlich 5-minütigen Kompositionen nicht langweilig werden lassen. Future Rock selbst meint: „Einen guten Groove zu bauen, ist schnell passiert. Aber einen guten Song über 5 – 6 Minuten abwechslungsreich zu gestalten, war die große Schwierigkeit, die ich auf „Dynamite“ zu meistern hatte.“ Glückwunsch, das wurde geschafft. Dafür sind vor allem die zahlreichen Details verantwortlich. Glaubt man, endlich alle Sounds der einzelnen Tracks zu kennen, kommen wie aus dem Nichts wieder neue hinzu, die jeden Soundfetischisten einfach in den Wahnsinn treiben. Dennoch sind es die gut ausgesuchten und gut bearbeiteten Vocal-Samples, die den Tracks das gewisse Extra, die Ansagen geben.

Meine persönlichen Höhepunkte sind das house-esque „Tumba La Casa“, welches mit seinem sehr eingängigen Synthie und der Funk-Gitarre automatisch zum Kopfnicken animiert. „The Rhythm“ geht dann gleich 10 Schritte weiter und fordert wirklich jeden dazu auf, schon beim ersten Takt aufzuspringen und die Tanzfläche zu rocken. Unbedingt hören! „The Chase 3001“ sorgt dann noch für ein wenig Drum’n’Base Feeling. Eine sehr, sehr böse Bassline, hohe Akkorde und Sirenen versetzen den Hörer ohne Probleme in eine Verfolgungsjagd sondergleichen. Der ideale Song für alle Bleifüße da draußen.  

Schlussendlich kann man sagen, dass „Dynamite“ der Soundtrack für die Funk-Disco, den House-Klub und das Straßenrennen ist. Future Rock beweist, dass er ein erfahrener Produzent ist, so dass man das Album an einem Stück durchhören kann, trotz der Länge von 16 Tracks. Ich kann dieses Album jedem ElectroFunkDisco-Liebhaber ohne weiteres empfehlen. Und auch Tanzmuffeln sei gesagt, dass es einfach nur Spaß macht. Sogar auf der Couch.

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