Jak 2: Renegade

Jump´n´Runs sind süß. Jump´n´Runs sind kunterbunt. Jump´n´Runs sind Spiele, in denen ein dicker Klempner von links nach rechts durch Level springt (Jump) und (´n´) läuft (Run). Stopp! Während mit dem N64 die Zeit der Sidescrolling-Jump´n´Runs beendet wurde, will Naughty Dog (ja genau, die Typen, die auch die Crash Bandicoot Serie programmiert haben) jetzt mit dem „alles ist bunt und irgendwie süß“-Klischee aufräumen. Kenner des Vorgängers wissen vielleicht noch, dass Jak und Daxter zwei eher ungleich kongeniale Partner sind, die sich vor allem hüpfenderweise durch eine riesige Welt fortbewegen, um am Ende des ersten Teils durch ein überdimensionales Zeitportal gen Zukunft zu verschwinden. Und ab da wird’s ernst.

Jak und Daxter landen in der nicht-ganz-so-nahen-aber-auch-nicht-ganz-so-fernen Zukunft und werden erstmal vom Tyrannen Baron Praxis (dem Oberschurken) ins archetypische Verlies geworfen. Zumindest mit Jak geschieht dies, das freche Frettchen Daxter verbringt zwei Jahre in der Gosse und wartet einfach nur. Worauf? Na, dass ihr Jak helft, aus dem Gefängnis herauszukommen! Euch stehen die unterschiedlichsten Angriffs-, Sprung-, Roll- und Kombotechniken zur Verfügung, von denen einige mich stark an Crashs Bewegungsrepertoire erinnern. Im Laufe des Spiels lernt ihr immer mehr über Baron Praxis, die Stadt, eure Vergangenheit (ihr habt ja n bisschen was übersprungen) und über das Dark Eco, welches unserem guten Jak während der zwei Jahre Gefängnisaufenthalt wahrscheinlich intravenös verabreicht wurde.

Aufgrund dessen neigt unser Protagonist manchmal zu cholerischen Wutausbrüchen, die sich in vernichtenden Schlägen, Superattacken und so weiter äußern. Vorausgesetzt, ihr sammelt genügend Dark Eco, das euch besiegte Feinde freundlicherweise vererben. Die Entwickler bezeichnen dieses Feature sinnigerweise als wandelnde Smartbomb, ihr werdet schon sehen, warum. Neu im Jump´n´Run-Genre ist die Verschmelzung verschiedenster Elemente zu einem Ganzen. Ihr geht nicht – wie bei solchen Spielen üblich – von Level zu Level, wartet auf das Laden eines Abschnitts, macht Endgegner platt etc. Als erstes spielt das ganze, ja, wie bereits eingangs erwähnt, in einer riesigen, futuristischen Stadt. Nun, die könnt ihr auch komplett erforschen, und sie ist ungefähr viermal so groß wie der Vorgänger. Der komplette Vorgänger. Zudem spielen sich die eigentlichen Missionen meistens in Arealen außerhalb der Stadt ab, die wiederum sehr zahlreich sind. In futuristischen Städten gibt es futuristische Leute mit futuristischen Fahrzeugen, die ihr ganz steinzeitlich per Dropkick kapern könnt. Es gibt sogar Polizisten, natürlich auch futuristisch und unter dem Namen „die Krimzon Garde“. Diese werden eigentlich sehr selten auf euch aufmerksam, es sei denn, ihr fahrt in der tiefen Flugzone (es gibt zwei Flugzonen, Erdbodenbereich und ca. 4 Meter über dem Boden) und tötet, pardon, verletzt unschuldige Krimzongardisten (hey, es ist ne Tyrannei, ob ihr Fußgänger überfahrt, ist denen egal).
Unglücklicherweise kommt man in der oberen Flugzone aufgrund von Staus nie voran, außerdem wollt ihr ja gegen die Tyrannei kämpfen! Nun schnappt ihr euch also ein Flugdingens und düst ganz GTA-like zu eurem nächsten Auftraggeber, den ihr euch natürlich frei wählen könnt. Hat der mal ne schwere Mission, nehmt ihr halt den anderen. Habt ihr erstmal einen Auftrag angenommen, begebt ihr euch zu dem auf der Karte angegebenen Punkt und schon geht’s los.

In den Aufträgen beschränken sich die Anforderungen meistens nur aufs Hüpfen, Laufen und Ballern. Auch nicht ganz Jump´n´Run-typisch ist die Möglichkeit, 4 verschiedene Wummen auszuwählen und diese effektiv zwischen Hüpfen und Springen einzusetzen. Also noch ein Genre, das die bösen Hunde integrieren. Und damit das alles nicht zu eintönig wird, spendierten die Entwickler uns auch noch ein Hoverboard, mit dem ihr durch die komplette Stadt grinden, flippen, spinnen und gleiten könnt wie Tony himself, eine eigene Rennliga, die euch Goodies freischaltet, eine Shootingrange etc. pp. Also: Von der Story habt ihr noch nix kapiert, aber das ist auch gut so, da sie viele Wendungen und Überraschungen bietet. Das mit dem Gameplay wisst ihr jetzt auch. Ihr könnt einfach alles jederzeit machen. Punkt. Wie sieht es jetzt aber mit der Präsentation aus?

Okay. Schaut euch die Bilder an. Die Grafik ist annähernd perfekt. Unendliche Weitsicht, kein Nachladen (wirklich NIE!!), 60Hz und Progressive Scan werden unterstützt. Charaktere bestehen aus durchschnittlich 15.000 Polygonen, mit perfekten Animationen. Unendlich viele Details (nachts könnt ihr den Sternenhimmel beobachten, wie er sich über euch hinwegdreht und Platz für einen Sonnenaufgang macht. Wenn ein Blitz einschlägt, erhellt er die Umgebung physikalisch korrekt. Augenflüssigkeit wird in Echtzeit berechnet!!! Sind die den wahnsinnig?!?), das Leben kann so schön sein. Mann, wenn ich mir überlege, wie perfekt die Grafik ist, wird mir jetzt schon Angst und Bange vor Jak 3.

Aber wie es immer ist: Jede Medaille hat zwei Seiten. Und so schön bei Jak 2 alles glänzen mag, so dunkel ist die Kehrseite. All die Gameplaytypen sind zwar gut integriert, aber nicht wirklich gut umgesetzt. Das GTA-Prinzip funktioniert zwar, es ist aber zuviel Verkehr unterwegs, als dass man vernünftig fahren könnte. Dazu ist die Steuerung der Flugautos schwammig plus die Gassen zu schmal. Das Hoverboarden, nun, die Spielbarkeit sinkt meiner Meinung nach stark nach unten, da man nicht präzise genug steuern kann, weil die Kamera generell unheimlich schlecht platziert ist. Es gibt nicht nur keine Autosicht (Taste drücken, und Kamera ist hinter dem Helden), die Kamera ist sogar wirklich ein Objekt und kann sich noch nicht mal an einer Mauer vorbeipressen, um hinter Jak zu gelangen. Ist also zu eurer linken in geringem Abstand eine Mauer, und ihr wollt die Kamera wieder hinter Jak bringen, müsst ihr den langen Weg rechts herum machen. Und solche Situationen gibt es zuhauf. Zudem stört mich noch die Unentschlossenheit seitens der Entwickler, dem Spiel EINE Atmosphäre mitzugeben. Der Eindruck, in einer unterjochten Stadt für den Untergrund zu kämpfen, wollte sich bei mir einfach nicht einstellen aufgrund des doch recht comicartigen Grafikstils, der für meinen Geschmack zu sehr in den Animestil geht, um richtig finster zu wirken. Und die riesige Stadt ist nicht nur riesig, sondern auch extrem unübersichtlich. Viele Straßenzüge sind sich einfach so ähnlich, dass eine Orientierung sich nur schwerlich einstellt. Zudem ist die ganze Stadt sehr verwinkelt, sodass man mit der In-Game Karte überhaupt nix anfangen kann. Ich frage mich auch nach der Zielgruppe, die Naughty Dog ansprechen möchte. Fans des ersten Teils werden sich nicht wirklich wohlfühlen, da sich die Protagonisten äußerlich stark gewandelt haben, und für Neueinsteiger ist das Spiel einfach zu komplex mit all seinen Genres. Zudem sind einige der Missionen einfach zu schwer.

Pro:
– Riesige, frei begehbare Spielwelt
– Es gibt sooo viel zu finden, entdecken und freizuspielen
– Die momentan populärsten Genres sind alle kombiniert
– Die Grafik ist wirklich nahe der Grenze zur Perfektion
– Irgendwie fordert es immer wieder zu einem Spielchen auf
– Die Präsentation ist topp (gute Sprecher, 75 Minuten Zwischensequenzen…)

Contra:
– Die Kamera ist katastrophal
– Das Zielen mit den Waffen funktioniert mehr schlecht als recht
– Die ganzen Waffen und Schlagkombos kann sich kein Mensch merken
– Die einzelnen Genres sind nicht gut spielbar
– Nirgendwo kann man sich noch einmal die ganzen freigespielten Spezialkombos anschauen. Die muss man sich merken. DAS ist wirklich verrückt
– Die Karte dient nicht zur Übersicht, es gibt kaum prägnante Stellen, ergo kaum Orientierungsmöglichkeiten
– Die Atmosphäre einer von einem blutrünstigen Tyrannen regierten Stadt kommt nicht rüber
– Oft einfach nur unfair
– Und Daxters Pseudowitze sind schlecht

Fazit:
Trotz all der oben erwähnten Schwächen bleibt Jak 2 ein Spiel, mit dem man viel Zeit verbringen kann, auch wenn man Jump´n´Runs nicht mag. Aber jeder, selbst Hüpffanatiker, sollte vorher mal probespielen.

Developer: Naughty Dog / SCEA
Publisher: SCEA
Spieler: 1
USK: 6 Jahre
VÖ: Bereits erhältlich

Scene-Shot
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