Backspin vs. Ninja Tune

Letzten Montag erhob das englische Label Ninja Tune schwere Vorwürfe gegen einen unserer Kollegen von der Backspin. Eine Promo-CD des neuen Toddla T-Albums "Watch Me Dance" sei geleakt worden, die Watermark (mit der Plattenfirmen seit einiger Zeit Pressekopien markieren, um bei etwaigen Leaks die Quelle besser finden zu können), habe eindeutig auf Benjamin Jäger verwiesen. Zahlreiche Blogs und Webseiten griffen die unbewiesene Behauptung kommentarlos auf und verbreiteten sie, auf Twitter fand eine regelrechte Hetzjagd gegen die Backspin statt. So forderte etwa der Produzent Flying Lotus dazu auf, der Backspin keine Promo-CDs mehr zu schicken.

In einer exklusiven Erklärung gegenüber rap.de erhebt der Beschuldigte nun schwere Vorwürfe, sowohl gegen die Plattenfirma wie gegen die in weiten Teilen sehr unkritische Berichterstattung. "Aus heiterem Himmel poltert Ninja Tune mit dieser Hetzjagd auf uns ein. Ein sehr unprofessionelles Verhalten, zumal das Label bisher nie mit uns direkt Kontakt aufgenommen hat. Die Welle, die dadurch im Internet iausgelöst wurde, ist erschreckend, zugleich aber auch bezeichnend, da dieses Statement von vielen Redaktionen kommentarlos, oder zum Teil sogar mit weiter ausformulierten Vorverurteilungen veröffentlicht wird, ohne das die entsprechenden Redaktionen mit uns Kontakt aufgenommen hätten", erklärte Benjamin Jägermit begreiflichem Ärger. "Was die Kommentare bei Twitter etc. angeht, ist dies halt wie mit allen "heißen“ Gerüchten, die sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Ohne genügend Grundlagenwissen wird einfach mal eine Meinung vertreten. Und generell: Es ist natürlich ein Unding, meinen kompletten Namen und den Verlag so in Verruf zu bringen. Das kann man schon als Rufschädigung betrachten."

Zur Sache selbst stellte Jäger fest, dass der Leak von einer sogenannten Ripgroup ins Netz gestellt worden sei. Wie diese an die CD gekommen seien, wisse er nicht. "Toddla TWatch Me Dance" wurde am 05.07.2011 geleaked. Die zweite CD "Thundercat – The Golden Age Of Apocalypse" ging, NACHDEM wir von Verstärker (Promotion-Agentur von Ninja Tune) auf den Fall aufmerksam gemacht wurden, acht Tage später online. Die Exemplare waren auf der Hülle und auf der CD namentlich gekennzeichnet. Wir sind uns weiterhin keiner Schuld bewusst und werden gewissenhaft mit den uns zur Verfügung stehenden Materialien umgehen und arbeiten."

Auch ein rechtliches Vorgehen gegen die rufschädigende Vorgehensweise schloss Jäger nicht aus. "Wir prüfen gerade, wie man mit so einem Fall umzugehen hat. Rechtliche Schritte sind aber natürlich eine ernstzunehmende Variante. Nicht zuletzt aufgrund der Rufschädigung in den vergangenen Tagen."

Wir meinen: Auch wenn die Sorgen der Plattenfirmen wegen illegaler Leaks berechtigt sein mögen, gilt immer noch die Unschuldsvermutung. Leute einfach aufrgrund eines Anfangsverdachts an den Pranger zu stellen, ohne vorher auch nur mit ihnen gesprochen zu haben, ist kein faires und angemessenes Vorgehen. So etwas geht einfach nicht. Punkt.

Auch in der Vergangenheit sind übrigens schon Journalisten, die sich nichts zu schulden kommen ließen, ins Visier übereifriger Leak-Jäger geraten – wie etwa dieser Fall beweist.

 

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