The Roots – The Tipping Point

Also um ganz ehrlich zu sein, fällt es mir mächtig schwer, meine Gedanken zu sammeln und klare Worte über den aktuellen Roots-Release „The Tipping Point“ zu verfassen. Das Album steht nämlich bis zum VÖ-Termin unter schwerster Quarantäne – drum traf sich neulich die journalistische Gilde zu einem Stelldichein, welches im Fachjargon gern auch „Listening-Session“ genannt wird.Wenn man sowas mal mitgemacht hat, weiß man, dass sich eine Listening-Session unwahrscheinlich in die Länge ziehen kann. Nix mit easy mal ins Album reinhören und dabei Stulle essen. Nö, Stichpunkte machen und am besten nicht mit den Kollegen sprechen, sonst verpasst man Ende noch die Hälfte. Sei es drum. Folgt mir nun auf meiner Reise durch besagte Studien.Ein Licht ist mir auf jeden Fall aufgegangen: „The Tipping Point“ klingt völlig anders als sein Vorgänger „Phrenology“. Auch musste ich feststellen, dass mir die Singleauskopplung „Don`t Say Nuthin“ gar nicht mal so doll gefällt. Ist mir zu trocken, ein bisschen einfallslos, was sicher aber Geschmackssache ist. Das Trockene bei „The Tipping Point“ (übrigens nach einem Buch von Malcom Gladwell „The Tipping Point – How Little Things Can Make A Difference“ benannt) wird durch die Band selbst noch unterstrichen, die ihr Werk gern auch „the straight and simple album“ nennt. Das erklärt natürlich Einiges, denn auch die Beats zu Tracks wie „Guns Are Drawn“, „Web“ oder „Somebody ´s Got To Do It (feat. Jean Grae & Devon the Dude) reichen von furztrocken bis derbe simpel. In den meisten Fällen aber tut dies den Titeln durchaus gut, und geglänzt wird hierbei oft mit sauber und wicked geflowten Lyrics. Alles in allem represented „The Tipping Point“ den deepen Old-School-Shiat der vergangenen Tage, was geil ist, denn wie Timba und Co. versucht ja heutzutage jeder zu klingen. Hier fühle ich mich gelegentlich an KRS One erinnert (etwa auf „Boom“ feat. Dice Ricky Raw Valentine), oder wünsche mir gar Shabba Ranks – den alten Haudegen – auf den nicht mit Lyrics versehenen ?uestlove-Beat „Dada“. Ein großartiger Riddim! Auch der Funk war zugegen, als man sich zu den Aufnahmen für dieses Werk traf, vor allem als ODB in die Kabine ging, um seinen Part für den Track „The Mic“ (feat. Dave Chappell, Dice Ricky Raw Valentine und ODB) zu performen.Meine Stichpunkte sind alle, die Erinnerung verlässt mich. Eines spukt mir aber noch im Kopf herum: Wieso ist „The Tipping Point“ im Vergleich zu seinen Vorgängern so kurz? Natürlich gibt es auch dafür eine hieb und stichfeste Erklärung. Man wird nun öfter mal ein Album recorden, meinen die Roots, und das nächste steht schon in den Startlöchern. Nächstes Jahr, in etwa um diese Zeit, soll es kommen. Ich bin gespannt und habe den Notizblock schon gezückt.

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