John Legend – Get Lifted

Ich weiß, ich bin extrem spät dran mit meiner Plattenbesprechung zu John Legends „Get Lifted“. Wenn sich aber auch eine Vielzahl von Leuten nach Erhalt der Scheibe darauf stürzt und das Ganze zunächst hoch und runter spielt, bevor es wieder auf meinem Platz landet… Nun widme ich mich der Sache dafür aber besonders gründlich, denn dieses anhaltende Begehren jener Leute spricht Bände. Ich vermute stark, dass es sich hierbei um ein Qualitätsprodukt handeln muss. Der Herr Ex-Klavier-Lehrer und Freund von Gospel-Gesängen mit Hang zu großartigen und wohl klingenden Künstlernamen – der Mann heißt fo real Stephens und ist weder als Legende geboren noch durch den Ehe-Vollzug dazu avanciert – lullt mit seinem Debüt-Album unter der Regie von Kanye „Großmeister“ West ein, was nicht bei drei die Stop-Taste zu drücken vermag. Wem seine Gangster-Attitüde lieb geworden ist, dem sei irgendetwas anderes empfohlen, aber nicht the Sound of John Legend. Daran vermag auch nicht Snoop Doggerish zu rütteln, der sich zu einem Stelldichein mit der butterweichen Soul-Stimme einfand. Daneben erfreut sich das Ohr ferner an Gast-Beiträgen der – zu Recht – viel gepriesenen Violinistin Miri Ben Ari, dem auch mal reimenden Kanye West und der komplett versammelten Gospel-Familie Stephens. Ich sag so etwas ja eher ungern, aber ich wünsche mir sofort den Winter zurück, ganz viel Velvet on the floor und einen opulenten Kamin davor mit noch opulenterem lodernden Feuer. Ich vermute ernsthaft, dass John Legend genau solche Situationen im Sinn hatte, als er zur Produktion seiner Songs schritt. Um wilde Zwischenmenschlichkeit kann es ihm unter Umständen auch gegangen sein – aber ganz streng betrachtet, ist dafür alles an John Legend eigentlich viel zu nett. Aber am Ende macht dieses Halbschummrige den Reiz dieser Platte aus. Zudem kann man sich immer darauf verlassen, dass mit „Get Lifted“ musikalisch erstklassig produziertes und dargereichtes Machwerk zu Tage tritt, ebenso wie der leibeigene Soul, der sich, wie es manchmal scheint, Full Hundred von innen nach außen kehrt. Gott sei es gedankt – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die These lässt sich leicht unterstützen bei einem Blick in das Booklet der legendären Scheibe. Wo sich ein Usher bauchmuskelnd von einer Seite zur nächsten darstellt, finden wir hier den John vor der großen Orgel, zwischen den kirchlichen Sitzbänken stehend, wieder. Und während ich mich im Verlauf der CD frage, warum dieser Mann hier vier, schlichtweg untergegangene, Alben in Selbst-Regie veröffentlichen musste, um dann erst unter den West-schen Fittichen Gehör zu erlangen, erwarte ich nun aber voller Spannung Kollaborationen mit weiblichen Ebenbildern wie Mary J. Blige oder aber Alicia Keys. Erfahrungen mit Letzterer hat er ja schon bei den Aufnahmen zu deren „You Don´t Know My Name“ machen können. Des Weiteren tummeln sich auf seiner Credit-Liste noch Namen wie Jacksons Janet, Lauryn Hill – die Gute – , Talib Kweli und Common. Und wie sich das für ein Multi-Talent gehört, schauspielert man nebenbei auch noch in dem einen oder anderen Film-Streifen. Was ich aber eigentlich die ganze Zeit über händeringend versuche zu sagen, ist, dass „Get Lifted“ ein gutes Album ist, und John Legend ein guter Musiker, der den Soul vielleicht nicht neu definiert, aber dennoch redlich bemüht ist, denselben glorreich am Leben zu erhalten. In diesem Sinne: Guidance & Protection.

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