VA – Schwarzes Gold

Ihr Debüt-Album „Gottes Werk Und Creuzfelds Beitrag“ (erschienen über Put The Needle To Da Record) habe ich damals rauf und runter gepumpt. Für mich gehört es nach wie vor zu meinen top favourite Long-Playern aus Deutschland: Die Rede ist hier natürlich von Creutzfeld & Jakob aka Flipstar und Lakmann, denen damals ein echter Meilenstein gelungen ist. Nun haben Lak und Flip, um einen ehemaligen Major-Deal und einiges an Erfahrung reicher, den Weg eingeschlagen, den so viele in der heutigen Zeit gehen: Man gründete ein eigenes Label. Das Ergebnis dieser Entscheidung nennt sich „Selfmade Records“ – und der Name ist auch Programm, denn von nun an wird alles, von der Produktion bis zur Promotion, selbst in die Hand genommen, ohne sich auf andere zu verlassen.Das in Bochum, im Herzen des Ruhrpotts, angesiedelte Label liefert mit „Schwarzes Gold“ das erste Lebenszeichen in Form eines Label-Samplers. Neben den beiden Hauptakteuren Lak und Flip sind da beispielsweise noch die nicht minder – aus der Bunkerwelt – bekannten MCs Dike D und Terence Chill mit von der Partie.Nach dem Intro drängt sich ein „Still Dre“-artiges Piano-Sample in die Ohren des Konsumenten. Flipstar kommt mit seinem Track „Kein Schöner Land“ daher. Er rappt über den Pott und seine schönen Ecken, und auch das, was man so macht, um im Ruhrpott zu feiern oder zu chillen, wird von ihm thematisiert: „…alles ist wie immer und kommt es, wie es muss, ich ess Currywurst und Pommes auf dem Parkplatz von MC Donalds. Und trink Jim Beam-Coke am liebsten on the Rocks, hör´ meine Beats aus der Box…“! Dieser Track ist auch gleich mein Favourite auf dem Sampler, da er rollt und flowt wie ich das von Flipstar gewohnt bin.Mit viel Power und Aggressivität rhymt der mir bis dato unbekannte MC Favorite auf seinem Beitrag „Ruhrpott 4 Life“. Der Text ist mit vielen Punsh-Lines gespickt, die hier und da auch mal in Richtung von anderen Rappern abgeschossen werden: „Ich bin mehr Nigga als Banjo, denn ich bin Favorite. Bin nicht mehr Labelless. Du kriegst Basey (Baseballschläger, Anmerk. d. Verf.) ins Face bis du disabeled bist.“ oder: „Ich will nicht rhymen, ich will high sein. Grab die Flack und baller in deine scheiß Skyline rein. Ich habe viel Blei in der Wumme drin. Ist es so schlimm, dass ich Ersschlechterjunge bin?“ Das Erfolgskonzept des Dissens kommt hier deutlich zu Geltung. Ob sich der Einsatz lohnen wird, bleibt abzuwarten.Auf einem Beat, der ziemlich nach vorne geht, steppt Jason ans Mikro. „Ich habe meine Glocc poliert und bin bereit zu töten. Seh´ zu wie Sample-Soldier marschieren. Fick die Neue Deutsche Welle. Jason kommt auf einem Surfbrett (…) lässt euch aussehen wie Steve Earkel„. Jason flowt aggressiv und bringt seine Battle-Reim-Ansagen auf „Ich Aim Auf Das Bizz“ nicht wirklich überzeugend rüber. Er hat zwar einen guten Reimfluss, aber man hat Tracks wie diesen schon zu oft gehört.“Schwarzes Gold“ liefert jedoch einen guten Einblick darüber, was im Ruhrgebiet aktuell so geht. Vielleicht sind nicht alle der siebzehn Tracks hörenswert und man wird auch ab und zu zum Vorskippen gezwungen; trotz guter Parts von Lak, Flip, Mess usw. kann man doch nicht von mehr als Standard sprechen. Zur Freude aller Fans von Ruhrpott-Rap-Musik jedoch gibt es auf „Schwarzes Gold“ auch neuen Stuff von On An On, Dike D und auch ABS. Des Weiteren sind Spax und ZM Jay auf einem Track mit Nelson vertreten – „Stadtstreicher“ heißt das Ding und ist auf jeden Fall das Reinhören wert!Und trotzdem ist es schade, dass dieser Sampler nicht meinen Erwartungen eines C&J Label-Samplers gerecht wird. Deshalb Mittelwertung.

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