VA – Gegen Die Kultur – Punchlines, Tapes und Fanatismus

In dem Tatsachenbericht “RoyalBunker die Doku – Punchlines, Tapes und Fanatismus” auf DVD erfahrt ihr alles, was ihr schon immer über MOR und Anhang wissen wolltet, von den frühen Anfängen bis zur Gegenwart bleibt euch kaum etwas von der Entstehungsgeschichte der Jungs erspart bzw. verheimlicht. Wer die Jungs sind? Das sind alle, die den Berliner Battlerap groß gemacht haben, und das nicht nur, indem sie sich Wochenende für Wochenende in einer kleinen übelriechenden Musikkneipe getroffen haben, um zu musizieren und neu erlernten Texten zu lauschen. Ihr habt keine Ahnung, von wem oder was ich eigentlich rede? Na, dann mal ganz langsam und immer schön der Reihe nach:Sicherlich fragen sich einige, was RoyalBunker überhaupt ist. Dazu kann ich sagen, dass es sich heute um ein nicht minder erfolgreiches independent Label handelt, welches bei der Entstehung und Weitervermarktung des Berliner- bzw. des deutschen Battleraps eine entscheidende Rolle gespielt hat. In der Vergangenheit sicherlich etwas mehr als zur heutigen Zeit, aber ohne RB hätte diese Musikszene, zumindest in Deutschland, höchstwahrscheinlich noch länger auf sich warten lassen.Nun zu den vorhin schon erwähnten „Jungs“, darunter sind nämlich einige, die auch heute noch bekannt sind und ebenso einige musikalisch weniger Aktive. Nennt man sie mal bei ihren Künstlernamen, hört sich das so an: Kool Savas, Fuat, Meyah Don, Shadow, MartinB, Gauner, Fumanschu & Justus, Die Sekte (Sido, BTight), Bassboxxx, Rhymin Simon, EKO, Jack Orson & Ronald McDonald, Taktlo$$ sowie das einzige Mädel in der Clique „Mel Beatz“. Diese Charaktere machen jedoch nur den Part der Ceremonic Masters aus, schließlich haben sich auch einige Plattenunterhalter herauskristallisiert, die sich dann DJ MK1, DJ Zeet oder auch DJ Hype nennen.Der letzte und auch wichtigste Name lautet wohl Marcus Staiger. Er war die meiste Zeit über die organisatorisch treibende Kraft um MOR und RB und ist auch der gegenwärtige Leiter des Unternehmens. Das soll mit Sicherheit nicht heißen, er hätte das Label allein und ohne Rapper hochgezogen, ohne die geht’s nämlich nicht. Nachdem euer Allgemeinwissen durch dieses kurze Brainstorming wieder einmal wahnsinnig (r)evolutioniert wurde, komme ich auch gleich zum wirklich sachlichen Teil.Die Dokumentation erscheint in Form einer Doppel-DVD. Auf der ersten Disc befindet sich natürlich die eigentliche Doku – der Grund des Kaufes sozusagen. Am besten ihr schaut euch den Stuff ganz einfach von Anfang bis Ende an; zwar gibt es eine 20-teilige Gliederung, die die nächsten zweieinhalb Stunden in zwei bis zwanzig minütige Sequenzen unterteilt, allerdings ist es schwer chronologisch mitzukommen, wenn man sich diese geshuffelt reinzieht. Schon im ersten Clip erkennt man, dass nicht allzu viel Wert auf wirkliche Professionalität beim Interviewen gelegt wird: man darf nämlich zuschauen, wie einer der Rapboys während des Drehs von seinem Handy unterbrochen wird. O.K., das ist jetzt nicht wirklich spektakulär oder unprofessionell, aber so richtig professionell ist das ja nun auch nicht…Zumindest verspricht diese Art der Tatsachendarstellung nicht langweilig zu werden und wirkt wunderbar unverfälscht. Nach und nach wird mit Hilfe der bunten Scheibe klar, wie das RB-Label zu dem geworden ist, was es up-Today ist. Jeder der oben genannten Darsteller darf mal seinen eigenen Senf dazu geben, wird in Rap-Action gezeigt (bis auf einige Ausnahmen) und erklärt, wie sich der Bunker aus der jeweilig eigenen Sicht entwickelt hat. So reihen sich Fragen an die MC’s gepaart mit vielen Originalaufnahmen aus früherer Zeit aneinander. Natürlich bleibt es dabei nicht aus, dass sich die Erzählungen überschneiden oder auch mal unterschiedlich ausfallen, ganz einfach aus dem Grund des nicht besseren Wissens. Neben den ganzen MC’s und den eher mager vertretenen DJ’s mischen sich auch immer wieder Einspieler von Reportern mit unter, die MOR auf dem Weg zum Erfolg begleiteten und ihre dabei gesammelten Erfahrungen und Eindrücke zum besten geben. Mit genau dieser Mischung der Aufnahmen wird klargemacht, wie der Aufstieg des RB vom schon erwähnten stinkenden lahmen Musicclub zur florierenden „Rapperhöhle“ mutierte, und genau in diesem Style der Informationsgebung geht es auch fast bis zum Ende weiter.

Wenn ihr euch das digitale Vinyl aufmerksam angeschaut habt, wisst ihr auch, wie es nach dem erstmaligen Aus des RB-Clubs weitergeht. Ihr wisst, warum einige der Rapper aufgehört haben und wie andere ihr Hobby zum Beruf machten. Ihr erfahrt, auf welche Art und Weise sich Wege trennten und neue kreuzten. Ihr bekommt einen Einblick in die Definition von Battlerap und dem ganzen Drumherum, wodurch er sich auszeichnet und warum die Berliner bei all dem eine so große Rolle spielten. Anderen Akteuren gibt dieses Interview Gelegenheit mit den Vorurteilen des Dissens aufzuräumen, wiederum andere zeigen, wie hart die Arbeit „Rap“ eigentlich ist. Das wird auch mit Hilfe einer Art „Making Of“ zum ersten Album NLP, sowie mit dem Dreh zum Video „Bei Mir“ von MOR deutlich. Dieses und noch vieles mehr erwartet euch auf der ersten RB-Disc.

Auf der Bonus-DVD ist dann Schluss mit all den Interviews und Infos, die euch vorher mehr oder weniger überrollten. Hier könnt ihr euch ganz gechillt zurücklehnen und das Tourvideo „Kotzen und Ablegen“ aus dem Jahre 2001 inhalieren. Ebenso erwarten euch unter der Rubrik „Die teuersten Clips der Welt“ einige optisch überarbeitete und super-Special Effect geladene High-End-Musikvideos – MOR-Fans können sich denken was ich meine, alle anderen sollten sich einfach überraschen lassen.Alles in allem darf ich behaupten, dass die Doku sich auch als eine Solche brüsten kann. Ich, als nicht hundert Prozent firm in Sachen MOR, behaupte von mir, eine Menge über die Rapcombo und das Drumherum gelernt zu haben. Sehr smooth fand ich, dass es die ganze Zeit über etwas zu lachen gab – oder ich zumindest immer gegrinst habe, während der paar Stunden RoyalBunker (Nein! Ich hab die DVD nicht geraucht!). Des Weiteren haben mir die vielen Originalaufnahmen aus der frühen Zeit gefallen (da gab es Savas noch mit Faulezahn…). So wirkt die Sache authentisch. Das einzige, was im Nachhinein seltsam auf mich wirkte, ist, dass es insgesamt ziemlich wenig Rückschläge in der History RB zu geben scheint. Nun ja, wahrscheinlich wurde Negatives nicht so breit gelatscht wie die positiven Infos, aber irgendwie erinnert die Story schon an die alte „vom Tellerwäscher zum Millionär“-Phrase. Kurz gesagt: Für echte Masters of Rap auf jeden Fall lohnenswert und eine Möglichkeit sich eine neue oder weitere Meinung über Battlerap zu bilden. Tja, und alle, die Dissen für stumpfsinnige Aneinanderreihungen von Ausdrücken und Fäkalität halten und sich auch nicht davon abbringen lassen wollen, sei gesagt: Lieber nicht!

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