Sabrina Setlur – 10 Jahre – Das Beste Von 1995 – 2004

Normalerweise erscheinen Kompilationen und „Best Of“-Alben kurz vor Weihnachten, um noch mal richtig Kasse zu machen. Mit „10 Jahre“ gehen 3p und Frau Setlur nun im Januar an die Öffentlichkeit und verpassen damit vielleicht die Chance, den einen oder anderen Gelegenheitskäufer noch mit ins Boot zu ziehen. Im gleichen Atemzug erscheint die nächste Single aus dem letzten Album „SABS“ mit dem Titel „Mein Herz“. Der Song selbst ist nichts Aussergewöhnliches und hat auch keine Hitqualitäten. In Zeiten von Holzmichl und Schnappi jedoch scheint eine Nummer-Eins-Single sowieso nicht mehr das Papier wert, auf dem diese so genannten Charts ausgedruckt werden. Aber zurück zu Sabrinas Single-Collection. Zehn Jahre ist es nun her, seit die „Schwester“ zum ersten Mal kam. Nicht wild und unbändig, doch Deutschland war vorgewarnt: hier gibt es ´ne Frau, die „wirklich“ rappen kann und will. Der gute Moses hielt seine starken Arme schützend über dieses zarte Pflänzchen, während die Szene sich nicht sicher war, ob sie lachen oder erzittern sollte. Und dann kam´s ganz dick: „Ja Klar“ mag nicht der genialste Song aller Zeiten sein, und sicher waren die Reime nicht immer wasserdicht – doch die „Sahnetorte“ etablierte sich fest im deutschen Musikbusiness. Das Publikum liebte ihre Sprüche und ihr Selbstvertrauen. Die Konkurrenz war sich ihrer Gegenwart wohl bewusst und vier Jungs aus Stuttgart wollten sogar spontan mit ihr in die Kiste steigen: Schwester S!Als die junge Dame schließlich erwachsen werden wollte, erklärte man das Projekt kurzerhand für beendet und schickte Sabrina Setlur als Sabrina Setlur ins Rennen. „Du Liebst Mich Nicht“ und „Ich Leb Für Dich“ hiessen von nun an ihre sehr emotionalen Songs, die teilweise tief in die Seele der Künstlerin blicken lassen sollten, obwohl bis zum heutigen Tage nicht geklärt ist, wer wann warum wie sehr schwanger war. Alles nur PR? Wer weiss? Ganz nebenbei hatte Papa Moses die Idee, mit Hilfe seiner Zugstute noch weitere junge Künstler bekannt zu machen. Im Falle eines damals noch unbekannten Backgroundsängers aus dem 3p-Stall war dieser Schachzug derart erfolgreich, dass man heutzutage schon Schwierigkeiten hat, Henne und Ei richtig einzuordnen. Fakt ist: das Ei ist mittlerweile größer als die Mama (und der Grund für die „X“-Klauseln in modernen Plattenverträgen).„Ich bin so, dass die BILD-Zeitung über mich schreiben will…“, meint Sabrina und tritt die Flucht nach vorn an. Viel haben die Medien über sie berichtet, mal mehr, mal weniger seriös. „Dann sei doch nicht so“, rufen ihre Kritiker zurück und wünschen sich, sie würde sich irgendwo tief eingraben und nicht wieder hervorkommen. Doch stattdessen ist sie so, dass wir über sie schreiben müssen. Sie hat das geschafft, was die Piranhas dieser Welt in schlaflosen Nächten herbeisehnen. Jeder kennt sie, jeder hört hin, wenn sie etwas Neues veröffentlicht. Weiß man jedoch nichts von ihr, heißt es sofort: „Was treibt eigentlich die ‚Schwester’?“

Mit ihrem kleinen „Best Of“ liefert Sabrina Setlur ihre eigene Erfolgsgeschichte (bis jetzt) appetitlich verpackt zum Nachhören ab. Das grosse S und die drei kleinen P’s sind eine ernstzunehmende Grösse im deutschen Rap und auf lange Sicht niemals zu unterschätzen. Aber vielleicht gibt’s ja auch noch ein paar Sturköpfe, die behaupten, die Floskel „Oh, bidde!“ (Erbarmen!) hätten sie sich selbst ausgedacht. Träumt weiter!

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