Patrice – Nile

Der Fluss als Quelle allen Lebens, der Nil als Inspiration für Patrice bei der Arbeit an seinem neuen Album? „Nile“ ist der Titel, und natürlich liegt es nahe, sich sofort auf dieses plakative Wort zu stürzen, den Künstler auf seine Wurzeln festzunageln und hopp, ab damit in die vorbereitete Klischee-Schublade. Tatsächlich aber trägt der junge Mann den „Nile“ schon viel länger mit sich herum und wollte eigentlich schon das letzte Album danach benennen. „Es war aber noch nicht ‚Nile‘. Das andere Album war einfach ´How Do You Call It?‚ für mich“, meinte Patrice vor Kurzem in einem Interview, und gerade deshalb sollte man bei dieser Scheibe ganz genau zuhören.Los geht’s mit „Today“, eher melancholisch statt wild, mit herzerweichenden Bläsern und dem hohen Anspruch „I will change the World today, i don’t care what the people say.“ Mit der Botschaft, sich stets seines freien Willens und gesunden Verstandes bewusst zu sein, schickt uns Patrice auf die Reise durch seine Gefühlswelt, die trotz seiner noch immer leidenden Stimme nicht zu nah am Wasser gebaut ist. Wenn die aktuelle Single „Soul Storm“ erklingt, hat man nicht den Eindruck, dass hier einfach die alten Weisheiten gepredigt werden, sondern ein Stück Lebenserfahrung aus ihm spricht: „We’ve got one eye on the future and the other on our money.” Der Hinweis auf die Schwächen der Menschen, aber auch hier immer wieder die Aufforderung, all das nicht einfach so geschehen zu lassen, sondern stets zu reflektieren. Ganz genau zuhören sollte man auch bei „Gun“, ein fast verzweifelter Beitrag zum Thema Gewalt und Nazismus. „Sometimes I wish I had a gun cos I don’t want to talk to them/Don’t get me wrong, I know it’s wrong …“ Die Wut kämpft gegen den Verstand. ‚Genug geredet!‘ gegen ‚Lass dich nicht auf ihr Niveau herab!‘, Resignation und Engagement liegen nah beieinader. Zum Ende hin gibt es noch einmal versöhnlichere Töne, wenn das eher ruhige „Slave To The River“ den Ausklang signalisiert.Das neue Album von Patrice ist einerseits eleganter Sommer-Reggae – und dann doch wieder nicht. Es ist Entspannung pur, aber nur, wenn man den Textennicht aufmerksam lauscht. Der Artist ist jung und voller Ideen, jedoch auch reifer und sehr überlegt, wütend und nachdenklich. „Nile“ ist ein ausgezeichneter Longplayer, der auch beim zehnten Mal hören nicht ausgeleiert wirkt, sondern immer wieder überraschen kann. Um in dem Bild des Flusses zu bleiben: Stellt euch eine Abenteuerbootsfahrt quer durch Afrikavor. Langeweile kommt auch nach monatelanger Reise nie auf, aber Zeit zum Nachdenken hat man jede Menge. Meine Empfehlung: Kopfhörer auf, Augen zu und inspirieren lassen. „We’re walking down an alley. Now I’m talking spiritually…“

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